GEORG-Kongress: OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2018

Wien (OTS) - Am 19. Jänner 2018 fand der bereits dritte GEORG-Kongress unter dem Motto „OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2018“ im Billrothhaus in Wien statt.

Der gemeinnützigen und länderübergreifenden Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (GEORG) geht es darum, Themen wie onkologische Rehabilitation und ihre Zukunft, Nebenwirkungsmanagement und supportive Therapien in der Wissenschaft sowie klinische Praxis und Lehre anzutreiben. Wie dies in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Setting erreicht wurde und wie es in Zukunft weitergehen soll, zeigte der heurige GEORG-Kongress auf.

„Ein ganz wesentlicher Aspekt ist die Interdisziplinarität. Aufgrund der sogenannten Kardiotoxizität ist die Zusammenarbeit von Onkologie und Kardiologie sehr wichtig geworden. Daraus ist der Bereich Kardio-Onkologie entstanden. Aufgrund des deutlich besseren Überlebens der onkologischen Patienten werden die Nebenwirkungen oder Langzeitwirkungen auf das Herz und Herzkreislauferkrankungen immer relevanter. Die Patienten, die Krebserkrankungen überlebt haben, versterben in einem hohen Anteil an Herzerkrankungen. Hier greift nun die Idee und Möglichkeit der Linderung der Nebenwirkungen und Verbesserung der kardialen Risikofaktoren durch Training und Bewegung. Dadurch ist ein Umdenken erfolgt: Die Bewegung ist wichtig für Patienten und fördert das Überleben sowohl von den Krebs– als auch von den kardiologisch Erkrankten“, sagt OÄ Univ.-Prof. Dr. Jutta Bergler-Klein von der Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien.


Innovative Rehabilitationszentren

Der Sonnberghof Bad Sauerbrunn, eine Gesundheitseinrichtung der VAMED, hat sich auf die Rehabilitation von Menschen mit Tumorkrankheiten spezialisiert und gehört zu den führenden Einrichtungen der Onko-Reha in Österreich. „Der onkologische Fortschritt ist unbestritten, aber nach onkologischen Behandlungen bleiben, auch wenn geheilt, vielmals Folgen, diese sind körperliche, psychische, soziale und spirituelle. Wenn man Rehabilitation als Hilfe auf dem Weg zurück in das normale Leben definiert - indem man eben diese Folgen minimiert - können wir die Rehabilitation nicht nach drei stationären Wochen als abgeschlossen betrachten. Rehabilitation ist die Gesamtzahl der Maßnahmen, die dem Patienten auf diesem Weg zurück begleiten oder helfen. Die stationäre Rehabilitation zeigt schöne und beeindruckende Auswirkungen, sie kann jedoch für sich alleine nicht bestehen, da ohne weiterführende therapeutische Maßnahmen die Effekte der dreiwöchigen stationären Rehabilitation vergehen. D.h., dass alle Therapeuten, Pflegende oder Ärzte, die Menschen nach Krebserkrankungen betreuen, rehabilitativ tätig sind. Es ist eine Intention dieses gelungenen Symposiums, alle in der Nachsorge Tätigen zusammenzubringen, um einen Austausch von Wissen zu ermöglichen und in weiterer Folge die in Österreich vorhandenen Maßnahmen zu bündeln um im Sinne der Betroffenen eine optimale Begleitung auf diesem Weg zurück ins normale Leben zu schaffen“, erklärt Prim. Dr. Marco Hassler, ärztlicher Leiter des Sonnberghofs.

Ein weiteres innovatives Rehabilitationszentrum für onkologische Erkrankungen ist die Onkologische Rehabilitation in St. Veit im Pongau, die von der VAMED errichtet und in einer Betriebsgesellschaft von VAMED und SALK (Salzburger Landesklinken) geführt wird.

