ORF-Public-Value-Buch „Public Open Space“ präsentiert

Beiträge zur Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien

Wien (OTS) - Neue Kommunikationstechnologien haben innerhalb weniger Jahre die Medienwelt revolutioniert. Facebook und Google haben die Mediennutzung radikal verändert. Dadurch sind nationale und europäische Mediensysteme unter erheblichen Druck geraten. Was aber passiert, wenn die Meinungsbildung der Menschen nicht mehr von einem demokratischen öffentlichen Diskurs, sondern von unüberprüfbaren Algorithmen und kommerziellen Geschäftsmodellen gelenkt wird? Gerade weil die Macht der Internet-Giganten so groß ist, gewinnt die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien an Bedeutung. Doch wie sieht die digitale Vision des „Rundfunks der Gesellschaft“ aus? Worin besteht die unterscheidbare Qualität öffentlich-rechtlicher Medien, ihr Wert und Nutzen für Gesellschaft und Demokratie? Wie können sie dazu beitragen, österreichische und europäische Identität gegenüber globaler Medienwirtschaft zu schützen?

Im neuen ORF-Public-Value-Buch „Public Open Space – Zur Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien“ geben mehr als 55 Beiträge von österreichischen und internationalen Wissenschafterinnen, Wissenschaftern, Expertinnen und Experten Antworten darauf und liefern Analysen, Perspektiven und Entwürfe für die Zukunft. Das Buch wurde heute Montag, dem 28. Mai 2018, im Presseclub Concordia von Dr. Klaus Unterberger, Leitung ORF Public Value, im Gespräch mit den Wissenschaftern FH.-Prof. Dr. Reinhard Christl, Public-Value-Beirat, Univ.-Prof. Dr. Leonhard Dobusch, Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Thomas Steinmaurer, Universität Salzburg, und der Wissenschafterin Univ.-Prof.in Dr.in Petra Herczeg, Universität Wien, präsentiert. „Public Open Space“ ist im Facultas Universitätsverlag erschienen, Herausgeber sind Konrad Mitschka und Klaus Unterberger.

Dr. Klaus Unterberger, Leitung ORF Public Value
„Die Zukunft des ORF braucht keine eigenwillige Rezepte oder überschießenden Beschränkungen. Welchen Beitrag der ‚Rundfunk der Gesellschaft‘ in Zukunft leisten wird, ist vielmehr das Ergebnis einer öffentlichen Debatte, eines breiten Diskurses über die Bedeutung von Qualitätsmedien für Gesellschaft und Demokratie. Dabei ist die Meinung der Expertinnen, Experten und Wissenschafter/innen unverzichtbar. Unser Buch ist ein Beitrag, diese Diskussion über die Zukunft des ORF zu führen: Mit dem Publikum, mit der Gesellschaft und mit der Wissenschaft. Es geht im Buch um die Zukunftsfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien. Die Perspektive eines ‚Public Open Space‘ eröffnet eine dazu eine kraftvolle Vision der Weiterentwicklung und Transformation öffentlicher Medien im digitalen Zeitalter.“

Das sagen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter:

Univ.-Prof.in Dr.in Petra Herczeg, Universität Wien „Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sind gerade in der digitalen Gesellschaft gefordert, Meinungsvielfalt und Diversität auf unterschiedlichen Ebenen zu ermöglichen. Diversität stellt sich nicht von selbst ein, sondern ist eine von den Rundfunkanstalten im Sinne auch des Public Values zu erbringende Leistung, um unterschiedliche mediale Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu berücksichtigen.“

Univ.-Prof. Dr. Leonhard Dobusch, Universität Innsbruck
„In Zeiten, wo Öffentlichkeit zunehmend vermittelt über transnationale, digitale Plattformen hergestellt wird, stellt sich die Frage nach der spezifischen Aufgabe und Struktur öffentlich-rechtlicher Anbieter in diesen neuen digitalen Kontexten. Manche bezweifeln die Notwendigkeit öffentlich-rechtlicher Angebote angesichts der Vielzahl an online verfügbaren Angeboten ganz grundlegend oder weisen ihnen eine bloß subsidiär-untergeordnete Rolle zu. Das unterschätzt jedoch die Bedeutung und den Wert öffentlich-rechtlicher Anbieter für demokratische Öffentlichkeit. Im Gegenteil, es gibt vielmehr völlig neue öffentlich-rechtliche Aufgaben in einem medialen Umfeld, das zunehmend von Profitinteressen privater Plattformbetreiber und ideologischen Projekten privater Medieneigentümer dominiert wird. Denn vielfältige, digitale Öffentlichkeiten erfordern auch öffentliche Räume jenseits von unmittelbarer Verwertungslogik oder privater Interessensverfolgung, die es aber als solche unter neuen technologischen und ökonomischen Voraussetzungen erst zu konstituieren gilt. Für öffentlich-rechtliche Anbieter folgt aus dieser Erkenntnis die Notwendigkeit einer stärkeren Öffnung. Diese müssen sich stärker öffnen in Fragen von Partizipation, von Transparenz und von Lizenzierung ihrer Inhalte, viel mehr als man es von privaten Medienanbietern überhaupt jemals fordern kann.“

FH.-Prof. Dr. Reinhard Christl, Public-Value-Beirat
„Medien erleben die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, wirtschaftlich wie auch hinsichtlich der Qualität. Um dem zu begegnen, braucht es Qualitätsjournalismus, sei es bei kommerziellen Anbietern aber eben auch in starken öffentlich-rechtlichen Medien. Aufgabe der letzteren ist es, Qualitätsprogramme in die Breite der Gesellschaft hineinzutragen. Man muss dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Institution die Möglichkeit geben, den Sprung ins Digitalzeitalter zu schaffen und seine Angebote entsprechend weiterzuentwickeln.“

Univ.-Prof. Dr. Thomas Steinmaurer, Universität Salzburg
„Eine bedeutende Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien ist und bleibt der universelle Zugang für alle Bevölkerungsteile ohne finanzielle oder soziale Barrieren – auch in digitalen Netzwerken. In diesem Sinn muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Public Service Network als eine gemeinwohlorientierte digitale Plattform weiterentwickeln."

Mark Eisenegger & Jens Lucht, Universität Zürich
(Zitat aus dem Buch, nicht anwesend bei der Präsentation)
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist auch in der digitalen Medienwelt des 21. Jahrhunderts ein unabdingbarer Lieferant von Informationen zu Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur. Er trägt somit maßgeblich zur Ermöglichung der politischen Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger und zur gesellschaftlichen Integration bei.“

Manuel Puppis & Hildegard van den Bulck, Universitäten Freiburg bzw. Antwerpen
(Zitat aus dem Buch, nicht anwesend bei der Präsentation)
„Mit Blick auf die zwingend notwendige Unabhängigkeit des öffentlichen Rundfunks von der Politik, die Verlässlichkeit der Finanzierung und die Legitimation des öffentlichen Rundfunks empfiehlt sich die Beibehaltung eines vom Staatshaushalt getrennten Finanzierungsmodells.“

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GOK0001