• 10.03.2018, 15:02:33
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  • OTS0021

13. März 1938: Kirchen räumen Mitschuld am "Ende Österreichs" ein

Erklärung des Vorstands des Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich: "Manche Kirchen bejubelten nicht nur den 'Anschluss', sondern trugen auch die NS-Politik voll und ganz mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint"

Utl.: Erklärung des Vorstands des Ökumenischen Rat der Kirchen in
Österreich: "Manche Kirchen bejubelten nicht nur den
'Anschluss', sondern trugen auch die NS-Politik voll und ganz
mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium
erscheint" =

Wien (KAP) - Die christlichen Kirchen räumen eine Mitschuld an jener
Entwicklung ein, die vor 80 Jahren - am 13. März 1938 - zum
"Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich
führte: "Auch die christlichen Kirchen waren vom Ungeist
mitbetroffen, der dem NS-Regime den Boden bereitet hat. Manche
Kirchen bejubelten nicht nur den 'Anschluss', sondern trugen auch die
NS-Politik, sei es den Antisemitismus, sei es die Auslöschung
vermeintlich unwerten Lebens, voll und ganz mit, was uns heute
schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint", heißt es in einer
Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in
Österreich (ÖRKÖ), die am Samstag veröffentlicht wurde.

Man müsse eingestehen, dass es in den sieben Jahren der NS-Herrschaft
"Schuld und Versagen durch Wegschauen und Mittun gegeben hat" -
Widerstand habe es in den Kirchen "nur vereinzelt" gegeben. Nach dem
Krieg habe es dann Jahrzehnte gedauert, bis Österreich schließlich
von seiner "Opferrolle" Abstand nahm "und sich der Tatsache gestellt
hat, dass unter den Österreichern sowohl Opfer als auch Täter - unter
ihnen nicht wenige der schlimmsten Täter - waren".

Zugleich ziehe man aber aus dieser bitteren Erkenntnis die Lehre,
heute "alles Notwendige [zu] tun, um die Menschen gegen die
Schlagworte von falschen Propheten zu immunisieren" und Österreich zu
einem "Haus mit offenen Fenstern" und zu einer "Heimstätte für
Verfolgte" zu machen. Gerade in der Zeit der Globalisierung, die
kenne "keine 'schrecklich einfachen' Lösungen" kenne, sei es die
Aufgabe der Kirchen, "in diesem geschichtlichen Augenblick, ihren
universellen Auftrag wahrzunehmen" und sich "für einen sozialen
Ausgleich" einzusetzen. "Wir wollen in einem Land leben, in dem der
soziale Friede gewahrt wird und in dem Menschen Geborgenheit und die
Möglichkeit zu einem erfüllten Leben finden", heißt es abschließend
in der Erklärung.

Am 11. März jährt sich zum 80. Mal der Tag, an dem der
österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg nach einem
nationalsozialistischen Ultimatum aus Berlin zurücktrat; tags darauf
erfolgte der deutsche Einmarsch in Österreich, am 13. März 1938 wurde
der "Anschluss" vollzogen.

((ende)) HKL
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