- 21.12.2017, 13:38:47
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Kindergarten-Studie – StR Czernohorszky: „Nehmen Ergebnisse sehr ernst!“
Handlungsbedarf im Bereich Sprachförderung, Religion und interkulturelle Kompetenz
Utl.: Handlungsbedarf im Bereich Sprachförderung, Religion und
interkulturelle Kompetenz =
Wien (OTS) - Die heute präsentierte Studie „Pluralität in Wiener
Kindergärten und Kindergruppen unter besonderer Berücksichtigung von
sogenannten ‚islamischen‘ Einrichtungen“ wird von der Stadt Wien
„sehr ernst genommen“, betonte heute der Wiener Bildungsstadtrat
Jürgen Czernohorszky. „Wir sind froh, dass die Ergebnisse der lang
erwarteten Studie endlich auf dem Tisch liegen. Wien war es ein
großes Anliegen, dass dieses wichtige Thema wissenschaftlich fundiert
aufgearbeitet wird, um auf der Grundlage von Fakten diskutieren zu
können. Ich danke den WissenschafterInnen für die umfassende, sehr
differenzierte Sicht der Dinge, die für uns ein wichtiges Feedback
für unsere Arbeit mit den Wiener Kindergärten darstellt.“
„Ich habe mich immer dazu bekannt, genau hinzuschauen und alle
schwarzen Schafe im Bereich der Wiener Kindergärten zu finden“, so
Czernohorszky. „Wir haben hier auch bereits gehandelt, die Kontrollen
verstärkt, erst vor kurzem das Wiener Kindergartengesetz adaptiert
und einen Leitfaden ‚Ethik im Kindergarten. Vom Umgang mit
Religionen, Weltanschauung und Werten‘ entwickelt. Es freut mich,
dass diese Maßnahmen in der Studie positiv gewertet werden - das ist
auch eine wichtige Unterstützung für den Weg, den wir in Wien
eingeschlagen haben.“ Wesentlich sei in diesem Zusammenhang auch die
Feststellung der WissenschafterInnen, „dass keine Belege für
islamische Indoktrinierung in den Wiener Kindergärten gefunden werden
konnten.“
Insgesamt sei der Umstand, dass nicht nur eine Studie, sondern
auch eine weitere Arbeit eingelangt sei, „ungewöhnlich und auch
vertraglich nicht vereinbart“, so Czernohorszky. „Die beiden Arbeiten
unterschieden sich im Zugang zu den Forschungsfragen und in der
Nachvollziehbarkeit sehr deutlich. Die unterschiedlichen Zugänge
bedingen auch, dass die beiden Werke jeweils eine sehr
unterschiedliche allgemeine Aussagekraft haben. Das ist offenbar auch
der Grund dafür, warum es keine gemeinsame Conclusio des
Forscherteams gibt, was sehr schade ist.“
Herausforderungen bei der Sprachförderung
Der Blick auf die Ergebnisse zeige ganz klar: „Wien hat bereits
wichtige Schritte gesetzt, aber es gibt darüber hinaus
Herausforderungen und auch Handlungsbedarf“, so Jürgen Czernohorszky.
„Und zwar Handlungsbedarf, der über die bereits jetzt erfolgten
Maßnahmen hinausgeht.“ Viele Herausforderungen beträfen aber nicht
nur sogenannte „islamische“ Kindergärten in Wien, sondern auch andere
Kindergärten. „Wesentlich ist für mich in diesem Zusammenhang aber
auch, dass die tausenden PädagogInnen in den Wiener Kindergärten und
die MitarbeiterInnen der MA10 und MA11 schon jetzt sehr intensiv und
engagiert darum bemüht sind, die Herausforderungen vor Ort
bestmöglich zu bewältigen. Sie werden künftig weitere Unterstützung
und Ressourcen von Stadt und Bund benötigen, um die wachsenden
Anforderungen erfüllen zu können.“
Ein wichtiges Thema sei die Sprachförderung: „Hier gibt es ganz
offensichtlich einiges zu tun. So wird die Vermittlung der deutschen
Sprache zwar als sehr wichtig erachtet, nur fehlt es oft an den
notwendigen Ressourcen, um dies auch wirklich fachgerecht
umzusetzen“, so Czernohorszky. Auch das Thema Mehrsprachigkeit müsse
weiter an Bedeutung gewinnen: „Denn nur wer sich in seiner
Erstsprache gut ausdrücken kann, wird das auch in jeder neu erlernten
Sprache schaffen. Wir müssen Mehrsprachigkeit bei Kindern und
PädagogInnen auch als wertvolle Ressource und Chance begreifen.“
Mit den Ergebnissen des sogenannten „Forschungskindergartens“ habe
Wien bereits vor Jahren wertvolle Erfahrungswerte zum Thema
Spracherwerb gesammelt, die auch in die Arbeit vor Ort eingeflossen
seien. So habe man beispielsweise wissenschaftlich fundierte
Standards zur sprachlichen Bildung erstellt und die Bedeutung der
„Erstsprache“ in den Vordergrund gerückt. „In den Vorgaben für die im
Kindergarten tätigen SprachförderInnen ist ausdrücklich festgehalten,
dass Kinder in ihrer umfassenden sprachlichen Kompetenz und
Ausdrucksmöglichkeiten wahrgenommen werden müssen und eine
sprachanregende Umgebung geschaffen werden muss“, so Czernohorszky.
„Zusammenfassend kann man hier sagen: Das Know How ist vorhanden, wir
müssen es noch zusätzlich verstärkt in die Wiener Kindergärten
bringen und genügend Ressourcen für die Umsetzung bereitstellen.“
Interessant ist beim Thema Sprachförderung aber auch der
österreichweite Vergleich: So schneidet Wien bei der jüngsten
Evaluierung der sprachlichen Frühförderung durch den
Integrationsfonds im Auftrag des Integrationsministeriums am besten
von allen Bundesländern ab. „In Wien brauchten 50 Prozent der
sprachlich geförderten Kinder innerhalb eines Kindergartenjahres
keine weitere Sprachförderung mehr, im ÖVP-regierten Niederösterreich
waren es beispielsweise 45“, so Czernohorszky. „Wir gehen also
bereits in die richtige Richtung, müssen unsere Anstrengungen in
diesem Bereich aber verstärken und ausbauen!“
Herausforderung „interkulturelle Kompetenz“
Ein weiteres wichtiges Thema, das von den WissenschafterInnen
angesprochen wurde, ist „interkulturelle Kompetenz“: „Das ist eine
Kompetenz, die sowohl bei den zuständigen InspektorInnen, aber auch
bei allen PädagogInnen in den Kindergärten vorhanden sein muss“, so
Czernohorszky. „Wien ist als Großstadt und Ballungsraum eine Stadt
der Vielfalt – das spiegelt sich auch in unseren
Bildungseinrichtungen wider. Die Erhebungen der ForscherInnen zeigen
aber, dass dieser Umstand nicht immer als positive Ressource
wahrgenommen und gelebt wird.“ Das betreffe nahezu alle Bereiche im
Kindergartenalltag – angefangen von der Sprache und Kommunikation
untereinander, über das Essen bis hin zum gemeinsamen Feiern von
Festen.
Deshalb werde Wien einen Bildungs- und Weiterbildungsschwerpunkt
„Interkulturelle Kompetenz“ für PädagogInnen und InspektorInnen
setzen. „Wir werden das jedenfalls an unserer stadteigenen
Bildungsanstalt für Elementarpädagogik bafep21 machen, insgesamt ist
aber auch der Bund gefordert, dies wäre für alle
Bildungseinrichtungen ein wichtiges Thema“, so Jürgen Czernohorszky.