„Im Rahmen des GEORG-Kongresses haben wir einige innovative onkologische Rehabilitationszentren vorgestellt, u.a. in Bad Sauerbrunn und in St. Veit. Ein Schwerpunkt lag dabei in der Verbesserung der Lebensqualität. Durch eine Studie aus St. Veit im Pongau konnte gezeigt werden, dass es dank einer dreiwöchigen Reha signifikante Besserungen insbesondere bei Schmerzen, depressiver Stimmung, der Angst vor einem Fortschreiten der Tumorerkrankung und Müdigkeit und Erschöpfung gab. Wir haben jetzt erstmalig gezeigt, dass die positive Wirkung auch mindestens sechs Monate nach der Reha anhält. In zwei Vorträgen wurde darauf eingegangen, dass auch Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen oder metastasierten Krankheiten von der Reha profitieren. Veraltete Vorstellungen, wonach solche Therapien bei Menschen mit Krebskrankheiten nicht durchführbar wären, wurden damit widerlegt. Schlussendlich wurde auch der Bereich der ambulanten Rehabilitation und deren Vorteile angesprochen. Menschen in größeren Städten würden von der ambulanten Reha definitiv profitieren, wohingegen für Patientengruppen mit langen Anfahrtswegen, etwa in ländlichen Gegenden, oder für gebrechliche und ältere Personen die stationäre Reha besser geeignet ist. Insgesamt ist die onkologische Reha in Österreich auf einem sehr hohen Niveau und es ist eine Freude hier zu arbeiten“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Thomas Licht, ärztlicher Leiter der Onkologischen Rehabilitation in St. Veit im Pongau.


Neue Rehakonzepte

„Durch die Bevölkerungsentwicklung, der zunehmenden Lebenserwartung, der Zunahme onkologischer Erkrankungen und die Verlängerung der Überlebenszeiten, wird das Thema onkologische Rehabilitation immer umfassender. Dadurch werden sich auch neue Schwerpunkte entwickeln, mit denen man sich in naher Zukunft auseinandersetzen muss. Einige davon sind: Die Unterscheidung, wer sollte stationär und wer sollte ambulant versorgt werden? Wie können Rehabilitationskonzepte im palliativen Therapiesetting aussehen? Wo sind die Überschneidungen mit Palliativmedizin? Wie können wir die Nachhaltigkeit rehabilitativer Maßnahmen definieren bzw. beweisen? Abschließend ist noch zu sagen, dass Kongresse wie GEORG eine sehr positive Entwicklung sind. Sie verbinden nämlich Wissenschaft und klinischen Alltag durch Studien, die die Wirksamkeit der Therapien beweisen“, betont Prim. Dr. Bruno Mähr, ärztlicher Leiter des Therapiezentrums Rosalienhof in Bad Tatzmannsdorf.

„Eine Neuheit in der onkologischen Rehabilitation ist die Möglichkeit, dass die Familie der kranken Kinder finanziell mitgetragen und einer Rehabilitation zugeführt werden können. Die Patienten sind nicht mehr der alleinige Fokus, sondern auch die Familie, da ein gesundes und unterstützendes Umfeld für die erfolgreiche Rehabilitation essenziell ist. Wenn ein Kind eine Krebsdiagnose bekommt, fällt in der Regel die gesamte Familie in eine existentielle Krise, die Eltern stehen unter immensem Druck. Für die sinnvolle Rehabilitation des Kindes ist es notwendig, das zerrüttete Familiengefüge wieder herzustellen, neues Vertrauen zu schaffen, frühere Rituale und „stille“ Geschwister wieder den alten Stellenwert zu geben. Die gesamtheitlich rehabilitierte Familie findet dadurch aus der Krise wieder in die Normalität zurück. Die erlernten Maßnahmen sollen familiär weiter gelebt werden, um den Wiedereinstieg ins Leben (Arbeit, Schule, Kindergarten)  leichter zu schaffen“, betont Univ.-Doz. Dr. Gustav Fischmeister, MSc von der Kinderarzt Ordination.

„Immer noch nehmen Patienten und Ärzte in Österreich zu wenig wahr, dass es die Möglichkeit einer onkologischen Rehabilitation gibt. Wir müssen daran arbeiten, dass möglichst alle Patienten, die dafür in Frage kommen, von ihren Vertrauensärzten darauf hingewiesen werden. Welche rehabilitative Maßnahmen angewandt werden sollten, wird in Abhängigkeit von Beschwerden und Krankheitsverlauf individuell zusammengestellt. Körperliche Aktivität ist eine der wesentlichen Säulen der Rehabilitation. Bewegung steigert die Lebensqualität. Welche Sportarten ein Patient dabei ausübt, hängt von der körperlichen Verfassung und den persönlichen Vorlieben ab. Dies sollte allerdings unter Anleitung und idealerweise im Rahmen einer Reha erlernt werden, da man seine Leistungsfähigkeit nach einer schweren Krankheit oft nicht richtig einschätzen kann. Internationale Studien belegen, dass Krebspatienten nach einer onkologischen Rehabilitation mit einer verbesserten Lebensqualität rechnen können, und bei bestimmten Tumorerkrankungen auch eine höhere Lebenserwartung möglich ist. Onkologische Rehabilitation als Teil der Krebsbehandlung hat sich in anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder in den USA schon mehr durchgesetzt. Diese Onkologische Rehabilitation kann aber nur zum Teil in Kliniken erfolgen, wo die Primärbehandlung durchgeführt wurde. Viel sinnvoller ist es, diese in einer anderen Umgebung in eigens dafür vorgesehenen Einrichtungen durchzuführen, um den Patienten einen gewissen Wohlfühl-Effekt zu vermitteln. Es erfordert einen Umdenkprozess, um die Nachsorge von onkologischen Patienten sicherzustellen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christoph Wiltschke von der Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien.

Eine Zusammenfassung des diesjährigen und einen Ausblick auf den nächsten GEORG-Kongress gab im Namen der Gesellschaft zur Erforschung onkologischer und rehabilitativer Grundlagen (GEORG) ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MSc, MBA von der Universitätsklinik für PMR&A, MedUni Wien: „Die Tagung konnte wieder nationale, aber auch internationale Trends in der onkologischen Rehabilitation aufzeigen. Weiters wurde ein Einblick in Spezialthemen, wie  u.a. Sarkome, gynäkologische, urogenitale Tumorerkrankungen und bösartige Hirntumore, d.h. Glioblastome, gegeben. Darüber hinaus wurde dargestellt, dass wir hervorragend funktionierende stationäre Rehabilitationszentren als logische Fortsetzung und Ergänzung der bestehenden Spitzenmedizin in der Krebsbehandlung haben. Augenscheinlich wird dabei immer mehr, dass es fließende Übergänge zwischen der onkologischen Rehabilitation und der Situation bei weit fortgeschrittenen, auch palliativen Situationen geben kann. Eine onkologische Rehabilitation vermag sowohl Seniorinnen und Senioren, als auch Patienten, welche ins Arbeitsleben zurückkehren möchten, zu einer deutlich verbesserten Teilhabe zu führen. Nach dem Kongress ist ja bekanntlich vor dem Kongress - wir freuen uns daher schon auf die nächste Tagung, die am 11. Jänner 2019 im Van Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien und damit im unmittelbaren universitären Umfeld stattfinden wird“, so Crevenna.

Crevenna R. Cancer rehabilitation and palliative care--two important parts of comprehensive cancer care. Support Care Cancer. 2015 Dec;23(12):3407-8. doi: 10.1007/s00520-015-2977-1. Epub 2015 Oct 6.

Crevenna R. Return-to-work outcomes in cancer survivors. Support Care Cancer. 2017 Jul 18. doi: 10.1007/s00520-017-3835-0.

Buchtipp:

Richard Crevenna: Physikalische Medizin und Rehabilitation. Ein Kurzlehrbuch. Richard Crevenna (Autor), Facultas (Verlag), 1. Auflage (Februar 2018); 978-3-7089-1409-1 (ISBN)

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