Kaffeekränzchen in Schilda: Wartezeiten bei Grippewelle online und per App bekämpfen

"Gipfelgespräch" lässt wieder einmal vernünftige Vorschläge zur Optimierung der Versorgung vermissen.

St. Pölten (OTS) - „Wer behauptet, dass man bei einer Grippewelle vereinzelt entstehende Wartezeiten von Patienten in Kassenordinationen durch ein Online-Termin-Management in den Griff bekommen kann, der hat ganz sicherlich noch keine hausärztliche Ordination von innen gesehen“, meint Dr. Gabriele Von Gimborn, MPH, Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete. „Die kolportierten Ergebnisse des jüngsten „Gipfelgesprächs“ von so genannten Gesundheitsexperten kommen mir daher eher so vor, als hätten sich die letzten verbliebenen Schildbürger zu einem Kaffeekränzchen getroffen.“

Das traurige Ergebnis: Ärzte sollen mehr arbeiten und auch am Samstag offenhalten. Durch ein Online-Terminsystem oder einer Lösung mittels App verspricht man sich Linderung. „Einer dringend benötigten Aufstockung der Vertragsarztstellen, wie von der Ärztekammer seit Jahren gefordert, kann man hingegen nichts abgewinnen. Mir kommt das daher so vor, als wenn vollkommen Ahnungslose nur heiße Luft ablassen“, so Dr. Von Gimborn weiter. „Tatsache ist nämlich, dass sich das Kassensystem in Österreich in Bezug auf die Anzahl der Ärzte pro Einwohner eher sparsam verhält.“

Vorschläge zur pseudomodernen elektronifizierten Mangelverwaltung

Daher muss jeder Hausarzt in Österreich vergleichsweise viele Menschen versorgen. „Diese Ärzte arbeiten am Limit und haben aufgrund des Versorgungsvolumens ohnehin nur fünf Minuten Zeit pro Patient im Normalbetrieb. Es muss doch jedem denkenden Menschen klar sein, dass es unter diesen Bedingungen in Grippezeiten zu Wartezeiten kommen muss“, ist Dr. Von Gimborn überzeugt. „Und statt sich qualifiziert über eine Verbesserung der Situation herzumachen, kommen wieder einmal überwiegend Vorschläge, wie man eine Mangelverwaltung pseudomodern elektronifizieren kann.“

„Und die Forderung, dass Ärzte eben mehr arbeiten sollen, während eine Ausstockung von Kassenstellen oder eine Verbesserung der ärztlichen Kooperationsmöglichkeiten seit Jahren verweigert wird, kann ich nur als Dilettantismus und absolute Frechheit bezeichnen“, zeigt sich Dr. Von Gimborn verärgert. „Wer einmal erlebt hat, wie sich Hausärzte und ihre Teams in Grippezeiten am persönlichen Limit aufopfern, um die Situation halbwegs meistern zu können, der kommt nicht auf solche abstrakten Ideen. Diese Herren sollten vielleicht einmal aus ihren Elfenbeintürmen herabsteigen und sich die gelebte Medizin in Österreich ansehen.“

 

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