Österreichischer Fondsmarkt braucht mehr Transparenz in Sachen Klima und Nachhaltigkeit

Trotz Pariser Klimaabkommen wetten viele österreichische Fonds noch gegen den Klimawandel. Neue Online-Plattform „WasmachtmeinFonds.at“ zeigt Investments in Kohle//Atom//Waffen

Von den 100 untersuchten Fonds sind 75 Fonds in mindestens eines der Themen Kohle, Atomkraft oder Waffen investiert. WasmachtmeinFonds.at ist ein Start, um das Bewusstsein für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit von Investments zu stärken. Aktuell erhalten Anleger noch viel zu wenige Informationen über konkrete Nachhaltigkeitsaspekte, die ebenso Grundlage ihrer Investitionsentscheidung sein sollten.
Mag. Armand Colard, Geschäftsführer ESG Plus
Die Pariser Klimaziele anerkennen die Tatsache, dass dem Finanzsektor eine Schlüsselrolle im Prozess der Transformation zu einer dekarbonisierten Wirtschaftsweise zukommt. Mindestens zwei Drittel der bekannten, verwertbaren fossilen Reserven müssen dazu ungenutzt im Boden bleiben. Es ist wichtig, dass privates Kapital aus klimaschädlichen Veranlagungen abgezogen wird und stattdessen zukunftsweisende Projekte finanziert werden.
Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin

Wien (OTS) - Fondssparen wird immer beliebter. Doch die wenigsten Anleger wissen, in welche Bereiche sie mit ihrem Geld genau investieren. Eine neue Online-Plattform startet nun eine Initiative, um mehr Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit in den Fondsmarkt zu bringen. „WasmachtmeinFonds.at“ zeigt Privatpersonen erstmals, welche der größten österreichischen Fonds in Kohle, Atomkraft oder Waffenproduzenten investieren und welche nicht.

Entsprechend einer neuen Analyse von ESG Plus, Günsberg Politik- und Strategieberatung und Green Alpha sind immer noch zahlreiche Publikumsfonds stark an klima- und umweltschädigenden Unternehmen beteiligt – trotz des Ende 2016 in Kraft getretenen Klimaschutzabkommens von Paris.

Start einer neuen Online-Plattform für mehr Transparenz

Mit der neuen Online-Plattform „Was macht mein Fonds?“ startet ESG Plus gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern ein Projekt, das privaten Anlegern auf einfachste Weise die Möglichkeit geben soll, mehr über die Wirkung von einzelnen Fonds zu erfahren. Neben der Veranlagung in Kohle, Erdöl und Erdgas, sind auch jene in Atomkraft und Waffen als Kriterien enthalten. Zu den Netzwerk-Partnern der Plattform gehören unter anderem WWF Österreich und als wissenschaftlicher Beirat das Umweltbundesamt. Initiator der Website, Armand Colard, erklärt dazu: Von den 100 untersuchten Fonds sind 75 Fonds in mindestens eines der Themen Kohle, Atomkraft oder Waffen investiert. WasmachtmeinFonds.at ist ein Start, um das Bewusstsein für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit von Investments zu stärken. Aktuell erhalten Anleger noch viel zu wenige Informationen über konkrete Nachhaltigkeitsaspekte, die ebenso Grundlage ihrer Investitionsentscheidung sein sollten.

Rückgang der Kohleinvestments, aber Publikumsfonds noch nicht „Paris-fit“

Auf Basis der im vergangenen Jahr herausgegebenen Studie „Carbon Bubble & Divestment“ analysierten die Autoren an Hand von über 100 Publikumsfonds die Entwicklungen der letzten zwei Jahre. Vom untersuchten Gesamtvolumen in Höhe von 28,2 Mrd. Euro sind insgesamt knapp 2,0 Mrd. bzw. 7,1 Prozent in fossile Energieunternehmen investiert. Dies entspricht einem leichten Rückgang im Vergleich zu den Daten des letztjährigen Berichts (damals 7,8 Prozent). Veranlagungen in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie sind hierbei etwas stärker zurückgegangen (von 5,9% auf 4,9%), während jene im Bereich „Utilities“ (konventionelle Energieerzeugung und Zulieferer) geringfügig zugenommen haben (von 1,9% auf 2,2%). Als erstes positives Zeichen im Sinne des Klimaschutzes ist zu werten, dass sich das Volumen der Kohle-Investments in diesem Sample von ursprünglich 199 Millionen Euro auf rund 142 Millionen Euro verringerte. Im Durchschnitt der Top-100 Fonds wird pro investierten 1.000 Euro das Potenzial von rund 2,7 Tonnen CO2-Emissionen in Form von Kohle-, Öl- und Gasreserven finanziert.

Einen deutlichen Trend gibt es bei Fonds, die als nachhaltig bzw. ethisch gekennzeichnet sind. Mit einer einzigen Ausnahme sind diese Publikumsfonds seit der letzten Analyse gänzlich aus Kohle ausgestiegen. Dennoch halten auch „nachhaltige“ Fonds noch zahlreiche Positionen, die auf Erdöl und Erdgas setzen. Vom Gesamtvolumen der Asset under Management der 30 Ethikfonds in Höhe von 3,57 Milliarden Euro betrug das Klimarisiko-behaftete Kapital zum Zeitpunkt der neuerlichen Erhebung knapp 99 Millionen Euro oder 2,8 Prozent.

Finanzmarkt ein wichtiger Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele

Das im November 2016 in Kraft getretene Pariser Klimaschutzabkommen der Vereinten Nationen, welches mittlerweile von 175 Staaten ratifiziert wurde, sieht explizit vor, die internationalen Finanzströme in Übereinstimmung mit den Klimazielen zu gestalten. Prof. Helga Kromp-Kolb, die als renommierte Klimaexpertin das Projekt unterstützt, meint dazu: Die Pariser Klimaziele anerkennen die Tatsache, dass dem Finanzsektor eine Schlüsselrolle im Prozess der Transformation zu einer dekarbonisierten Wirtschaftsweise zukommt. Mindestens zwei Drittel der bekannten, verwertbaren fossilen Reserven müssen dazu ungenutzt im Boden bleiben. Es ist wichtig, dass privates Kapital aus klimaschädlichen Veranlagungen abgezogen wird und stattdessen zukunftsweisende Projekte finanziert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Armand Colard, Geschäftsführer ESG Plus
E-Mail: a.colard@esgplus.at
Tel.: +43 660 201 50 50

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0002