- 16.01.2018, 12:55:12
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ÖAMTC zu Abgastests beim Pickerl: Computer-Diagnose zuverlässiger als Endrohrmessung
Kritik zeugt von Unwissenheit, Endrohrmessung kann Motorschäden verursachen
Utl.: Kritik zeugt von Unwissenheit, Endrohrmessung kann
Motorschäden verursachen =
Wien (OTS) - Hohe Wellen schlägt derzeit eine geplante Änderung bei
der Pickerl-Überprüfung: Im Zuge einer Novelle der Prüf- und
Begutachtungsstellen-Verordnung soll die Endrohrmessung für bestimmte
Fahrzeuge durch moderne Prüfmethoden ersetzt werden. Die gestern von
Greenpeace und anderen geäußerte Kritik an dieser Umstellung zeugt
jedoch von technischer Unwissenheit. "Bei der §57a-Überprüfung wurden
bisher mittels Endrohrmessung lediglich Feinstaubwerte, jedoch keine
NOx-Werte gemessen. Bei dieser Form der Überprüfung ist technisch
auch nicht mehr möglich. Und für die Überprüfung des Abgassystems ist
die Onboard-Diagnose bei modernen Fahrzeugen wesentlich genauer",
stellt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung,
klar. Von einem Rückschritt bei der Überwachung der Einhaltung von
Abgasnormen kann also nicht die Rede sein. "Bei neueren Fahrzeugen
ist die Überwachung der Motorelektronik und der Abgasnachbehandlung
so weit entwickelt, dass mögliche Fehler durch eine Computer-Diagnose
bereits erkannt werden können, bevor sie bei einer Abgasprüfung
auffallen."
Konkret soll mit der Novelle der Prüf- und
Begutachtungsstellen-Verordnung bei Fahrzeugen der Klassen Euro 5 und
Euro 6 die Funktionsfähigkeit des Abgassystems mit Hilfe der
Onboard-Diagnose bestimmt werden statt wie derzeit mit einer
Endrohrmessung. Die Onboard-Diagnose ist nicht nur die modernere
Prüfmethode, sondern hat auch den Vorteil, dass es nicht mehr zu
Motorschäden kommt. "Bei der Endrohrmessung läuft das Fahrzeug ohne
eingelegten Gang einige Sekunden auf Vollgas. Für den Motor ist das
eine Extrembelastung, und leider gibt es immer wieder Motoren, die
das nicht aushalten", bedauert der ÖAMTC-Vertreter. Pro Jahr hat der
ÖAMTC etwa 20 Fälle, bei denen es beim Abgastest im Rahmen der
Pickerl-Überprüfung zu einem Motorschaden kommt. Auf den Kosten
bleibt, weil von niemandem ein Fehlverhalten vorliegt, im Normallfall
der Fahrzeugeigentümer sitzen. "Die geplante Gesetzesnovelle, die
übrigens bereits von Jörg Leichtfried in Begutachtung geschickt
wurde, bietet nun zumindest für 40 Prozent der Fahrzeuge – also Euro
5 und Euro 6-Bestand – eine moderne Prüfmethode, die derartige
Schäden ausschließt", begrüßt der Leiter der
ÖAMTC-Interessenvertretung die Neuerungen ausdrücklich.
Große Unterschiede von Abgasmessungen bei Pickerl und am
Rollenprüfstand
Im Übrigen muss klargestellt werden, dass zwischen der Abgasmessung
beim Pickerl und der Abgasmessung am Rollenprüfstand technisch große
Unterschiede bestehen. "Ziel der Pickerl-Überprüfung ist es, defekte
Bauteile aufzufinden. Ziel der Abgasmessung am Rollenprüfstand ist
es, den konstruktionsbedingten Abgasausstoß exakt zu bestimmen",
stellt der Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung klar.
ÖAMTC - Fakten zur Messung von Stickoxiden (NOx)
* Stickoxide entstehen erst bei erhöhter Motorlast, also
beispielsweise bei Beschleunigungen oder Bergfahrten. Erhöhte
Leistungsanforderungen können auf einem Rollprüfstand simuliert
werden. Somit kann dann ein realistischer NOx-Ausstoß bestimmt
werden.
* Bei der Endrohrmessung im Rahmen der §57a-Überpüfung wird der Motor
ohne Belastung auf hohe Touren gebracht. Dabei kann kein
realistischer NOx-Wert gemessen werden. Es wird lediglich der
Partikel-Ausstoß bestimmt.
* Eine Messung des Stickoxidausstoßes erfolgt im Zuge des
Genehmigungsverfahrens von neuen Fahrzeugmodellen.
* Seit der jüngsten Reform der EU-Typengenehmigungs-Regeln werden
auch Bestandsfahrzeuge verstärkt überprüft. Diese Tests führen alle
EU-Länder stichprobenartig für alle genehmigten Fahrzeuge durch.
Dabei wird mit einem erneuten Test am Rollenprüfstand die Einhaltung
der Abgas-Grenzwerte überprüft.
* Die von der VW-Dieselaffäre betroffenen Fahrzeuge haben den
Rollenprüfstandtest erkannt und den Schadstoffausstoß darauf
angepasst. Wäre im Rahmen der §57a-Überprüfung ebenfalls ein
Rollenprüfstandtest durchgeführt worden, hätte dieser keine negativen
Ergebnisse gebracht.
* Eine Einführung von Rollenprüfstandtests im Rahmen der
§57a-Überprüfung ist mit einem vertretbaren Aufwand nicht
realisierbar. Die TU Wien verrechnet für einen Test pro Fahrzeug ca.
10.000 Euro.
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