- 09.04.2018, 11:12:41
- /
- OTS0057
„kreuz und quer“ über „Hitlers Jünger und Gottes Hirten“ und „Die Rattenlinie – Nazis auf der Flucht durch Südtirol“
Am 10. April ab 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Am 10. April ab 22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Zum Gedenkjahr 2018 spannt Eva Maria Kaiser in ihrer
„kreuz und quer“-Dokumentation „Hitlers Jünger und Gottes Hirten“ am
Dienstag, dem 10. April 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 einen Bogen vom
Frühjahr 1938 bis in die Nachkriegszeit und zeigt anhand einzelner
Schicksale die große Bandbreite, innerhalb der die Kirche auf den
NS-Terror reagierte und den Weg in die Nachkriegszeit beschritt.
Um 23.25 Uhr begibt sich Karin Duregger in „Die Rattenlinie – Nazis
auf der Flucht durch Südtirol“ auf die Spuren der Fluchtrouten
führender Nazigrößen und nimmt eine Region besonders in den Blick:
Südtirol. Wie Adolf Eichmann oder die Familie Martin Bormanns, eines
der engsten Vertrauten Adolf Hitlers, wählten auch viele andere
Nationalsozialisten den Weg über die Brennergrenze.
„Hitlers Jünger und Gottes Hirten“ – Ein Film von Eva Maria Kaiser
Die katholischen Bischöfe Österreichs hatten den Nationalsozialismus
zunächst abgelehnt und in Hirtenworten bekämpft, nach dem Einmarsch
der deutschen Truppen beugten sie sich jedoch der Macht des
Faktischen. Mit ihrem „Ja“ zur Volksabstimmung am 10. April 1938 –
auf den Tag genau vor 80 Jahren – segneten die Bischöfe den
„Anschluss“ Österreichs an Deutschland ab, während die ersten
Priester und Laien bereits in Konzentrationslagern gefangen waren.
Auch wenn die Kirche in der Folge heftig unter dem Terror durch das
NS-Regime zu leiden hatte: Bereits in der unmittelbaren
Nachkriegszeit machten sich die Bischöfe für ehemalige
Nationalsozialisten stark.
Burgschauspieler Peter Matić und Martin Schwab rezitieren aus
Dokumenten der österreichischen Kirchenarchive, die erstmals
öffentlich präsentiert werden. Im bemerkenswerten Ambiente der
Zacherlfabrik, einer historischen Fabrikshalle in Wien, kommen
unterschiedlichste Protagonisten zu Wort. Kriegsverbrecher und
Opportunisten, ehemalige KZ-Priester und Bischöfe – ihnen allen
leihen Matić und Schwab ihre Stimme und lassen so deren Sicht der
Dinge lebendig werden:
Der Lagerarzt des KZ-Loiblpass, Sigbert Ramsauer, wurde 1947 von
einem britischen Militärgericht wegen Tötung von Häftlingen zu
lebenslanger Haft verurteilt. Während die Diözese Gurk eine
Intervention für seine Begnadigung zunächst ablehnte, fand Ramsauer
später in der Erzdiözese Salzburg ein offenes Ohr. Der ehemalige
KZ-Priester Franz Mayr traf nach seiner Rückkehr aus Dachau in der
Pfarre auf seine früheren Denunzianten. Diese konnten sich rasch in
die Nachkriegsgesellschaft integrieren, der Pfarrer hingegen zerbrach
an den Folgen von Haft und Kränkung. Beinahe skurril mutet das
Schicksal von Johannes Hollnsteiner an: Der Augustiner Chorherr,
Geliebter von Alma Mahler und Beichtvater von Bundeskanzler Kurt
Schuschnigg, war als einer von wenigen Menschen sowohl in einem KZ
der Nazis als auch in einem Internierungslager der Alliierten
inhaftiert. Dabei legte gerade er eine große Wendigkeit an den Tag,
wenn es galt, sich neuen Zeitumständen anzupassen.
Und die Bischöfe? Sie sprachen nach dem Krieg einer unbedingten
„Befriedung“ der Gesellschaft das Wort. Ehemalige Nationalsozialisten
wurden mit offenen Armen wieder in die Kirche aufgenommen, ehemaligen
KZ-Priestern blieb lange Zeit eine kirchliche Ehrung verwehrt.
Versöhnungsbereitschaft ist eine Grundbotschaft des Christentums.
Doch darf sie auf dem Rücken der Opfer stattfinden? Eva Maria Kaiser
zeichnet ein differenziertes Bild der österreichischen
Nachkriegsgesellschaft und geht den kirchen- und
gesellschaftspolitischen Motiven der katholischen Bischöfe in ihrem
Umgang mit Nazis und Ex-Nazis auf den Grund.
„Die Rattenlinie – Nazis auf der Flucht durch Südtirol“ – Ein Film
von Karin Duregger
Die „kreuz und quer“-Dokumentation „Die Rattenlinie“ begibt sich auf
die Spuren führender Nazi-Größen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs
stand bei vielen dieser Nazis vor allem eine Region auf ihrem
Fluchtplan: Südtirol. Ebenso wie Adolf Eichmann oder Martin Bormann
wählten viele NS-Funktionäre den Weg über die Dolomiten.
Es war die sogenannte „Rattenlinie“. Unterstützung bekamen die Nazis
auf der Flucht aus der Region: Hier eine kleine Diözese oder der Wirt
eines Gasthofs am Grenzübergang, dort das Netzwerk des Vatikans oder
ehemaliger Parteigenossen und alte Sympathisanten. Südtirol war
territorial und staatsrechtlich „Niemandsland“. Nur hier war es nach
dem Krieg möglich, so ein engmaschiges Unterstützer-Netz zu knüpfen.
Ein Schwerpunkt der Dokumentation ist die Darstellung der Rolle
katholischer Würdenträger bei der Fluchthilfe. Im damaligen Südtirol
spielte der Kampf gegen den Kommunismus, die Fokussierung auf die
nationale Frage und die Solidarität mit dem Deutschtum eine große
Rolle. In diesem Kontext müssen die damaligen Aktivitäten eingeordnet
werden.
Der Film greift dabei neue Forschungsergebnisse österreichischer
Historikerinnen und Historiker auf und begleitet die Urenkelin von
Martin Bormann bei ihrer Spurensuche in der Durchgangsschleuse
Südtirol. Gestalterin Karin Duregger hat zahlreiche Zeitzeugen
ausfindig machen können und begibt sich mit ihnen zu den alten
Schauplätzen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRF