Diabetesversorgung 4.0 in Tirol

Engmaschiges Versorgungsnetz und moderne Telemedizin in Modellregion Landeck

Innsbruck (OTS) - Der Bezirk Landeck ist der Zeit voraus: In dieser Modellregion werden DiabetespatientInnen auf Basis der Telemedizin versorgt. Eine spezielle Handy-App macht es möglich, regelmäßig die Blutzuckerwerte mit weiteren Daten von zu Hause aus, unabhängig vom Wohnort, an das überwachende Krankenhaus in Zams elektronisch zu senden.

„Mehr Lebenszeit, mehr Lebensqualität, weniger Folgeerkrankungen, weniger Pflegebedarf und insgesamt viel weniger Patientenleid“, so stellte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg die zukunftsorientierte Lösung DiabCare Tirol“ vor - gemeinsam mit den Projektpartnern Krankenhaus Zams, Tirol Kliniken, Tiroler Gebietskrankenkasse sowie AIT Austrian Institute of Technology und Landesuniversität UMIT. Nach den Projekten Behandlungspfad Schlaganfall und e-Medikation ist der Bezirk Landeck neuerlich Pilotbezirk in einem für die Gesundheitsversorgung wichtigen Vorhaben.

Bis jetzt wurden 65 PatiententInnen zur telemedizinischen Betreuung eingeschrieben: Für sie bringt das eine deutlich erhöhte Versorgungsqualität mit sich. „Voraussetzung dafür ist ein starkes und engagiertes Netzwerk, das sich aus dem Team der Stoffwechselambulanz des Krankenhauses Zams, vier Diätologinnen und vier in der Region niedergelassenen Ärzten zusammensetzt“, berichtete LR Tilg bei der Pressekonferenz in Zams. Diese Zusammenarbeit erfolgt berufsgruppenübergreifend. Eine kontinuierliche Begleitung der PatientInnen ist gewährleistet. „Mit der Telemedizin haben wir eine geeignete Antwort gefunden, um die Diabetes-PatientInnen vor dem vorzeitigen Tod und schweren Folgeerkrankungen wie Erblindung, Amputation oder Nierenversagen zu schützen!“

Geeignete PatientInnen der Stoffwechselambulanz werden in die einfache Bedienung der vom AIT entwickelten Handy-App eingewiesen. Diese übermitteln in der Folge ihre Gesundheitswerte regelmäßig an das Krankenhaus Zams. Sobald der Blutzuckerwert eine „Vorwarnstufe“ erreicht, schaltet das Spital automatisch den Arzt und die Diätologin ein. Sie setzen sich mit den betroffenen PatientInnen in Kontakt, um die Diabeteseinstellung gemeinsam wieder zu verbessern. Das ist ein weiteres Tiroler Projekt, das in Österreich und in Europa als Vorreiter in der Anwendung von Telegesundheitsdiensten gesehen werden kann.

Auch Werner Salzburger, Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse, gewinnt Diabcare Tirol nur positive Seiten ab: „Neben Therapie aktiv sichert diabcare die Diabetesversorgung für Betroffene in Tirol. Durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens sind wichtige, neue Erkenntnisse möglich, die nicht nur für das österreichische Gesundheitswesen, sondern auch international vollkommen neue Maßstäbe für das Therapiemanagement setzen.“

Univ.-Prof. Monika Lechleitner, ärztliche Direktorin des Landeskrankenhauses Hochzirl-Natters, gilt als führende Expertin für Stoffwechselerkrankungen: „Diabetes im Alter erhöht den Pflegebedarf und senkt gleichzeitig die Lebenserwartung. Normalerweise haben heute 50-Jährige noch rund 30 Jahre vor sich. Die Lebenserwartung von DiabetikerInnen in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen ist jedoch um acht Jahre verringert. Außerdem führt Diabetes im Alter zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Erblindung, Dialysepflicht, Tumorbildung und nicht zuletzt Demenz. Das Risiko, die Selbstversorgungsfähigkeit zu verlieren, ist bei dieser Erkrankung höher. Das Netzwerk von DiabCare Tirol verhilft den PatientInnen zu einer wirksamen Verringerung dieser Risikofaktoren.“

Der Internist Hans-Robert Schönherr ist am Krankenhaus Zams medizinischer Leiter von DiabCare Tirol: „Nach dem Überspielen der medizinischen Daten über die Handy-App können wir bei Bedarf sofort reagieren und die PatientInnen entsprechend beraten. Dies geschieht auf der Grundlage eines Netzwerkes, in dem auch die niedergelassenen Ärzte eingebunden sind. Diese Telemedizin hat besondere Bedeutung für die Betreuung von Diabetes-PatientInnen in abgelegenen ländlichen Gebieten: Schon im Vorfeld vor ernsten Erkrankungen mit kostenintensiven Folgeschäden wird gehandelt.“

