Neonicotinoid-Verbot könnte Aus für Zuckerrüben in Österreich sein

EU-Kommission will Neonicotinoide auch im Rübenanbau verbieten

Wien (OTS) - Man könnte der Meinung sein, Umweltschutzorganisationen wie etwa Global 2000 oder Greenpeace hätten die Macht über die Europäische Kommission übernommen. Mit massivem Lobbying wurde jetzt erreicht, dass es beim Verbot von Neonicotinoiden keine Ausnahme für den Rübenanbau geben soll. „Es darf offenbar nicht mehr fachlich diskutiert werden. Damit geht die Tür für heimischen Zucker zu, während jene für Gentechnik-Produkte aus Übersee aber weiterhin offen bleibt“, zeigt sich der Präsident der Vereinigung „DIE RÜBENBAUERN“, Ernst Karpfinger, erbost.  

Der heimische Rübenanbau arbeitet mit geringsten Mengen an Neonicotinoiden. Der Wirkstoff wird in das pillierte Saatgut eingearbeitet, das mit einer Schutzschicht überzogen und dann im Boden abgelegt wird. Bienen kommen nie an das Pflanzenschutzmittel heran, weil die Zuckerrübe nicht blüht. Es hilft den Bestäubern also nicht, wenn die EU-Kommission die Ausnahme für Zuckerrüben ausschließt. Es stirbt nur der Anbau von Zuckerrüben in Europa. 

Das Verbot der Neonicotinoide durch die EU-Kommission stützt sich auf eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In dieser wurden drei Pfade in ihrer Auswirkung auf Bienen untersucht, und zwar Rückstände in Blütenpollen und Nektar, Staubdrift während der Aussaat von behandeltem Saatgut sowie Wasseraufnahme. Keine dieser Fakten trifft jedoch auf die Zuckerrübe zu.  

Wie massiv Organisationen wie etwa Global 2000 oder Greenpeace scheinbar in Brüssel intervenieren, zeigt sich daran, dass ein für Mai geplantes Expertentreffen von der EU-Kommission vorverlegt wurde und die Beschlüsse gegen die europäische Bauernschaft im Huschpfusch-Verfahren bereits im April gefasst werden sollen. Diese Organisationen brauchen ihre Behauptungen nicht rational begründen, sondern operieren mit Totschlagargumenten, wie „Bienenkiller“, obwohl sie wissen sollten, dass Bienen durch den Rübenanbau nicht betroffen sind.

Die NGO´s stellen sich gerne in der Öffentlichkeit als die Beschützer der Gesellschaft gegen die angeblich so mächtigen Agrarindustrie-Lobbyisten in der EU-Kommission dar. Es hat aber den Anschein, dass es genau umgekehrt ist, nämlich dass die NGO´s mittlerweile die Macht und die Möglichkeit besitzen, die öffentliche und damit die politische Meinung massiv zu beeinflussen. Gegen ihre Angstargumente und teilweise überzogenen Positionen ist mit Fachargumenten nicht mehr durchzukommen. 

Die Konsequenzen eines Verbots des Einsatzes von Neonicotinoiden beim Anbau von Zuckerrüben sind, dass zukünftig zur Bekämpfung von Schädlingen massive, kostenintensive Ersatzmaßnahmen im Rübenanbau vorgenommen werden müssten. Weil aber bei der derzeit schlechten Marktlage die Produktionskosten höher sind als die Erlöse, werden sich die Landwirte solche Maßnahmen nicht mehr leisten können. Der Rübenanbau in Österreich ist bedroht und damit die rund 6.000 Bauern und ihre Familien. Weiters stehen tausende Arbeitsplätze in der Zuckerindustrie und in den vor- und nachgelagerten Bereichen auf dem Spiel. Den Bienen wird nicht geholfen, den Menschen aber entsteht durch Leichtfertigkeit enormer Schaden. 

Ernst Karpfinger sagt dazu: „Beim Wegfall des heimischen Rübenanbaus werden unsere Konsumenten von Importen aus Ländern abhängig, auf deren Umweltschutzbedingungen weder die EU-Kommission noch die NGO´s auch nur den geringsten Einfluss haben. Produkte, die mit massivem Spritzmitteleinsatz und gentechnischer Veränderung auf riesigen Monokulturen hergestellt wurden, landen dann auf unseren Tischen. Regionale Produkte und bäuerliche Familienbetriebe sind dann Geschichte.“ 

Die Rübenbauern sind überrascht, dass Bundesministerin Köstinger die Verwendung der Neonicotinoide in der Zuckerrübe nun auch als bienengefährlich einstuft. „Wenn dadurch leichtfertig die Rübenproduktion gefährdet wird, dann müssen im Gegenzug die Mehrkosten und das hohe Ausfallsrisiko finanziell abgegolten werden“, fordert Karpfinger für die betroffenen Rübenbauernfamilien von Ministerin Köstinger ein.

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