Pflege ist weiblich: Psychologische Unterstützung für Burnout-gefährdete pflegende Angehörige

Wien (OTS) - Alter ist weiblich, Pflege ist weiblich und auch die Psychologie ist, wie die meisten Gesundheitsberufe, weiblich. Anlässlich des Internationalen Frauentages macht der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) auf die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Probleme und Nachteile für Frauen aufmerksam.

Frauen verdienen weniger, werden seltener Chefin und bilden in fast allen Parlamenten der Welt eine Minderheit: Von Gleichberechtigung sind Frauen weit entfernt. Doch in einem Punkt liegen sie weit vor den Männern: bei der Lebenserwartung.

Es sind nicht zuletzt die klassischen Rollenbilder, die Frauen als kommunikativer, sozialer und emotional stärker engagiert beschreiben. Und ja – Frauen leisten mit ihrem Engagement einen unverzichtbaren Beitrag für die medizinische, psychosoziale und pflegerische Versorgung der österreichischen Bevölkerung. Trotzdem verdienen Frauen im Schnitt ein Viertel weniger als Männer (Gender-Pay-Gap in Österreich beträgt 27% und liegt unter dem EU-Durchschnitt). Zusätzlich führen Halbtagsjobs, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen zu Einbußen in der Pension von bis zu 50%. Und das bei steigender Lebenserwartung. Der Vorsprung in der Lebenserwartung hat jedoch auch Nachteile. Frauen verbringen ihren Lebensabend zum Teil einsam, gesundheitlich beeinträchtigt, sozial isoliert und abhängig von finanzieller und emotionaler Unterstützung. Altersarmut und Pflegebedarf sind die Folgen.

Die Betreuung von Pflegebedürftigen, egal ob als Beruf oder in der Familie, ist ebenfalls zu 90% Frauensache. Fast zwei Drittel der Beschäftigten in Pflegeberufen sind weiblichen Geschlechts. Trotz der zunehmenden Bedeutung ambulanter Pflegedienste überwiegt nach wie vor die häusliche Pflege. Für viele Frauen (zum Beispiel Töchter, Schwiegertöchter) kann das eine starke psychische Belastung bis zum Burnout werden. Die durchschnittliche Pflegedauer beträgt zehn Jahre.

„Es ist erwiesen, dass die Betreuung von Angehörigen, zum Beispiel von Müttern mit Demenz oder Alzheimer, zu schweren psychosomatischen Krisen, Belastungsstörungen und Depressionen führen kann. Besonders belastet sind jene Frauen, die die Pflege ihrer Angehörigen als moralische Verpflichtung sehen, aber eine krisenhafte Biografie mit emotionalen Kränkungen haben.“ erläutert ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des BÖP.

Etwa 80 PsychologInnen des BÖP betreuen das Pilotprojekt „Angehörigengespräch“, das vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz ins Leben gerufen wurde. „Klinische und GesundheitspsychologInnen arbeiten gezielt mit Angehörigen zur Burnout-Prävention zusammen. Die psychologische Begleitung durch das Projekt erfreut sich positiver Resultate und wird gut von den Angehörigen angenommen.“ so die Präsidentin.

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