• 16.02.2018, 15:00:01
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Tiroler Tageszeitung "Leitartikel" vom 16.2.18 von Peter Nindler "Partnervermittlung schwergemacht"

Innsbruck (OTS) - Nicht nur ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter hält
sich alle Optionen nach der Landtagswahl offen. Das tun mit Ausnahme
der FPÖ auch SPÖ und Grüne. Das macht die Koalitionsfrage zum
zentralen Thema im Wahlkampf.

Die Koalitionsfrage dominiert den Tiroler Landtagswahlkampf. Doch aus
einer recht komfortablen Position heraus könnte ÖVP-Chef und
Landeshauptmann Günther Platter nach der Wahl in eine politische
Einbahnstraße manövriert werden. Schließlich beginnen sich
potenzielle Regierungspartner zu zieren. Ingrid Felipe möchte, sofern
sie eingeladen wird, nur dann Gespräche über eine Fortsetzung von
Schwarz-Grün führen, wenn die Grünen mehr als zehn Prozent erreichen.
Und in der SPÖ macht Elisabeth Blanik Regierungsverhandlungen von
deutlichen Zugewinnen ihrer Partei abhängig. Am Ende bleibt Platter
womöglich auf den von ihm so ungeliebten Freiheitlichen sitzen.
Dieses Szenario behagt dem Landeshauptmann wohl am wenigsten.
Grüne und Sozialdemokraten verfolgen deshalb im ausgerufenen
Richtungswahlkampf eine klare, wenngleich gefährliche Strategie.
Schwarz-Blau in Tirol soll verhindert, indem die Mitte-links-Parteien
gestärkt werden. Dahinter steckt natürlich eine bewusste Zuspitzung,
um zuletzt abhandengekommene Wähler und die Unentschlossenen für die
Landtagswahl zu mobilisieren. Und warum gefährlich? Weil SPÖ und
Grüne damit unfreiwillig zum Wahlhelfer der ÖVP werden könnten.
Die Volkspartei kämpft seit Wochen mit mangelnder Laufbereitschaft
unter ihren Funktionären, weil „schwarzauf, schwarzab“ von einer
g’mahten Wiese geredet wird. Da kommen Günther Platter die roten
Linien seiner Mitbewerber gar nicht ungelegen. Einmal mehr kann er
seine bevorzugte Stabilitäts-Karte zücken. Weil die FPÖ die
ungeliebte Braut ist, aber die anderen gar nicht wollen, muss aus
Platters Sicht eben die Volkspartei massiv gestärkt werden.
Möglicherweise bis hin zur absoluten Mehrheit. Sollten NEOS und Liste
Fritz die Landtagshürde von fünf Prozent nämlich nicht schaffen,
werden nicht nur die 36 Landtagsmandate billiger, sondern auch die
Absolute. Niederösterreich lässt grüßen.
Andererseits können Grüne und SPÖ nicht anders. Die Sozialdemokraten
wurden einst an der Seite der ÖVP aufgerieben. Die Grünen würde es
zerreißen, wenn sie trotz herber Verluste in eine Landesregierung
drängen. Einzig die Freiheitlichen stehen parat. Derzeit fesseln sie
sich allerdings selbst in einer Negativschleife aus
Startschwierigkeiten im Bund und einer seit Wochen anhaltenden
Vergangenheitsdebatte.
Die Landtagswahl am 25. Februar wird spannend, doch wer mit wem
danach eine Koalition in Tirol bildet, noch viel spannungsgeladener.

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