FuturE Stromcamp: Ein neues Narrativ der Energie, das alle mitreißt

Wien (OTS) - Energiezukunft funktioniert nur, wenn viele mitmachen. Wie man die ÖstereicherInnen für die Energiezukunft begeistern kann, war die Kernfrage des FuturE Stromcamp powered by Oesterreichs Energie und Österreichische Energieagentur. Inputs von ExpertInnen aus dem Bereich Journalismus, Kommunikation oder Campaigning sowie von WissenschaftlerInnen oder VertreterInnen von NGOs waren Inspiration für neue Lösungsansätze, die im „Rapid Prototyping“-Verfahren entwickelt wurden. Rund 50 ExpertInnen diskutierten, welche Frames und Narrative zur Energiezukunft notwendig sind, um Verhalten zu ändern.

„Wir müssen das Energiesystem umbauen und dafür Begeisterung wecken.“ Mit diesen Worten eröffnete Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, das FuturE-Stromcamp, das Oesterreichs Energie und die Österreichische Energieagentur gemeinsam am 9. Mai veranstaltet haben. Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur erklärte, es gelte alle Menschen mitzunehmen, damit sie sich aktiv beteiligen. „Das ist eine der größten Herausforderungen“, so Traupmann. Logische Leitfrage des Stromcamps war deswegen: „Wie begeistern wir die ÖsterreicherInnen für eine saubere, sichere und leistbare Energiezukunft und den dafür nötigen Umbau des Energiesystems?“

Der Umbau ist aus Sicht der E-Wirtschaft eine riesige Herausforderung. „Die Umstellung wird man in der Landschaft sehen und es wird auch etwas kosten“, so Schmidt. Man brauche Netze, Speicher, Sektorkopplung und eine Vielzahl von Anlagen, die Ökostrom erzeugen. Gleichzeitig dürfe die Summe der Förderungen nicht in den Himmel wachsen. Schmidt: „So eine Transformation kann nicht gegen den Willen der Menschen gemacht werden. Die Energiezukunft muss daher zu einer positiven Sache werden, für die sich die Menschen begeistern.“ Gesucht werde ein neues Narrativ der Energie, das alle mitreißt.

„Erstmals scheint man es in Österreich mit einer dekarbonisierten Zukunft ernst zu meinen. Entscheidend dafür wird die operative Umsetzung der Klima- und Energiestrategie sein. Diese Umsetzung kann nur gelingen, wenn die relevanten Player sektorenübergreifend, aber auch über Branchengrenzen hinweg, zusammenarbeiten“, ist sich Traupmann sicher. Zudem sieht er das Thema Energieeffizienz als Schlüsselfaktor der Energiewende. Hier sei die Österreichische Energieagentur besonders erfahren, denn: „Effizienz ist seit über 40 Jahren unser Kernthema“, so Traupmann. 

Best Cases als Inspiration

Unterschiedliche Vortragende haben im Rahmen des FuturE Stromcamps dargestellt, wie es ihnen bei ihren Projekten gelang, bei Menschen Einstellungen zu verändern, Akzeptanz herzustellen und schlussendlich auch Verhalten zu ändern. Was waren dabei Erfolgsfaktoren und Learnings?

Dass Energie aus 100 Prozent Wind-, Wasser- und Solarkraft möglich ist, war Adam Pawloff, Klima- und Energie-Experte von Greenpeace in Österreich, in der ersten Session des FutureE Stromcamps überzeugt: „Noch vor einigen Jahren war die Idee, auf Kohle, Öl und Gas vollkommen zu verzichten, ein Nischenthema. Bei der UN-Klimakonferenz in Paris ist es jedoch gelungen, die Vorstellung von Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen politisch zu verankern.“ Jetzt gehe es darum, den Worten Taten folgen zu lassen und mit konkreten Projekten den Umbau des Energiesystems zu verdeutlichen. 

Viele TeilnehmerInnen des Stromcamp waren der Meinung, dass die Themen Klimawandel oder Energiewende in den Medien zu selten behandelt werden. „Nicht ärgern, dass die Zeitungen nicht schreiben. Zu den Journalisten gehen, ihnen Informationen anbieten und im Idealfall eine Geschichte erzählen“, lautete ein Rat des Falter-Journalisten Benedikt Narodoslawsky. Darüber hinaus empfahl er, bei als gelungen wahrgenommenen Artikeln positives Feedback in Form von Leserbriefen zu geben. Denn das stärke den Journalisten in der Redaktion und dieser können so in Zukunft ähnliche Themen aufgreifen.

Martina Löwe, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe, gab Einblicke in die sehr erfolgreiche Kampagne „Don’t smoke“. Dabei habe man innerhalb kürzester Zeit, nämlich innerhalb von Stunden, auf den Plan der Regierung zur Aufhebung des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie reagiert. Auch die Unterstützung zahlreicher bedeutender Partner war ein Erfolgskriterium. Darüber hinaus blieb man auf der Sachebene und versuchte die Inhalte zu steuern: nicht gegen Raucher mobilisieren, sondern den Schutz der Nichtraucher in den Vordergrund stellen. Eines der wichtigsten Learnings: Die Themenherrschaft behalten und sich nicht das Narrativ wegnehmen lassen. 

