- 20.02.2018, 11:11:07
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Spitalsärzte-Umfrage 2: „Mitarbeiter werden in Illegalität gedrängt“
Überstunden tagsüber nehmen zu – Keine Arbeitszeitaufzeichnungen vorhanden – Ärztekammer fordert mehr Personal und weniger Administration
Utl.: Überstunden tagsüber nehmen zu – Keine
Arbeitszeitaufzeichnungen vorhanden – Ärztekammer fordert mehr
Personal und weniger Administration =
Wien (OTS) - Dramatisch ist die Situation in den Spitälern tagsüber:
Nur jeder neunte Arzt kann nach geleistetem Tagdienst die Arbeit
immer zeitgerecht verlassen, der Großteil muss länger bleiben (89
Prozent im KAV, 88 Prozent in anderen Krankenanstalten). Jüngere
Ärztinnen und Ärzte bleiben tendenziell länger in der Arbeit als ihre
älteren Kolleginnen und Kollegen. „Das liegt daran, dass man sich
auch noch Zeit für die Ausbildung nehmen muss“, ergänzt Weismüller.
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Mehr als ein Viertel der Spitalsärzte im KAV (27 Prozent) muss
mehrmals pro Woche bis zu einer Stunde, maximal zwei Stunden länger
im Dienst bleiben. Hauptgründe (Mehrfachnennungen möglich) für den
zusätzlichen Zeitaufwand sind dort die Patientenversorgung (79
Prozent), administrative Tätigkeiten (54 Prozent) Dienstübergaben (20
Prozent) sowie die Fortbildung (14 Prozent).
„Tagsüber sehen wir vor allem das Problem der überlasteten
Spitalsambulanzen und das hohe Patientenaufkommen“, resümiert
Weismüller die alarmierenden Zahlen und stellt fest: „Wir sind
einfach zu wenige, um unsere Arbeit ohne Überstunden erledigen zu
können.“ Die Situation werde daher sowohl für die Kollegenschaft als
auch für die Patienten jeden Tag dramatischer und auch in der Nacht –
„arbeitsrechtlich – illegaler“.
Keine Aufzeichnung der Arbeitszeit
Teilweise illegal ist auch der Zustand bei der Aufzeichnung der
Arbeitszeiten – vor allem im KAV. Fast die Hälfte (47 Prozent) der
Spitalsärzte im KAV, bei denen Überstunden anfallen, führt diese
nicht korrekt in der Arbeitsaufzeichnung an. In anderen
Krankenanstalten zeichnen dagegen acht von zehn Ärztinnen und Ärzte,
die Überstunden leisten, ihren Aufwand auf. Weismüller: „Der Wert in
den Privatspitälern ist besser, aber auch nicht ideal.“
Besorgniserregend für die fehlende Zeiterfassung sind die Gründe,
die Spitalsärzte vor allem im KAV dafür angeben: Für 26 Prozent ist
nicht klar geregelt, ob sie für bestimmte Arbeiten Überstunden
aufschreiben dürfen. 16 Prozent gaben an, dass ihr Vorgesetzter von
ihnen erwartet, keine Überstunden aufzuzeichnen, und 3 Prozent gaben
sogar an, dass ihr Vorgesetzter die Aufzeichnung von Überstunden
verbietet.
„Das Ergebnis ist für mich schockierend. Dieses offenbar
absichtliche Drängen von Kolleginnen und Kollegen in die Illegalität
ist untragbar,“ sagt Weismüller und fordert ganz klar den KAV auf,
„mit diesen arbeitsrechtlichen Missständen endlich aufzuräumen“.
KAV–Ärzte arbeiten derzeit im Durchschnitt sogar 46 Stunden statt der
gesetzlich erlaubten 40. Damit ergebe sich laut den Ergebnissen der
Umfrage eine Lücke von 120 Ärztinnen und Ärzten
(Vollzeitäquivalenten), die fehlten.
Weismüller sieht hier als einzige rasche und nachhaltige Lösung
die Einstellung von zusätzlichem ärztlichen Personal. „Dann ist auch
mit den unbezahlten beziehungsweise sogenannten ‚schwarzen‘
Überstunden endlich Schluss“. Dieser Ärztemangel werde mit den zu
erwartenden steigenden Patientenzahlen ansonsten nur noch größer.
Anforderungen an die Spitalsversorgung in Wien
Aus den Ergebnissen der Umfrage resultierend hat die Wiener
Ärztekammer ein Forderungspaket an die Politik und Spitalsträger,
insbesondere den KAV, erstellt.
Die Forderungen der Ärztekammer im Überblick:
- Das Ergebnis der Umfrage zeigt eklatante Lücken in der
Personalausstattung der Spitalsträger, insbesondere im KAV. Die
Ärztekammer fordert daher die rasche Aufstockung des ärztlichen
Personals – Wiens Spitäler brauchen deutlich mehr Ärztinnen und
Ärzte!
- Organisationskultur und Mitarbeiterführung in den Spitälern
zeigen nach wie vor große Schwächen auf. Bereits zugesagte Reformen
werden zu langsam umgesetzt – Der administrative Aufwand für
Ärztinnen und Ärzte muss geringer werden!
- Die Zentralen Notaufnahmen im KAV sind nach wie vor nicht
implementiert. Die Ärztekammer fordert ehestmöglich die Umsetzung der
Zentralen Notaufnahmen, die eine essenzielle Voraussetzung
darstellen, um eine rasche und qualitätsgerechte Erstversorgung der
Patienten zu gewährleisten – Die Patienten brauchen die Zentralen
Notaufnahmen sofort!
„Unsere Kolleginnen und Kollegen haben uns in dieser Umfrage einen
deutlichen Auftrag gegeben“, resümiert Weismüller. „Die Ärztekammer
nimmt dieses Ergebnis natürlich sehr ernst und sieht sich abermals
gezwungen, unmissverständliche Forderungen an die Politik und die
Spitalsträger zu stellen. Wir fordern diese auf, unsere Forderungen
so rasch wie möglich umzusetzen.“(ast)
(Schluss)
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