Allianz Studie: Zinspolitik kostet heimische Haushalte 10,4 Milliarden Euro

Österreich: Zinserträge der Haushalte brachen um 80 Prozent ein - „Gewinner-Haushalte“ in Portugal, Spanien und Finnland

Wien (OTS) - Österreichische Haushalte haben durch die Niedrigzins-Politik seit dem Jahr 2008 insgesamt 10,4 Milliarden Euro an Nettozinseinkommen verloren – pro Kopf bedeutet das ein Minus von rund 1.300 Euro. „Geldpolitik hat verteilungspolitische Wirkungen, extreme Geldpolitik hat extreme verteilungspolitische Wirkungen“, kommentiert Martin Bruckner, Vorstandssprecher der Allianz Investmentbank AG und Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich. Das ist das Fazit der vergangenen neun Jahre im Euroraum, in denen die EZB ihre Geldpolitik fortwährend gelockert hat, bis hin zur Einführung von Negativzinsen und billionenschweren Anleihekaufprogrammen. Wie dramatisch die Auswirkungen der Zinspolitik sein können, zeigt die aktuelle Allianz Studie „Das Nettozinseinkommen der privaten Haushalte“.

Heimische Haushalte: Zinseinkommen im Sinkflug

In Österreich hat sich das Nettozinseinkommen der privaten Haushalte sukzessive verschlechtert: Erzielten sie im Jahr 2008 noch einen Zinsüberschuss von 0,7 Milliarden Euro, so befindet sich das Nettozinseinkommen spätestens seit 2013 im Sinkflug – im Jahr 2016 stand ein Fehlbetrag von -1,9 Milliarden Euro zu Buche. Treiber dieser Entwicklung hierzulande sind vor allem die Zinserträge, die im Betrachtungszeitraum um 80 Prozent einbrachen – obwohl die Vermögenswerte, vor allem Bankeinlagen, um 20 Prozent zulegten. Werden die jährlichen Veränderungen des Nettozinseinkommens (bezogen auf das Ausgangsjahr 2008) der vergangenen neun Jahre summiert, ergibt sich insgesamt ein Minus von 10,4 Milliarden Euro für die österreichischen Sparer.

Private Haushalte: Italiener, Deutsche und Belgier mit größten Einbußen

Österreich ist mit dieser Entwicklung nicht allein: Auf der Verliererseite stehen auch die privaten Haushalte in den Niederlanden (-4,1 Milliarden Euro), Frankreich (-16,0 Milliarden Euro), Belgien (-41,5 Milliarden Euro), Deutschland (-95,9 Milliarden Euro) sowie Italien(-163,8 Milliarden Euro). Die Ursachen dafür sind unterschiedlich: Die Italiener haben vor allem ihren Bestand an Schuldverschreibungen in den letzten acht Jahren mehr als halbiert – mit der „Abschaffung“ der Zinsen ist diese Vermögensklasse schlicht unattraktiv geworden. Auf der anderen Seite haben die deutschen Sparer ihre Bankeinlagen seit 2008 um knapp 40 Prozent erhöht, die Verbindlichkeiten der deutschen Haushalte sind dagegen im selben Zeitraum nur um rund 10 Prozent gewachsen.

Zu den Gewinnern zählen hingegen vor allem die privaten Haushalte in Finnland(11,2 Milliarden Euro), Portugal (26,1 Milliarden Euro) und Spanien (124,5 Milliarden Euro). Das positive Abschneiden der „Zins-Gewinner“ ist in erster Linie auf deutlich verminderte Zinsausgaben (fallende Zinsen plus Schuldenabbau) zurückzuführen. So haben beispielsweise die spanischen Haushalte ihre Verbindlichkeiten um 20 Prozent zurückgefahren; gleichzeitig sind die Bankeinlagen um knapp ein Viertel gewachsen.

Auch bei Volkswirtschaften: Verteilungspolitik erzeugt Gewinner und Verlierer

Im gesamten Euroraum gleichen sich die Veränderungen des Nettozinseinkommens der Wirtschaftssektoren weitgehend aus. Aufgrund der engen Verflechtungen zwischen den Euroländern gilt dies jedoch nicht für die einzelnen Volkswirtschaften.

Die Situation der österreichischen Volkswirtschaft als Ganzes hat sich dabei mit Blick aufs Nettozinseinkommen gegenüber dem Beginn der Krise kaum verändert. Allerdings gilt dies nicht für die einzelnen Sektoren: Während die privaten Haushalte auf der „Verliererseite“ stehen, sind die Unternehmen in Österreich die großen Profiteure der Niedrigzinsen: Sie erzielten seit 2008 ein Plus von knapp 11 Milliarden Euro beim Nettozinseinkommen. Bei Banken und Staat kam es dagegen nur zu geringen Veränderungen.

Zu den großen Gewinnern zählen die Volkswirtschaften Spaniens, der Niederlande und Portugals. Für die beiden Südländer gilt dabei: Die Verschlechterung der Nettozinseinkommen von Staat und Banken wird durch die Verbesserungen bei Unternehmen und Haushalten deutlich überkompensiert. Negativ war die Entwicklung auch für die Volkswirtschaften Frankreichs und Finnlands. In beiden Fällen sind es vor allem die Rückgänge des Nettozinseinkommens bei Banken, die das Gesamtergebnis beeinflussen.

Fazit: Um aus dem Tal der Nullzinsen aufzusteigen, bleibt für heimische Sparer nur der Weg in kapitalmarktnahe Produkte: „Um den Folgen der Verteilungspolitik der EZB entgegenzuwirken, ist eine stärkere Ausrichtung auf kapitalmarktnahe Produkte notwendig. Das Sparbuch hat zum Zweck des Vermögensaufbaus schon lange ausgedient“, so Bruckner abschließend.

Ausführliche Anmerkungen zur Methodik – auch zum verwendeten Zinsbegriff – und zum Vergleich mit anderen Berechnungen (z.B. der EZB) werden im Working Paper detailliert dargestellt. Eine wichtige Maßzahl ist hierbei das Nettozinseinkommen – die Differenz aus Zinserträgen (Zinseinnahmen der Haushalte aus Bankeinlagen und Schuldverschreibungen) und Zinsaufwendungen (Zinszahlungen der Haushalte für Kredite).

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  • Foto: Martin Bruckner (© Allianz) – Abdruck honorarfrei
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