- 06.03.2018, 10:08:13
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Ö1-Schwerpunkt „80 Jahre ‚Anschluss‘ März 1938“
Wien (OTS) - Am 12. März jährt sich der „Anschluss“ des Ständestaates
Österreich an das nationalsozialistische Deutschland zum 80. Mal. Das
Programm von Ö1 wird sich in den verschiedenen Sendeformaten intensiv
mit dieser Thematik beschäftigen. Alle Informationen im Detail sind
abrufbar unter http://oe1.orf.at/1938.
Besonders gestützt wird der Schwerpunkt von neu entdeckten
Original-Tönen aus der ersten Periode der RAVAG. Die RAVAG wurde 1938
in die Reichsrundfunkgesellschaft eingegliedert, durch den
„Anschluss“ wurde somit das damals noch junge Leitmedium Radio
gleichgeschaltet. Wichtige Teile des umfangreichen Musik- und
Wortarchivs wurden in das zentrale Archiv der
Reichsrundfunkgesellschaft nach Berlin gebracht. Bis vor kurzem wurde
angenommen, dass diese Archivmaterialien im Zuge des Kampfes um
Berlin und der Kriegswirren zerstört worden seien. 2016/17 wurden
jedoch Teile des RAVAG-Archivs wiedergefunden. Diese einzigartigen
Originaltondokumente ermöglichen beispielsweise einen detaillierteren
Blick auf die Ereignisse während der Entwicklung von der Ersten
Republik zum Ständestaat 1933/34 oder den „Anschluss“ 1938. Die Nacht
vom 11. auf den 12. März 1938 lässt sich nun durch die erhaltenen
Nachrichtenaufnahmen, natürlich speziell im Radio, besonders
authentisch rekonstruieren.
Ein Projekt, das direkt auf diese Archivmaterialien zugreift, ist
„Zeituhr 1938“ von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,
der filmbakery und dem Haus der Geschichte Österreich, initiiert von
Filmemacher Frederick Baker. Es handelt sich dabei um ein
24-Stunden-Multimediaprojekt, das die Stationen und Ereignisse des
unmittelbaren „Anschlusses“ von 11. (18.00 Uhr) auf den 12. März 1938
(18.00 Uhr) darstellt: als überdimensionale Projektion auf die
Fassade des Bundeskanzleramts am Wiener Ballhausplatz und in Form
eines Live-Tickers im Internet unter http://www.zeituhr1938.at/.
Langfristig wird „Zeituhr 1938“ als Dokumentation auf der Website des
Hauses der Geschichte Österreich zugänglich sein. Das Projekt
„Zeituhr“ findet in enger Kooperation mit Ö1 statt – so werden etwa
Inhalte der „Zeituhr“ in die Ö1-Berichterstattung eingebunden und
Ö1-Inhalte wie „Betrifft: Österreich“ oder Auszüge aus dem
„Radiokolleg Spezial“ zu „80 Jahre ‚Anschluss‘“ werden Teil der
„Zeituhr“. Niederschlag findet es auch in einem Liveticker auf
science.ORF.at. Thema ist das Projekt „Zeituhr 1938“ auch in „Punkt
eins“ am Freitag, den 9. März in Ö1: Rainer Rosenberg spricht mit der
Direktorin des Hauses der Geschichte Monika Sommer und dem
Filmemacher und Projektionskünstler Frederick Baker.
Am Sonntag, den 11. März wird ab 11.03 Uhr in der „Matinee“ live
aus dem Burgtheater die Veranstaltung „1938/2018: Ist unsere
Demokratie heute stark genug?“ übertragen. Unter der Leitung von
Renata Schmidtkunz diskutieren der Zeitzeuge Hugo Brainin, die
tschechische Soziologin und Publizistin Alena Wagnerová, die
Medienjournalistin Ingrid Brodnig, der Verfassungsrichter Christoph
Grabenwarter und der Historiker Oliver Rathkolb. Elisabeth Orth,
Marie-Luise Stockinger, Branko Samarovski und Sebastian Wendelin
lesen zeitgenössische Texte. Aus dem Projekt „Zeituhr 1938“ werden
Ausschnitte zu hören sein.
