Pflegekräfte brauchen Arbeitszeitverkürzung

Entlastung jetzt, um Kolleginnen und Kollegen nicht zu ruinieren

Wien (OTS/ÖGB) - „Unsere Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung in den Pflege- und Sozialberufen ist mitnichten eine Retro-Idee, sondern schlicht und einfach das einzige Zukunftsmodell“, so Willibald Steinkellner, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft vida. „Die Schreckensgespenster, die die Wirtschaftskammer derzeit an die Wand malt, entbehren jeder Grundlage“, so der Gewerkschafter.

Kürzere Arbeit – mehr Entlastung

Eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche sei längst überfällig, betont Steinkellner: „Es ist höchste Zeit, die Attraktivität in den Gesundheits- und Sozialberufen zu steigern. Die Burn-out-Raten steigen ständig, viele Kolleginnen und Kollegen sind einfach an ihren Limits angekommen. Es braucht zusätzliches qualifiziertes Personal, das den Arbeitsalltag entspannt. Das wird aber nur kommen, wenn die Anreize, den Pflegeberuf zu ergreifen, gesteigert werden!“ Der Gewerkschafter verweist darauf, dass Arbeitgeber aufgrund der Burn-out-Symptome ihres Pflegepersonals meist hohe Ausfallkosten und personelle Engpässe stemmen müssten.
 
Viele Beschäftigte im Bereich der Sozialwirtschaft würden „nur Teilzeit arbeiten, da die Belastung extrem hoch ist“, betont Steinkellner. Für sie ist Teilzeit eine Form der Burn-out-Prävention. „Wer seinen Motor ständig auf Hochtouren laufen lässt, setzt sich der Gefahr aus, sich damit zu überfordern. Wer ihn zeitweise runterfährt, ist länger leistungsfähig. Das ist entscheidend und das wissen auch die Kolleginnen und Kollegen“, ist der vida-Gewerkschafter überzeugt.

Wenig Erholung in Freizeit

Eine klare Absage erteilt Steinkellner dem Ruf aus der Wirtschaftskammer nach einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten. „Die Kolleginnen und Kollegen sind flexibel genug. Die Realität schaut für viele mittlerweile so aus, dass sie sogar Schwierigkeiten haben, ihre Freizeit zu planen. Einspringdienste sind keine Ausnahme, sondern in vielen Betrieben die Regel. Die dünnen Personaldecken müssen endlich aufgestockt werden“, fordert Steinkellner. Zudem dankt der vida-Gewerkschafter den tausenden Kolleginnen und Kollegen in den SWÖ-Betrieben im ganzen Land für ihre großartige Arbeit bei der Aktivierung und der Durchführung der Warnstreiks gestern und heute. „Wir alle wollen gut versorgt  werden. Jetzt geht es darum, wie wir den Bedürfnissen der KlientInnen gerecht werden können, ohne die psychische Gesundheit der Pflegekräfte zu ruinieren. Sicherlich nicht mit den Vorschlägen der Wirtschaftskammer“, so Steinkellner abschließend.

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