Religion im Kindergarten
Im Bereich der Religionsvermittlung habe Wien mit dem Leitfaden
„Ethik im Kindergarten. Vom Umgang mit Religionen, Weltanschauung und
Werten“ einen ersten Schritt gesetzt – „dennoch gibt es auch bei
diesem Thema Dinge, um die wir uns kümmern müssen“, betonte der
Bildungsstadtrat. „PädagogInnen benötigen kultur- und
religionspädagogische Kompetenzen für den Umgang mit Kindern und
Eltern.“
Für den Bereich der Religionspädagogik im elementarpädagogischen
Bereich gebe es zB. bei der St. Nikolausstiftung bereits sehr gute
Konzepte – das sei auch in der Studie erwähnt. „Wichtig wäre, auch
andere Religionsgemeinschaften zu motivieren, einen
religionspädagogischen Rahmenplan zu entwickeln. Hier ist auch die
Islamische Glaubensgemeinschaft gefordert. Wir werden dazu einen
runden Tisch mit Trägern, die gute best practice-Modelle haben, und
den Religionsgemeinschaften machen. Von jenen zu lernen, die hier
bereits gute Erfahrungen haben, halte ich für den richtigen Weg.“
Konkrete nächste Schritte
Insgesamt wird die Stadt die Schlüsse aus den Ergebnissen der
Studie im ersten Quartal des nächsten Jahres konkretisieren und mit
den ForscherInnen beraten. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem
folgende Themenfelder:
- Die Sprachförderung in den Wiener Kindergärten – ob städtisch oder
privat – muss verbessert werden - das betrifft sowohl die Vermittlung
des bereits vorhandenen Know Hows, als auch die Ressourcen, die
derzeit dafür zur Verfügung stehen. Wichtige, bereits vorhandene
Erkenntnisse – wie jene aus dem Forschungskindergarten – müssen dabei
einfließen. Hier muss vor allem in der Weiterbildung der PädagogInnen
angesetzt werden.
- Die interkulturelle Kompetenz in den Kindergärten muss weiter
gestärkt werden. Bereits jetzt gibt es im Rahmen der MA10-internen
Fort- und Weiterbildungen Angebote zu diesem Thema (Interkulturelle
Kompetenz, Zusammenarbeit mit Eltern aus anderen Kulturen etc.). Wien
wird nun darüber hinaus den Ausbildungsschwerpunkt „Interkulturelle
Kompetenz“ an der stadteigenen Bildungsanstalt für Elementarpädagogik
bafep21 setzen. Insgesamt ist aber der Bund gefordert, weil
interkulturelle Kompetenz für alle Elementarpädagogische
Ausbildungseinrichtungen ein wichtiges Thema ist.
- Angelehnt an den LehrerInnen-Grundkompetenzen-Hub des
Stadtschulrates ist eine ähnliche Einrichtung - also ein
PädagogInnen-Kompetenzzentrum - auch für die Elementarpädagogik
vorstellbar. Spracherwerb und interkulturelle Kompetenz könnten hier
die Schwerpunkte sein.
- Die Frage, wie Religion in den Wiener Kindergärten vermittelt wird,
muss weiter konkretisiert werden. Dazu bedarf es der Entwicklung von
religionspädagogischen Rahmenplänen für alle Religionen. Es wird
einen runden Tisch mit den Religionsgemeinschaften, insbesondere auch
der Islamischen Glaubensgemeinschaft, geben, wo es auch um bereits
vorhandene best practice-Modelle von großen Kindergartenträgern gehen
wird.
- Zum Thema Kontrolle: Insgesamt hat die Stadt die Kontrollen bereits
intensiviert und verstärkt. In der Studie kommt auch klar zum
Ausdruck, dass die Behörde engmaschig kontrolliert und genau
hinschaut – einiges davon wird auch zu evaluieren sein. Bei den
Kontrollen gibt es auch Handlungsbedarf, insbesondere was das
Qualitätsmanagement und auch eine detaillierte Bilanz betrifft, die
auch öffentlich präsentiert werden soll.
- Die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Kindergarten und Behörde
muss gestärkt werden. Gerade beim Thema „Neues Kindergartengesetz“
gibt und gab es bereits ein umfassendes Informationsangebot der MA11
an die Trägerorganisationen, das positiv aufgenommen wurde. Dieser
Austausch auf Augenhöhe muss nicht nur beibehalten, sondern ausgebaut
werden.
- Insgesamt gibt es aber auch Dinge, wo der Bund gefordert ist: Das
betrifft beispielsweise das Curriculum für die
PädagogInnenausbildung, wo Spracherwerb, aber auch Interkulturelle
Kompetenz verstärkt eingebunden werden sollte. Von zentraler
Bedeutung wären jedenfalls mehr Mittel für die Sprachförderung.
- Weiters ist auch die Kontrolle und Recherche von Hintergründen von
Vereinen eine wesentliche Aufgabe des Bundes, die klarer und
umfassender geregelt werden sollte.
(Schluss)
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