Drei Ansatzpunkte zur Verhaltensänderung

Prof. Arnd Florack, der sich an der Universität Wien mit Themen der Sozialpsychologie beschäftigt und in der Konsumenten- und Verhaltensforschung tätig ist, nennt in seinem Vortrag drei Ansatzpunkte zur Verhaltensänderung: Informieren und Überzeugen. Motivieren. Wege aufzeigen. Er verwies auf Untersuchungen in den USA, die gezeigt hätten, dass beispielsweise der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Energiesparverhalten gleich null ist. Florack: „Selbst wer informiert ist, muss auch noch motiviert werden.“ Schließlich müssten dann noch einfache Mechanismen etabliert werden, die möglichst wenig Willenskraft bräuchten.  

Visualisierung, Verhaltensanker und Framing

Martha Bißmann, Spezialistin für Crowdfunding und Bürgerbeteiligungsprozesse sowie Nationalratsabgeordnete der Liste Pilz, betonte in ihrer Key Note, dass man bei einer erfolgreichen Kampagne immer eine starke Geschichte erzählen und diese auch visualisieren müsse.

Wie man tiefsitzende Verhaltensmuster verändern kann, zeigte Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit, das sich seit Jahrzehnten mit Unfallprävention und Verhaltensänderungen beschäftigt. Kaltenegger erläuterte das Problem, dass nachhaltige Verhaltensänderungen meist nur mit hohem Aufwand und permanenten Kommunikationsmaßnahmen bewirkt werden können, wenn sie nicht über andere Maßnahmen gestützt würden. Als „Verhaltensanker“, die einmal erforschte Erfahrungen und daraus abgeleitete Maßnahmen zur Verhaltensveränderungen verstärken, bezeichnete Kaltenegger beispielsweise Gesetzesänderungen oder eine Veränderung der Rechtsprechung. Nachhaltig wirkten sich aber auch Änderungen in der schulischen Vermittlung und in den Lehrbüchern aus. Wichtig ist aus Sicht Kalteneggers auch eine Fokussierung der Organisationen. Im Kuratorium für Verkehrssicherheit geschehe dies, sodass selbst bei der Entscheidung über Forschungsprojekte schon von Anfang auch die KommunikationsspezialistInnen eingebunden werden, die sich darum kümmern, dass die erwarteten Ergebnisse auch gut kommunizierbar sind.

Florian Oberhuber von SORA gab einen Einblick in das Thema Framing. Ihm zufolge überzeugen Fakten alleine nicht. Wir würden überzeugt, wenn wir glauben, dass etwas gut und richtig ist. Framing heißt demnach, die eigene Weltsicht mit eigenen Worten, Bildern und Geschichten zum Ausdruck zu bringen. Dabei komme es auf die Wiederholung an, vor allem gelte aber: „Ein gemeinsamer Weg auf ein Ziel hin schafft Verbundenheit.“ 

Roter Faden, Sinn & Engagement, Ökosystem

In der dritten Session des Stromcamp räumte der Kommunikationsexperte Alois Grill von Loys Repositioning mit einem gängigen Vorurteil auf. Denn ihm zufolge kann Werbung kein Verhalten verändern, auch nicht mit viel Geld. Werbung kann aber Trends erkennen, aufspüren, sich „draufsetzen“ und diese verwerten. Man müsse das Zielpublikum dort abholen, wo es ist – im Alltag. Die Herausforderung dabei: „Man muss adaptiv sein, aber dabei nicht den roten Faden verlieren“, so Grill. Martin Gurdet vom Bundesverband Bergrettung verwies auf die Bedeutung der persönlichen Motivation: „Sobald ich einen Sinn in etwas erkenne, kommt auch das Engagement.“ Wichtig sei auch die direkte Kommunikation mit den Mitgliedern über Ängste, Themen und mögliche Probleme, bevor diese konkret schlagend werden. Damit könne viel Vertrauen aufgebaut werden. „Alleine kann man keine Innovationen auf den Weg bringen. Man muss ein Ökosystem aufbauen“, betonte Anna Schaden, Expertin für die Förderung von sozialem Unternehmertum bei Ashoka. Man dürfe nicht Lösungen vorgeben, sondern müsse in Entstehungsprozesse einbinden. Denn nur wer sich befähigt fühlt, werde sich langfristig begeistern. Es gehe nicht um passives Empfangen von Botschaften, sondern darum, dass Menschen mitmachen und sich selbst einbringen. 

Neue Konzepte in Rapid Protoytping Workshops

Mit diesen Inspirationen haben die TeilnehmerInnen im Rahmen von Rapid Protoytping Workshops neue Konzepte entwickelt und diese anschließend in einem Pitch präsentiert. Dabei handelte es sich um konkrete Kommunikationskampagnen, die von Apps bis hin zu partizipativen Challenges im Familien- und Nachbarschaftskreis mit Gamification-Character reichten. Aber auch Plattformen zur Etablierung eines neuen Narrativs bzw. zur Schaffung von neuen Frames waren ein viel diskutiertes Thema. Zum Schluss des FuturE Stromcamp powered by Oesterreichs Energie und Österreichische Energieagentur waren sich die anwesenden ExpertInnen einig, dass sie in einem intensiven Tag wertvolle Insights und Inspirationen für künftige Ansätze zum Umbau des Energiesystems erhalten und erarbeitet haben.

Fotos der Veranstaltung: https://bit.ly/2rFTCmb

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