Elske Ammenwerth, Institutsleiterin der Medizinischen Informatik an der Landesuniversität UMIT, hat die Zufriedenheit und den Patientennutzen dieser telemedizinischen Versorgung anhand von TestpatientInnen wissenschaftlich untersucht: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Betroffenen die Versorgung in DiabCare sehr schätzen und auch ihre Lebensqualität als deutlich besser empfinden. Vor allem motiviert die engmaschige Betreuung auch, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten und die notwendigen Messungen regelmäßig durchzuführen.“

Gerlinde Kätzler ist als Generaloberin der Barmherzigen Schwestern in Zams Eigentümervertreterin des Krankenhauses Zams. Sie hielt gemeinsam mit Geschäftsführer Bernhard Guggenbichler fest: „Es freut uns sehr, dass das Krankenhaus St. Vinzens in Zams im Vorhaben DiabCare des Landes Tirol und der TGKK eine federführende Rolle einnimmt. Die bestmögliche Versorgung der Diabetes-PatientInnen im Rahmen unserer Spitalsambulanz und der niedergelassenen Ärzte in der Region ist unser gemeinsames Ziel! Das Krankenhaus Zams ist mit gut 800 MitarbeiterInnen tagtäglich um eine hochqualitative medizinische Versorgung äußerst bemüht und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung in Tirol.“

Telegesundheitsdienste als digitale Infrastruktur zur Unterstützung von innovativen Versorgungs- und Disease Management Programmen wie DiabCare Tirol weisen den Weg in die digitale Zukunft des Gesundheitssystems. Von stationär zu ambulant zu virtuell wandeln sich die statischen Behandlungsprozesse zu patientenorientierten dynamischen Versorgungsprozessen rund um die eingebundenen aktiven PatientInnen. Auf Basis einer speziellen Telehealth-Plattform, die am AIT entwickelt wurde, laufen bereits äußerst erfolgreiche Projekte. Diese können in Österreich und in Europa als Vorreiter in der Anwendung von Telegesundheitsdiensten gesehen werden.

Factbox: Diabetes

Alle 50 Minuten verstirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen von Diabetes, das sind 10.000 Personen jährlich. Herzinfarkt und Schlaganfall sind bei DiabetikerInnen viermal so häufig wie bei NichtdiabetikerInnen. Jedes Jahr werden in Österreich 300 PatientInnen mit Diabetes dialysepflichtig, das sind 26 Prozent aller Dialysen. Wegen Diabetes müssen jährlich 2.500 Amputationen vorgenommen werden, das sind 62 Prozent aller nichttraumatischen Amputationen. Jedes Jahr erblinden 200 Personen als Folge von Diabetes. Die direkten Kosten von Diabetes und seiner Folgekrankheiten werden in Österreich auf 4,3 Milliarden Euro geschätzt.

Factbox: Telemedizin und Digitalisierung – Telegesundheitsdienste in Tirol

HerzMobil-Tirol

  • Umsetzung erfolgt in Kooperation zwischen Tirol Kliniken, AIT, TGKK, UMIT, Tiroler Ärztekammer und Land Tirol
  • Telemonitoring-Betreuung von PatientInnen mit Herzinsuffizienz
  • Start mit der Patienteneinschreibung seit 2013 als Pilotprojekt, seit Juli 2017 Einsatz in der Regelversorgung
  • Betreuung der PatientInnen in ihrer häuslichen Umgebung durch mobile HI-Schwestern und HI-Pflegepersonen
  • Bis jetzt wurden insgesamt etwa 170 PatientInnen eingeschrieben

DiabCare-Tirol

  • Umsetzung erfolgt in Kooperation zwischen Tirol Kliniken, AIT, UMIT und Land Tirol
  • Telemonitoring-Betreuung von PatientInnen mit Diabetes • Start mit der Patienteneinschreibung seit 2016 als Pilotprojekt an den Tirol Kliniken (Diabetes Ambulanz Innsbruck), ab August 2017 Erweiterung und Einbindung des Krankenhaus Zams
  • Betreuung der PatientInnen über Telemonitoring durch Diabetes-ÄrztInnen, Diabetes-Schwestern und Diabetes-Pflegepersonen
  • Bis jetzt wurden insgesamt 65 PatientInnen eingeschrieben

Bluthochdruck-Tirol

  • Umsetzung erfolgt in Kooperation zwischen Tirol Kliniken, AIT, VAEB, Innsbrucker Verkehrsbetrieben und Land Tirol
  • Telemonitoring-Betreuung von PatientInnen mit Bluthochdruck
  • Start mit der Patienteneinschreibung ab September 2017 als Pilotprojekt beim Gesundheitszentrum der VAEB derzeit zwölf Patienten
  • Betreuung der PatientInnen über Telemonitoring durch eine Mitarbeiterin des Gesundheitszentrums der VAEB

 


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