Fortbildung: Cannabis in der ärztlichen Praxis

Wien (OTS) - Zahlreiche Länder haben bereits auf die Nachfrage nach Cannabismedizin reagiert. In Österreich werden Patienten hingegen nach wie vor kriminalisiert, die medizinische Anwendung von Cannabisblüten und pflanzlichen Extrakten ist verboten, und unter Ärzten und Pharmazeuten herrschen gravierende Informationsdefizite. Eine Fortbildung in Wien am 5. Mai soll jetzt Abhilfe schaffen.

Die Hanfpflanze ist eine der ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt und wurde bereits vor 3.500 Jahren als Heilmittel eingesetzt. Schon im 19. Jahrhundert waren nahezu alle Anwendungsgebiete bekannt, die auch heute diskutiert werden. Bis zur Entwicklung von Aspirin 1898 war Cannabis in Europa das am meisten verkaufte Arzneimittel. Ab den 1960er Jahren wurde Cannabis verboten. Die THC-haltigen Blüten- und Fruchtstände der Cannabispflanze fallen in Österreich seither unter das Suchtmittelgesetz. Eine Heilbehandlung mit natürlichen Cannabisblüten ist in Österreich illegal. Zulässig ist nur die Behandlung mit synthetischem und halbsynthetischem Cannabis, zumeist in Form von Dronabinol. Die monatlichen Kosten liegen für chronische Schmerzpatienten bei 600 bis 800 Euro und sind in vielen Fällen nicht leistbar. Eine einheitliche, geregelte Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfolgt nicht. Dabei spricht sich eine Mehrheit der Bevölkerung längst für Cannabis in der Medizin aus.

Bevölkerung weiter als Politik und Gesundheitsvertreter

Laut einer repräsentativen Befragung von Peter Hajek, vorgestellt im September 2017, sprechen sich 61 Prozent dafür aus, dass medizinisches Cannabis unter ärztlicher Verschreibung und Anwendung erhältlich sein soll. 59 Prozent sind dafür, dass medizinisches Cannabis auf Rezept in Apotheken erhältlich sein soll. Ein qualitätsgeprüftes Angebot an Cannabisblüten und standardisierten pflanzlichen Extrakten wird Patienten allerdings in Österreich verweigert. Stark ausbaufähig ist die Information durch Ärzte und Apotheker. Vier Prozent der Befragten haben bisher Informationen über medizinisches Cannabis von einem Arzt oder Apotheker erhalten. Eine medizinische Fortbildung reagiert jetzt auf den massiven Nachholbedarf.

Als Arzt erlebe ich großes Interesse und gut informierte Patienten, die sich in unserem Gesundheitssystem nicht gut behandelt fühlen, denn fehlendes Wissen, gesetzliche Hürden und bürokratische Schikanen sind enorm. Mit einem Fortbildungsangebot möchten wir dem Informationsdefizit begegnen“, sagt Kurt Blaas, Allgemeinmediziner und Gründer der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. Am Samstag, dem 5. Mai wird von 9.45 Uhr bis 13.45 Uhr im Literaturmuseum/Grillparzerhaus die Wirkungsmechanismen von Cannabis sowie über Anwendungsgebiete und Indikationen der Monosubstanzen THC und CBD referiert. Die Pharmakologie der Cannabinoide wird ebenso von Experten behandelt wie Dosierung, Kontraindikationen und Bewilligung der Rezepturen durch die Krankenkassen. Die Fortbildung ist mit vier DFP-Punkten der Wiener Ärztekammer versehen. Alle Information zur Veranstaltung unter www.cannabismedizin.at/fortbildung.

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin ist ein Pharma-unabhängiges Netzwerk interessierter Fachleute und betroffener Patienten. Gegründet wurde die Arbeitsgemeinschaft von dem Allgemeinmediziner Kurt Blaas, der sich für eine Entkriminalisierung von Patienten und den Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin einsetzt.

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Lindengasse 27/Top 9–10, 1070 Wien
E-Mail: office@cannabismedizin.at, Tel. 0676/9384195

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