Um 19.30 Uhr beginnt der Ö1 „Kunstsonntag zum Anschluss“, der die
nationalsozialistische Machtübernahme mit der aktuellen Dringlichkeit
einer „breaking news“-Strecke vergegenwärtigt. Mit
RAVAG-Originaltönen aus jener Nacht wie der Abschiedsrede
Schuschniggs oder einer Reportage über Aufmärsche, Fackelzüge und das
Hissen von Hakenkreuzfahnen in allen Landeshauptstädten. Berichtet
wird natürlich auch, was damals „off records“ blieb, wie erste
Massenverhaftungen. Studiogäste analysieren das Geschehen.
Zwischendurch: Musik, wie sie in der Anschlussnacht im Radio lief –
als ob nicht Schlimmes geschehen wäre! – und populäre Nummern der
Jahre davor, auch von vertriebenen Musiker/innen und
Entertainer/innen. Ab 00.05 Uhr folgt die „Lange Nacht der
Erinnerung“ mit Musik, die der NS-Vernichtung entgangen war und nun
wieder das Repertoire der Musikbühnen bereichert. Um die jeweilige
historische Uhrzeit werden originale Radionachrichten und
Radioreportagen von vor 80 Jahren gespielt.
Die Spezialsendereihe „Betrifft: Österreich“ thematisiert am
Montag, den 12. März von 7.55 bis 19.55 Uhr in fünfminütigen
Sendungen die Ereignisse, die in der jeweils darauffolgenden Stunde
vor 80 Jahren stattgefunden haben. Ausgehend von zeithistorischen
Dokumenten werden Ereignisse und Protagonisten von Experten
analysiert und historisch reflektiert und Originaltondokumente zur
Vergegenwärtigung der damaligen Ereignisse eingespielt. „Betrifft:
Österreich“ heißt es auch von Dienstag, den 13. bis Freitag, den 16.
März jeweils um 17.55 Uhr in Ö1, hier ist der Blick von außen Thema:
Der Historiker Arnold Suppan spricht über die internationalen
Reaktionen auf den „Anschluss“.
Das „Radiokolleg Spezial“ von Montag, den 12. bis Donnerstag, den
15. März (jeweils um 9.05 Uhr) beschäftigt sich in vier je
einstündigen Sendungen mit den „Stationen einer Machtübernahme“. Am
Montag geht es um „Die Grenzüberschreitung. Über die Machtergreifung
der Nationalsozialisten.“, „Die Einverleibung. Von der Übernahme der
Institutionen.“ ist Thema am Dienstag, und am Mittwoch setzt sich das
„Radiokolleg“ mit „Die Opferumkehr. Über selektives Erinnern und das
Eingestehen von Verantwortung.“ auseinander. Den Abschluss macht am
Donnerstag „Niemals vergessen. Das Postulat der Märztage 1938“.
Rund 60 Sendungen und Beiträge umfasst der Ö1-Schwerpunkt im März,
das inhaltliche Spektrum ist dabei ein sehr breites: vom „Salzburger
Nachtstudio“ über das Scheitern der Ersten Republik (7.3., 21.00
Uhr), zahlreiche Musiksendungen und mehrere „Hörbilder“, etwa über
den „Haupt- und Hintereingang der Erinnerung. Das Hotel Métropole in
Wien“ (17.3., 9.05 Uhr) bis zu „Gedanken für den Tag“ zu „Adolf
Hitler. Versuchungen und Lehren“ (12.-17.3. 6.56 Uhr),
„Radiogeschichten“, „Lebenskunst“ über „Zu wenig Gerechte“ (18.3.,
7.05 Uhr) oder „Der Herr Karl“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger im
„Ö1 Hörspiel“ (17.3., 14.00 Uhr) und „Gedanken“ mit der Zeitzeugin
Gertrude Pressburger (18.3., 9.05 Uhr). Der gesamte Ö1-Schwerpunkt
ist abrufbar unter http://oe1.orf.at/1938. Nähere Informationen zum
ORF-TV-Zeitgeschichteschwerpunkt „1938 – Der ‚Anschluss‘“ sind unter
http://presse.ORF.at abrufbar.
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