- 06.04.2018, 09:25:03
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ANSCHOBER: Tschechiens atomare Endlagerpläne zum Teil in unmittelbarer Grenznähe
Grenzüberschreitender Widerstand formiert sich
Utl.: Grenzüberschreitender Widerstand formiert sich =
Linz (OTS) - Seit dem Jahr 1985 wird in Tschechien Atomstrom erzeugt
- und seither gibt es keine Lösung für den Umgang mit
hochradioaktivem Atommüll, obwohl in jeder Produktionsstunde dieser
hochgefährliche Abfall anfällt. „Dieser hochradioaktive Abfall muss
für eine Million Jahre sicher aufbewahrt werden. Das ist aber völlig
unmöglich, wie ein Blick zurück in die Geschichte unseres Planeten
zeigt. Und somit hat die Atomlobby hunderten Generationen eine
hochgiftige Hypothek hinterlassen. Völlig verantwortungslos, ein
möglicher Supergau auf Raten," so LR Rudi Anschober.
Nun kommt die Suche nach dem erforderlichen Endlager für rund 14.500
Tonnen hochradioaktiven Atommüll in Tschechien in eine
vorentscheidende Phase: 9 mögliche Standorte wurden ausgewählt, diese
sollen bis Jahresende auf 4 reduziert werden, bis 2020 auf 2, bis
dann im Jahr 2025 der endgültige Standort fixiert sein soll.
LR Anschober: „Es ist uns zwar durch grenzüberschreitenden Widerstand
gelungen, den am nächsten zur oö. Grenze gelegenen Standort Boletice
am Truppenübungsplatz unweit des Lipno-Stausees zu verhindern, es
gibt aber zwei bedrohlich nahe der österreichischen Grenze gelegene
Standorte: einer im Umfeld des AKW Temelin, der noch nicht genauer
bestimmt ist, aber am nächsten an der oö. Grenze gelegen sein dürfte,
sowie ein nun präzis festgelegter, rund 20km westlich des AKW
Dukovany befindlicher möglicher Standort - nur 29km von der Grenze zu
Niederösterreich rund 100 km von Oberösterreich entfernt."
Zur Stärkung des grenzüberschreitenden Widerstandes laden die
Atomgegner aus Tschechien und Oberösterreich gemeinsam mit
Umweltlandesrat Rudi Anschober kommende Woche zu einer großen
Fachveranstaltung nach Prag ein: Bei der Nuclear Energy Conference
2018 unter dem Titel „Atomarer Abfall – ungewolltes Erbe der
Kernenergiewirtschaft“ stellen Experten, wie Michael Sailer (Direktor
Öko-Institut Deutschland), Roman Lahodynsky (Geologe) oder Johann
Swahn (MKG, schwedische NGO für die Kontrolle im Umgang mit atomaren
Abfällen) die Herausforderungen, Notwendigkeiten und Möglichkeiten
bei der Endlagersuche dar.
Teil dieser Fachveranstaltung wird auch die inhaltliche Kritik an der
bisherigen Vorgangsweise der Prager Behörden bei der Suche nach einem
Endlager sein, die auf Auftrag von OÖ und NÖ vom Öko-Institut
Darmstadt erhoben wurde. Hauptkritikpunkt der Studie des deutschen
Öko-Instituts: Im tschechischen Kriterien-Leitfaden fehlt ein klares
Bekenntnis zum Primat der Sicherheit: Er lässt zu, dass an einem ggf.
sicherheitstechnisch besser geeigneten Standort beispielsweise
Anrainerwiderstände zu einem Ausschluss des Standorts führen, und
dass in der Konsequenz ein weniger sicherer Standort ausgewählt wird.
Anschober abschließend: „Wir alle sind uns einig: solange es keinen
festgeschriebenen und verbindlichen Atomausstieg in Tschechien gibt,
werden wir die Pläne für ein Endlager vehement bekämpfen. Denn jetzt
zuzustimmen zu einem Endlager, würde die Türen weit öffnen für eine
Fortsetzung der Ausbaupläne für neue AKW. Oder umgekehrt formuliert:
jetzt die Endlagersuche scheitern zu lassen, vergrößert die Chancen
auf ein Verhindern eines Ausbaus von Temelin. Es ist wie in
Deutschland: erst nach der Festlegung eines Atomausstieges wird ein
Endlager gesucht. Klar ist aber auch dann: in Grenznähe mit einer
möglichen Gefährdung der Bevölkerung Oberösterreichs oder
Niederösterreichs kommt ein Endlager grundsätzlich nicht in Frage,
denn wir haben diesen Atommüll auch nicht erzeugt."
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