- 11.03.2018, 12:50:33
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- OTS0022
1938-Gedenken: Bischöfe räumen christliches Versagen ein
Österreichische Bischofskonferenz in Erklärung zu "1918 - 1938 - 2018. Erinnern und Gedenken": Ereignisse vor 100 bzw. 80 Jahren markieren "bis in die Gegenwart wirkmächtige" Wendepunkte in Österreichs Geschichte - Daraus Lehren für Zusammenleben ziehen
Utl.: Österreichische Bischofskonferenz in Erklärung zu "1918 - 1938
- 2018. Erinnern und Gedenken": Ereignisse vor 100 bzw. 80
Jahren markieren "bis in die Gegenwart wirkmächtige"
Wendepunkte in Österreichs Geschichte - Daraus Lehren für
Zusammenleben ziehen =
Sarajewo-Wien (KAP) - Anlässlich des Gedenkens an den "Anschluss"
Österreichs an Nazi-Deutschland am 13. März 1938 vor 80 Jahren räumen
die katholischen Bischöfe Österreichs ein christliches Versagen ein:
Die damaligen Bischöfe hätten - wie auch Politiker, Künstler und
Wissenschaftler - nach der Besetzung Österreichs die katastrophalen
und menschenverachtenden Konsequenzen "nicht deutlich genug erkannt
oder benannt". Auch heute schmerze noch, dass die Christen - "auch
und gerade die Bischöfe" - 1938 und in den Jahren des NS-Furors
danach "nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und
der Diktatur entgegengetreten sind", heißt es in der Erklärung "1918
- 1938 - 2018. Erinnern und Gedenken", die die Bischöfe anlässlich
ihrer jüngsten Frühjahrsvollversammlung in Sarajewo veröffentlicht
haben.
Ein "jahrhundertelang religiös verbrämter Antijudaismus" habe
schließlich zur Folge gehabt, "dass Christen insgesamt einem national
und rassisch begründeten Antisemitismus nicht entschieden genug
widerstanden". Erst viel zu spät sei "traurig und beschämt" erkannt
worden, "dass mit der Zerstörung der Synagogen und der Shoah
unschuldige und wehrlose Menschen getötet und der Name des Ewigen
geschändet wurde". Damals jedoch gab es "zu wenige, viel zu wenige
Gerechte", heißt es in der Erklärung - auch wenn man auf einzelne
Priester und Laien, Frauen und Männer verweisen könne, die - wie
Franz Jägerstätter, Provikar Carl Lampert, Jakob Gapp, Otto Neururer
oder Sr. Restituta Kafka - ihrem Gewissen gefolgt waren und
Widerstand "inmitten dieser Dunkelheit" leisteten.
Der Blick zurück zeige nach Überzeugung der Bischöfe aber auch, "dass
Läuterung und Lernen aus der Geschichte möglich und notwendig sind":
So erinnern die Bischöfe in ihre Erklärung daran, dass die
politischen Verantwortlichen nach 1945 statt auf Rache und Misstrauen
auf Recht und Kooperation gesetzt hätten. "Eine freie Kirche in einer
freien Gesellschaft" - die bis heute gültige Formel aus dem
"Mariazeller Manifest" von 1952 - sei zum Leitwort für das breite
Wirken der katholischen Kirche in Österreich geworden; die zum
Markenzeichen der "Erfolgsgeschichte" Österreichs in der
Nachkriegszeit. Und als "Antwort auf die zerstörerischen Kräfte eines
überzogenen Nationalismus" verstehe sich die Europäische Union, der
Österreich seit 1995 als aktives Mitglied angehört, so die Bischöfe.
Fundament für diese Entwicklungen "war und ist eine demokratische
Ordnung auf Basis der Menschenrechte".
Neben dem Jahr 1938 sei indes auch das Jahr 1918 ein folgenschwerer
Wendepunkt gewesen, dessen heuer gedacht wird: Die Gründung einer
demokratischen Republik auf den Trümmern der untergegangenen
Monarchie. Im Kontext dieser Ereignisse heben die Bischöfe in ihrer
Erklärung hervor, dass sich die Katholische Kirche in jener Zeit als
eine Kraft erwiesen habe, "die den friedlichen Wandel und den neuen
Staat unterstützte".
Aus beiden einschneidenden Daten gelte es heute die Lehre zu ziehen,
sich den "mühsam errungenen Wert von Menschenrechten, Demokratie und
Gemeinwohl" wieder so bewusst zu machen, "dass der Einsatz dafür
angesichts immer wieder vorhandener Gefährdungen stärker ist und
bleibt". (Wortlaut der Erklärung der Bischöfe unter:
www.bischofskonferenz.at/2018/presseerklaerungen-zur-fruehjahrsvollv
ersammlung-2018)
((ende)) HKL/leer
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