- 31.01.2018, 11:09:36
- /
- OTS0088
Jüdisches Museum Wien erhält bedeutendes Archiv der Familie Ephrussi
Wien (OTS) - Dem Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien
Holding, wurde von den Familien de Waal und Ephrussi das
Ephrussi-Familienarchiv als Schenkung überreicht. Ein Teil der
berühmten Netsuke-Sammlung der Familie – kleine japanische
Keramikfiguren – wird dem Museum als Dauerleihgabe übergeben.
Zeugnisse einer außergewöhnlichen Familiengeschichte
Das Ephrussi Familienarchiv beinhaltet vor allem Familienfotos,
persönliche Dokumente, Tagebücher, Korrespondenzen, Geschenke,
Schulfotos, Berichte von Theaterbesuchen und vieles mehr. Es konnte
noch vor dem Zugriff der Nationalsozialisten gerettet werden. Wie,
ist nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich ist, dass es Ignaz Ephrussi
gelang, das Archiv in einem großen Koffer 1939 von seinem Landsitz in
Kövecses in der Tschechoslowakei nach England zu senden.
Direktorin Danielle Spera betonte: „Dieses Archiv hat entscheidend
dazu beigetragen, dass sich Edmund de Waal für die Geschichte seiner
Familie zu interessieren begann und es ihm gelingen sollte, diese zu
recherchieren und zu beschreiben. Wir haben uns daher entschlossen,
in naher Zukunft eine Ausstellung über die Familie Ephrussi zu
präsentieren, in deren Zentrum sowohl das neu erhaltene Archiv sowie
die Netsukes stehen werden.“
Japanische Keramikfiguren als Dauerleihgabe
Nach dem „Anschluss“ wurden der Familie Ephrussi nicht nur ihre
Einrichtungs- und Kunstgegenstände geraubt, sie verlor auch ihr
Palais am Schottentor. Die einzigen Objekte, die der Familie Ephrussi
blieben, sind 264 kleine japanische Keramikfiguren, so genannte
Netsukes. Ein Teil dieser ungewöhnlichen Netsuke-Sammlung wird dem
Jüdischen Museum Wien neben dem Familienarchiv als Dauerleihgabe
anvertraut.
„Mit dem Archiv der Familie Ephrussi kehrt ein wichtiges Stück
Geschichte nach Wien zu-rück. Edmund de Waal hat zu Recht auf die
Verantwortung hingewiesen, die sich aus der Erinnerung ergibt. Die
Stadt Wien hat sich dieser Verantwortung stets gestellt, sei es in
der Restitution, in der kontinuierlichen Förderung jüdischer Kultur
oder in der beständigen Erinne-rungsarbeit, die durch zahlreiche
künstlerische Interventionen in den Stadtraum eingeschrie-ben ist.
Wie notwendig solche konkrete Erinnerungsarbeit ist, zeigen einmal
mehr schockie-rende Zitate aus ewiggestrigem Umfeld, die nicht nur
diese Arbeit konterkarieren, sondern auch durch beschwichtigende
Aussagen von offizieller Seite nicht aus der Welt zu schaffen sind“,
betont Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.
„Das Jahr 2017 war mit rund 130.000 BesucherInnen das bisher
erfolgreichste Jahr des Jüdischen Museums Wien. Unser Ziel ist es,
das Haus kontinuierlich aufzuwerten um BesucherInnen einen spannenden
und lehrreichen Museumsbesuch zu garantieren. Die Schenkung des
Ephrussi Familienarchivs leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, denn
es stellt eine bedeutende Bereicherung für die Sammlung des Museums
dar. Wir sind daher sehr dankbar, dass die Familien de Waal und
Ephrussi durch ihre Schenkung einen Teil ihrer außergewöhnlichen
Familiengeschichte für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, so
Peter Hanke, Geschäftsführer der Wien Holding.
In seinem großartigen Buch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ hat
Edmund de Waal die Geschichte seiner einst zwischen Odessa, Wien und
Paris verzweigten Familie beschrieben. Als Ausgangspunkt seiner
Erzählung dienten ihm die verbliebenen Netsukes, die dem Roman eine
wunderbare Struktur und den einzigartigen Titel gaben.
Typoskript und archivalischer Bestand übergeben
Zusätzlich erhält das Jüdische Museum Wien auch das englische
Typoskript von Elisabeth de Waals „Exiles Return“, einem Roman der
1899 in Wien geborenen Großmutter von Edmund de Waal sowie den
gesamten archivalischen Bestand von Ignaz „Iggie“ Ephrussi.
Ignaz „Iggie“ Ephrussi, geboren 1906 in Wien, Bruder von Elisabeth
de Waal und Großonkel von Edmund de Waal, war bereits in den 1920er
Jahren in die USA ausgewandert. Er arbeitete während des Zweiten
Weltkriegs im amerikanischen Geheimdienst und ging nach 1945 nach
Japan. Passend zu seinem neuen Wohnort erhielt er die Sammlung der
Netsukes, die seine Eltern Ignaz und Emma Ephrussi 1870 von Charles
Ephrussi als Hochzeitsgeschenk erhalten hatten. Dieser kunstsinnige
Verwandte aus den Reihen der Pariser Ephrussis hatte Marcel Proust
als ein Vorbild für Swann in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“
gedient.
Das Jüdisches Museum Wien dankt den Familien de Waal und Ephrussi
nicht nur für die vertrauensvolle Schenkung des Familienarchivs,
sondern auch für den Erhalt eines Teils der Netsukes als
Dauerleihgabe.
(Schluss)
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK






