- 15.02.2018, 11:33:01
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Mozarthaus Vienna: „Mozarts Weg in die Unsterblichkeit. Das Genie und die Nachwelt“
Neue Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek im Mozarthaus Vienna
Utl.: Neue Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek im
Mozarthaus Vienna =
Wien (OTS/RK) - Von 16. Februar 2018 bis 27. Jänner 2019 ist die
Österreichische Nationalbibliothek mit der Ausstellung „Mozarts Weg
in die Unsterblichkeit. Das Genie und die Nachwelt“ zu Gast im
Mozarthaus Vienna, einem Museum der Wien Holding. Mozart – der Name
steht für musikalische Vollendung und für ein überragendes Genie.
Doch wie kam es zu Mozarts Weltgeltung und zur Ausbreitung seines
Ruhms? Anhand zahlreicher Handschriften, Werkausgaben, Hommagen und
Legenden zeigt die Schau außergewöhnliche Objekte aus den Beständen
der Österreichischen Nationalbibliothek; darunter das Autograf von
Frédéric Chopins Variationen über „Là ci darem la mano“ aus Mozarts
Oper „Don Giovanni“, das erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird.
Vom erfolgreichen und populären Zeitgenossen zum Genie
überzeitlicher Größe
Der Tod Wolfgang Amadeus Mozarts am 5. Dezember 1791 markiert
einen Wendepunkt in der öffentlichen Geltung des Komponisten: Hatte
Mozart bis dahin den Ruf eines erfolgreichen und populären
Zeitgenossen gehabt, so formte sich ab nun das Bild eines Genies von
singulärer und überzeitlicher Größe. Bereits zu Lebzeiten war Mozart
vereinzelt der Status des Außergewöhnlichen zugesprochen worden, vor
allem von seinem großen Zeitgenossen Joseph Haydn. Stellte Haydn
bereits 1785 gegenüber Mozarts Vater Leopold fest, dessen Sohn sei
„der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne“,
so schrieb er am 20. Dezember 1791, kurze Zeit nach Mozarts Tod, an
Marianne von Genzinger: „... ich freue mich kindisch nach Hauß um
meine guten Freunde zu umarmen, nur bedaure ich dieses an den großen
Mozart zu Entbehren, wan es anderst deme also, welches ich nicht
wünsche Er gestorben seyn solte. Die Nachweld bekommt nicht in 100
Jahren wieder ein solch Talent.“ Kurze Zeit später, am 29. Oktober
1792, notierte Ferdinand Graf Waldstein in das Stammbuch des jungen
Ludwig van Beethoven, der im Begriff war, nach Wien aufzubrechen:
„Mozart’s Genius trauert noch und beweint den Tod seines Zöglinges.
Bey dem unerschöpflichen Hayden fand er Zuflucht, aber keine
Beschäftigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemanden
vereinigt zu werden. Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie:
Mozart’s Geist aus Haydens Händen.“
Die gesteigerte und ungebrochene Popularität Mozarts Werke
Ziel der Ausstellung ist es, diesen Prozess der Bewusstwerdung der
Größe Mozarts und die ungebrochene, ja gesteigerte Popularität seines
Werkes nach seinem Tod anhand mehrerer Aspekte erlebbar und
nachvollziehbar zu machen. Sowohl in den Nekrologen als auch in den
frühen Biographien zeichnet sich das Bild eines Komponisten ab,
dessen Schaffen nicht als abgeschlossenes Kapitel anzusehen ist,
sondern zunehmende Bedeutung für Gegenwart und Zukunft gewinnt. Als
Beispiele dienen „Mozart’s Leben“ (Friedrich Schlichtegroll, Graz
1794), „Mozarts Geist“ (Theodor Arnold, Erfurt 1803), die „begründete
und ausführliche Biographie“ Mozarts von Johann Alois Schlosser (Prag
1828), aber auch Artikel der Leipziger „Allgemeinen musikalischen
Zeitung“. Die Druckorte dieser Publikationen demonstrieren die
bereits europaweite Dimension des Interesses an Mozarts Werk. Diese
Darstellung wird mit weiteren biographischen Dokumenten fortgesetzt,
wobei viel Interesse für Mozarts Grab und die Vergiftungstheorie zu
konstatieren ist. Mozarts Tod war Gegenstand zahlreicher, meist
romantisierender Darstellungen, Gerüchte über eine mögliche
Vergiftung wollten nicht verstummen, und auch sein Grab war
Gegenstand zahlreicher Spekulationen und Mutmaßungen. Die Tatsache
der Ungewissheit über den exakten Ort der letzten Ruhestätte Mozarts
erhöhte den geheimnisvollen Nimbus des Komponisten und trug zur
Legendenbildung bei.
Legenden rund um Mozarts Requiem
Von Legenden und Vermutungen umgeben war in besonderem Maß Mozarts
letztes Werk, das Requiem, das als Fragment zurückblieb und nach
Mozarts Tod im Auftrag Constanze Mozarts von Franz Xaver Süßmayr
vollendet wurde. Während der Mainzer Musikschriftsteller Gottfried
Weber vehement die Echtheit dieses Werkes bezweifelte, trat in Wien
Maximilian Stadler als Verteidiger der Echtheit dieses letzten Werkes
Mozarts hervor. Durch die Erwerbung der Originalhandschriften des
Werkes durch die Wiener Hofbibliothek im Zeitraum von 1831 bis 1838,
die durch zahlreiche Dokumente belegt ist, konnte Klarheit über den
Kompositionsanteil Mozarts und den Franz Xaver Süßmayrs geschaffen
werden.
Ebenso wie das Requiem entstammt auch die „Zauberflöte“ Mozarts
letztem Lebensjahr. Ihrer Uraufführung am 30. September 1791 folgte –
über Mozarts Tod hinaus – eine jahrelange Serie von Aufführungen,
zahlreiche weitere europäische Städte schlossen sich an. Der große
Erfolg bewog Emanuel Schikaneder, den Textautor, einen „zweiten Teil“
der Zauberflöte zu schreiben, der von Peter von Winter vertont wurde.
Die Bedeutung des Namen Mozart nach seinem Tod
Viel zur Hochschätzung Mozarts durch die unmittelbare Nachwelt
trugen die führenden Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts bei.
Nicht nur Joseph Haydn bekundete mehrfach seine Bewunderung für
Mozart, auch Ludwig van Beethoven zählte Mozart zu seinen Vorbildern.
In einer Publikation Maximilian Stadlers (1827) wird er mit dem
Ausspruch zitiert: „... allzeit habe ich mich zu den größten
Verehrern Mozart’s gerechnet und werde es seyn bis zum letzten
Lebenshauch.“
Ein etwas abseitiges, aber sprechendes Indiz für die Popularität und
Bedeutung des Namens Mozart ist das Phänomen der unterschobenen
Werke. Nach Mozarts Tod häuften sich die Fälle, dass Werke weniger
prominenter Komponisten unter dem Namen „Mozart“ – in Handschrift
oder Druck – verbreitet wurden, um auf diese Weise das Interesse und
den Absatz zu erhöhen. Nicht zuletzt machte sich Mozarts Witwe
Constanze die Zugkraft des Namens ihres verstorbenen Mannes zunutze:
Sie präsentierte ihren Sohn Franz Xaver der Öffentlichkeit unter dem
Namen „Wolfgang Amadeus Mozart fils“; unter diesem Namen erschienen
auch Franz Xavers Kompositionen.
Ausstellung zeigt besondere Exponate
Das Phänomen des steigenden Interesses an Mozarts Schaffen zeigt
sich nicht nur an der breitgestreuten biographischen Literatur,
sondern an den zahlreichen Erstdrucken seiner Werke, die in den
Jahren nach seinem Tod erschienen. Dies betrifft die Erstausgaben der
„Zauberflöte“ und des Requiems, aber auch zahlreiche weitere Werke,
die im Zeitraum zwischen 1791 und 1810 gedruckt wurden. Mozart wurde
Bezugspunkt von Variationen und Hommagen, wobei die Ausstellung eine
Originalhandschrift besonderer Art zeigt: die Variationen über „La ci
darem la mano“ (aus „Don Giovanni“) von Frédéric Chopin, der dieses
Werk im Alter von 17 Jahren schrieb und in Wien erstmals
präsentierte.
Ebenso ist in Dichtung und bildender Kunst das wachsende Bewusstsein
der Bedeutung Mozarts ablesbar. Mozart wurde in zahlreichen Gedichten
gehuldigt, und Literaten vom Rang E.T.A. Hoffmanns – der den Namen
„Amadeus“ aus Verehrung für Mozart annahm – sorgten für
Mozart-Rezeption auf hohem Niveau. Auch in der zeitgenössischen
Graphik spielte Mozart eine wichtige Rolle, wobei sich Darstellungen
der Sterbeszene (in romantischer Überhöhung) besonderer Popularität
erfreuten. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 1842, als für
Mozart in Salzburg das erste Denkmal errichtet wurde.
Die Kuratoren: Dr. Thomas Leibnitz & Drin Andrea Harrandt
(Schluss)
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