AK warnt: AUS für Bonus-Malus-System für ältere Beschäftigte und für die „Aktion 20.000“ ist eine krasse

Linz (OTS) - Das Bonus-Malus-System zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer hätte am 1. Jänner in Kraft treten sollen. Das ist nicht geschehen. Die „Aktion 20.000“ steht überhaupt vor dem Aus. Der Grund: die gestiegenen Beschäftigungsquoten bei den Über-50-Jährigen. „Eine fatale Entscheidung und eine Verhöhnung der betroffenen Arbeitssuchenden noch dazu“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Denn ohne Förderprogramme des AMS und ohne Altersteilzeit würden die Beschäftigungsdaten ganz anders aussehen. Kalliauer fordert Maßnahmen zur Veränderung der Personalpolitik in den Unternehmen, um das Problem der Altersarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen.

 

Die aktuellen Arbeitsmarktdaten sind grundsätzlich erfreulich. Die gute Konjunktur sorgt für steigende Beschäftigung und sinkende Arbeitslosigkeit. Doch vom Wirtschaftsaufschwung profitieren nicht alle. Vor allem für Langzeitarbeitslose und ältere Menschen hat sich die Arbeitsmarktsituation nicht verbessert. In Oberösterreich sind aktuell 13.985 Personen (Stand Jänner 2018) über 50 arbeitslos. Das sind aufgrund der „Aktion 20.000“ um 7,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor, aber fast 9.000 ältere Arbeitslose mehr als vor zehn Jahren. Nicht nur die Anzahl der Zugänge, sondern vor allem die Dauer der Arbeitslosigkeit wächst. Aktuell hat sich die durchschnittliche Vormerkdauer bei den 55- bis 59-jährigen auf 263 Tage erhöht, in der Altersgruppe der 60- bis 64-jährigen sind es sogar 405 Tage. Und das trotz intensiver Bemühungen des AMS und der arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkte für Ältere!

 

Das Pensionsantrittsalter der Österreicher/-innen steigt zwar – es handelt sich aber bei vielen unselbständig Beschäftigten nicht um einen nahtlosen Übergang von der Erwerbstätigkeit in die Pension. Nur 57 Prozent aller Neo-Pensionisten/-innen im Jahr 2016 waren bis zum Schluss erwerbstätig. Knapp ein Zehntel bezog zuvor Kranken- bzw. Rehabilitationsgeld, mehr als ein Fünftel war zuvor arbeitslos – viele davon langzeitarbeitslos. Der Anstieg beim Pensionsantrittsalter ist also nur zu einem Teil auf längere Beschäftigung (wie beabsichtigt) zurückzuführen – bei vielen gab es vor Pensionsantritt eine längere Phase der Arbeitslosigkeit bzw. Rehabilitation wegen Krankheit. AK-Präsident Kalliauer: „Vor allem für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Problemen grenzt es an Zynismus, ständig über die weitere Anhebung des Pensionsantrittsalters zu diskutieren.“ Mit einer fatalen, weil geradezu aussichtslosen Situation kämpfen vor allem jene Betroffenen, bei denen zu Krankheit auch noch Faktoren wie höheres Alter, geringe Bildung und Migrationshintergrund kommen. Vor allem für diese Menschen sind Maßnahmen wie die gestoppte „Aktion 20.000“ die einzige Chance auf eine Beschäftigung zumindest am „Zweiten Arbeitsmarkt“.

 

Mehr als 1.000 Unternehmen in Österreich mit mehr als 25 Beschäftigten haben gar keine Mitarbeiter/-innen über 55. „Daher braucht es Anstöße von gesetzlicher Seite, damit Unternehmen in ihrer Personalpolitik endlich umdenken und mit der Altersdiskriminierung aufhören. Ältere haben schließlich Wissen und Erfahrungen einzubringen, die für Unternehmen sehr wertvoll sind“, so Kalliauer. Die meisten Betriebe können aus der Vielfalt an Bewerbern/-innen auswählen und tun dies auch nach ganz bestimmten Kriterien. Das Idealbild, an dem man sich in den meisten Unternehmen nach wie vor orientiert, setzt folgende Eigenschaften voraus: jung, flexibel, gut qualifiziert, gesund, fit. Bevor hier kein Umdenken stattgefunden hat, wird es ohne Druck und ohne finanzielle Anreize nicht gelingen, mehr Menschen über 50 in Beschäftigung zu halten bzw. zu bringen. Das geplante Bonus-Malus-System und die „Aktion 20.000“ wären notwendige Schritte in diese Richtung gewesen.

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