Die Lebenshilfe Niederösterreich präsentiert Forderungen an die neue Landesregierung

Wr. Neustadt (OTS) - Eine Ausweitung des Angebots von persönlicher Assistenz, gleiche Bildungschancen für alle und bedarfsgerechte Unterstützung auch im Alter: Das sind nur einige der notwendigen Veränderungen, die im Sozialsystem dringend umgesetzt und neu diskutiert werden müssen. Die Lebenshilfe NÖ lädt anlässlich der neuen Regierungsbildung zum Dialog und der gemeinsamen Erarbeitung innovativer Pilotprojekte ein und präsentiert ihre Forderungen an das Regierungsprogramm.

Seit über 50 Jahren setzt sich die Lebenshilfe Niederösterreich als Interessensvertretung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und ihren Angehörigen ein. Auch der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern war und ist ein wichtiges Kriterium, um gemeinsam notwendige sozialpolitische Themen umzusetzen, erklärt die Präsidentin der Lebenshilfe Niederösterreich, Friederike Pospischil, und gratuliert der neuen Regierung nach der spannenden Landtagswahl: „Es freut mich, dass der Weg des Miteinanders, den Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Vorjahr eingeschlagen hat, weitergeführt wird. Die Lebenshilfe Niederösterreich wird diesen Weg im Sinne der Menschen mit Behinderungen mit großem Einsatz weiter begleiten.“ Für das neue inhaltliche Programm wünscht sich die Präsidentin eine enge Zusammenarbeit und weitere gemeinsame Schritte in die Zukunft: „Wir begrüßen die Initiative des Landes NÖ, mit welcher der Pflegeregress auch für Menschen mit Beeinträchtigung abgeschafft wurde. Ebenso freut es uns, dass sich dies als Bekenntnis zur UN-Konvention in der einen oder anderen Form in den Plänen der Parteien wiederfindet. Wir möchten als Lebenshilfe Niederösterreich aber auf einige zentrale politische Forderungen aufmerksam machen und stehen für einen gemeinsamen Dialog jederzeit zur Verfügung“:

  • Persönliche Assistenz für alle Menschen mit Beeinträchtigung
    Eine Forderung, die auch all jene Menschen mit einschließt, die besachwaltert sind bzw. eine intellektuelle Behinderung haben, erklärt die Präsidentin der Lebenshilfe Niederösterreich, Friederike Pospischil: „Wir wünschen uns eine Ergänzung zu den bisherigen Leistungen, damit die Menschen selbstbestimmt leben können. Bis jetzt gibt es diese Angebote nur für jene, die selbst Anleitungsbefugnis haben, etwa für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Bei Freizeitangeboten oder Ähnlichem sind die Betroffenen daher immer auf Gruppenaktivitäten angewiesen oder aber der Druck lastet auf den Familien. Das muss sich ändern.“
  • Inklusive Bildung: Lebenslanges Lernen für alle zugänglich machen
    Ein umfangreiches Angebot für lebenslanges Lernen für Menschen mit intellektuellen und körperlichen Beeinträchtigungen ist schon lange ein zentrales Anliegen der Lebenshilfe. Nur wenige Institutionen machen hier Angebote. Vorzeigebeispiel ist etwa das Bildungs- und Heimatwerk in St. Pölten. Friederike Pospischil: „Wir fordern konkrete Weiterbildungsangebote und mehr Möglichkeiten in der Erwachsenenbildung. Da gibt es noch viel zu tun. Auch Menschen mit Beeinträchtigung möchten sich weiterbilden, Neues Lernen, zum Beispiel einen Sprach- oder Computerkurs besuchen. Notwendig sind aber auch Kurse im Bereich der Barrierefreiheit.“ Auf der anderen Seite geht es auch um die Neustrukturierung des Schulsystems im Allgemeinen, erklärt die Präsidentin: „Wir wollen quasi eine Sonderschule, die in eine Schule für alle transformiert wird, eine inklusive Schule. Selbstverständlich ist hier dann weiterhin das Wissen der Sonderschullehrer gefragt.“
  • Selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen
    Wo, wie und mit wem man wohnt, sollte die freie und persönliche Entscheidung jedes und jeder Einzelnen sein. Diese Wahlfreiheit ist für Menschen mit Beeinträchtigung bisher jedoch (fast immer) ein unerfüllter Wunsch. Eine Situation, die sich in naher Zukunft ändern muss, betont Friederike Pospischil: „Es sollte zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass die Klienten selbst entscheiden können, in welcher Form sie wohnen möchten, also etwa in einer kleineren WG oder einzeln betreut. Erstmals gibt es beispielsweise ein Pilotprojekt in Wiener Neustadt: Eine kleine Wohngruppe für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und 24-Stunden-Betreuung. Ein Angebot, das sehr nachgefragt wird. Das ist ein guter erster Schritt, dem viele weitere folgen müssen“, so Pospischil.
  • Finanzielle Sicherheit für alle
    Arbeitsleistung muss als solche anerkannt und finanziell abgegolten werden. Dies gilt auch für die Jobs, die von Klienten in den Werkstätten Tag für Tag ausgeführt werden, fordert Friederike Pospischil: „Die nicht vorhandene finanzielle Absicherung ist für Betroffene und deren Familien eine Zumutung. Der Anerkennungsbeitrag von 62 Euro pro Monat ist ein längst überholtes Modell. Die Menschen haben keine Sozialversicherung und keine Pensionsvorsorge, die meisten sind bei ihren Eltern mitversichert. Um gut in die Gesellschaft integriert zu sein, einen eigenen Beitrag auf dem Arbeitsmarkt zu leisten und für sich sorgen zu können, muss die Arbeit in den Werkstätten auch als solche anerkannt und adäquat abgegolten werden.“
  • Bedarfsgerechte Unterstützung, auch im Alter
    In einer vertrauten Umgebung alt werden zu können, ist der Wunsch fast jedes Menschen. Dieses Angebot soll daher auch für Menschen mit Beeinträchtigungen möglich sein, so die Präsidentin: „Eine entsprechende individuelle Unterstützung, um etwa in der eigenen Wohnung bleiben zu können und dort betreut zu werden, ist nicht nur eine menschlich notwendige, sondern vor allem auch gesellschaftspolitische Forderung.“

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