Mozarthaus Vienna: „Mozarts Weg in die Unsterblichkeit. Das Genie und die Nachwelt“

Neue Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek im Mozarthaus Vienna

Wien (OTS/RK) - Von 16. Februar 2018 bis 27. Jänner 2019 ist die Österreichische Nationalbibliothek mit der Ausstellung „Mozarts Weg in die Unsterblichkeit. Das Genie und die Nachwelt“ zu Gast im Mozarthaus Vienna, einem Museum der Wien Holding. Mozart – der Name steht für musikalische Vollendung und für ein überragendes Genie. Doch wie kam es zu Mozarts Weltgeltung und zur Ausbreitung seines Ruhms? Anhand zahlreicher Handschriften, Werkausgaben, Hommagen und Legenden zeigt die Schau außergewöhnliche Objekte aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek; darunter das Autograf von Frédéric Chopins Variationen über „Là ci darem la mano“ aus Mozarts Oper „Don Giovanni“, das erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird.

Vom erfolgreichen und populären Zeitgenossen zum Genie überzeitlicher Größe

Der Tod Wolfgang Amadeus Mozarts am 5. Dezember 1791 markiert einen Wendepunkt in der öffentlichen Geltung des Komponisten: Hatte Mozart bis dahin den Ruf eines erfolgreichen und populären Zeitgenossen gehabt, so formte sich ab nun das Bild eines Genies von singulärer und überzeitlicher Größe. Bereits zu Lebzeiten war Mozart vereinzelt der Status des Außergewöhnlichen zugesprochen worden, vor allem von seinem großen Zeitgenossen Joseph Haydn. Stellte Haydn bereits 1785 gegenüber Mozarts Vater Leopold fest, dessen Sohn sei „der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne“, so schrieb er am 20. Dezember 1791, kurze Zeit nach Mozarts Tod, an Marianne von Genzinger: „... ich freue mich kindisch nach Hauß um meine guten Freunde zu umarmen, nur bedaure ich dieses an den großen Mozart zu Entbehren, wan es anderst deme also, welches ich nicht wünsche Er gestorben seyn solte. Die Nachweld bekommt nicht in 100 Jahren wieder ein solch Talent.“ Kurze Zeit später, am 29. Oktober 1792, notierte Ferdinand Graf Waldstein in das Stammbuch des jungen Ludwig van Beethoven, der im Begriff war, nach Wien aufzubrechen:
„Mozart’s Genius trauert noch und beweint den Tod seines Zöglinges. Bey dem unerschöpflichen Hayden fand er Zuflucht, aber keine Beschäftigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemanden vereinigt zu werden. Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie:
Mozart’s Geist aus Haydens Händen.“

Die gesteigerte und ungebrochene Popularität Mozarts Werke

Ziel der Ausstellung ist es, diesen Prozess der Bewusstwerdung der Größe Mozarts und die ungebrochene, ja gesteigerte Popularität seines Werkes nach seinem Tod anhand mehrerer Aspekte erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Sowohl in den Nekrologen als auch in den frühen Biographien zeichnet sich das Bild eines Komponisten ab, dessen Schaffen nicht als abgeschlossenes Kapitel anzusehen ist, sondern zunehmende Bedeutung für Gegenwart und Zukunft gewinnt. Als Beispiele dienen „Mozart’s Leben“ (Friedrich Schlichtegroll, Graz 1794), „Mozarts Geist“ (Theodor Arnold, Erfurt 1803), die „begründete und ausführliche Biographie“ Mozarts von Johann Alois Schlosser (Prag 1828), aber auch Artikel der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“. Die Druckorte dieser Publikationen demonstrieren die bereits europaweite Dimension des Interesses an Mozarts Werk. Diese Darstellung wird mit weiteren biographischen Dokumenten fortgesetzt, wobei viel Interesse für Mozarts Grab und die Vergiftungstheorie zu konstatieren ist. Mozarts Tod war Gegenstand zahlreicher, meist romantisierender Darstellungen, Gerüchte über eine mögliche Vergiftung wollten nicht verstummen, und auch sein Grab war Gegenstand zahlreicher Spekulationen und Mutmaßungen. Die Tatsache der Ungewissheit über den exakten Ort der letzten Ruhestätte Mozarts erhöhte den geheimnisvollen Nimbus des Komponisten und trug zur Legendenbildung bei.

Legenden rund um Mozarts Requiem

Von Legenden und Vermutungen umgeben war in besonderem Maß Mozarts letztes Werk, das Requiem, das als Fragment zurückblieb und nach Mozarts Tod im Auftrag Constanze Mozarts von Franz Xaver Süßmayr vollendet wurde. Während der Mainzer Musikschriftsteller Gottfried Weber vehement die Echtheit dieses Werkes bezweifelte, trat in Wien Maximilian Stadler als Verteidiger der Echtheit dieses letzten Werkes Mozarts hervor. Durch die Erwerbung der Originalhandschriften des Werkes durch die Wiener Hofbibliothek im Zeitraum von 1831 bis 1838, die durch zahlreiche Dokumente belegt ist, konnte Klarheit über den Kompositionsanteil Mozarts und den Franz Xaver Süßmayrs geschaffen werden.
Ebenso wie das Requiem entstammt auch die „Zauberflöte“ Mozarts letztem Lebensjahr. Ihrer Uraufführung am 30. September 1791 folgte – über Mozarts Tod hinaus – eine jahrelange Serie von Aufführungen, zahlreiche weitere europäische Städte schlossen sich an. Der große Erfolg bewog Emanuel Schikaneder, den Textautor, einen „zweiten Teil“ der Zauberflöte zu schreiben, der von Peter von Winter vertont wurde.

Die Bedeutung des Namen Mozart nach seinem Tod

Viel zur Hochschätzung Mozarts durch die unmittelbare Nachwelt trugen die führenden Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts bei. Nicht nur Joseph Haydn bekundete mehrfach seine Bewunderung für Mozart, auch Ludwig van Beethoven zählte Mozart zu seinen Vorbildern. In einer Publikation Maximilian Stadlers (1827) wird er mit dem Ausspruch zitiert: „... allzeit habe ich mich zu den größten Verehrern Mozart’s gerechnet und werde es seyn bis zum letzten Lebenshauch.“
Ein etwas abseitiges, aber sprechendes Indiz für die Popularität und Bedeutung des Namens Mozart ist das Phänomen der unterschobenen Werke. Nach Mozarts Tod häuften sich die Fälle, dass Werke weniger prominenter Komponisten unter dem Namen „Mozart“ – in Handschrift oder Druck – verbreitet wurden, um auf diese Weise das Interesse und den Absatz zu erhöhen. Nicht zuletzt machte sich Mozarts Witwe Constanze die Zugkraft des Namens ihres verstorbenen Mannes zunutze:
Sie präsentierte ihren Sohn Franz Xaver der Öffentlichkeit unter dem Namen „Wolfgang Amadeus Mozart fils“; unter diesem Namen erschienen auch Franz Xavers Kompositionen.

Ausstellung zeigt besondere Exponate

Das Phänomen des steigenden Interesses an Mozarts Schaffen zeigt sich nicht nur an der breitgestreuten biographischen Literatur, sondern an den zahlreichen Erstdrucken seiner Werke, die in den Jahren nach seinem Tod erschienen. Dies betrifft die Erstausgaben der „Zauberflöte“ und des Requiems, aber auch zahlreiche weitere Werke, die im Zeitraum zwischen 1791 und 1810 gedruckt wurden. Mozart wurde Bezugspunkt von Variationen und Hommagen, wobei die Ausstellung eine Originalhandschrift besonderer Art zeigt: die Variationen über „La ci darem la mano“ (aus „Don Giovanni“) von Frédéric Chopin, der dieses Werk im Alter von 17 Jahren schrieb und in Wien erstmals präsentierte.
Ebenso ist in Dichtung und bildender Kunst das wachsende Bewusstsein der Bedeutung Mozarts ablesbar. Mozart wurde in zahlreichen Gedichten gehuldigt, und Literaten vom Rang E.T.A. Hoffmanns – der den Namen „Amadeus“ aus Verehrung für Mozart annahm – sorgten für Mozart-Rezeption auf hohem Niveau. Auch in der zeitgenössischen Graphik spielte Mozart eine wichtige Rolle, wobei sich Darstellungen der Sterbeszene (in romantischer Überhöhung) besonderer Popularität erfreuten. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 1842, als für Mozart in Salzburg das erste Denkmal errichtet wurde.

Die Kuratoren: Dr. Thomas Leibnitz & Drin Andrea Harrandt

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