Echte Primärversorgung braucht eine Kapazitätsausweitung und keine Umsiedlung von Ärzten

Primärversorgungszentren sind reine Augenauswischerei, die weder den Ärztemangel abfangen noch die Versorgung verbessern können

Sankt Pölten (OTS) - Primärversorgungszentren sind reine Augenauswischerei, die weder den Ärztemangel abfangen noch die Versorgung verbessern können„Wenn man die derzeitige Diskussion rund um die neuen Primärversorgungszentren verfolgt, könnte man meinen, dass nur realitätsferne Theoretiker am Werk sind“, so die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete (Liste Frank) Dr. Gabriele Von Gimborn, MPH. „Denn die Argumentation, dass man durch bloße Umsiedlung und Zusammenlegung von Ordinationen auf einmal die ärztliche Tätigkeit deutlich ausweiten könnte und auch mehr Zeit für das ärztliche Gespräch habe, ist schon sehr gewagt. Erstaunlich ist jedoch, dass mittlerweile auch Ärztekammerfunktionäre diesen Unfug von sich geben.“

Mit der Primärversorgung neu sollen mehrere Hausarztordinationen ohne Erweiterung der Stellenanzahl zusammengelegt werden, wobei lediglich die Öffnungszeiten künstlich auf 50 Wochenstunden verteilt werden sollen. „Das bedeutet dann, dass die Menschen nicht mehr in größerem Ausmaß zu den sinnvollen Zeiten Montagvormittag und Freitagvormittag zum Arzt gehen können, sondern dass die Behandlungen über die Woche gleichmäßig verteilt werden. Der Sinn dieser Einschränkung für die Patienten hat sich mir bisher noch nicht erschlossen“, so Dr. Von Gimborn weiter.

Patientenzahl reduziert sich nicht, wenn man Ordinationen zusammenlegt

Der durchschnittliche Hausarzt in Niederösterreich versorgt 2.000 Menschen und hat dabei fast 1.300 Patientenkontakte pro Monat. „Damit ist die Kapazitätsgrenze längst erreicht, man braucht sich über die viel zitierte Fünf-Minuten-Medizin nicht zu wundern.“ Doch die Funktionäre von Kassen und Kammern scheinen anders zu rechnen: „Wenn ein Arzt derzeit pro Patient fünf Minuten zur Verfügung hat, dann braucht man aus ihrer Sicht anscheinend nur drei Ordinationen zusammenzulegen, und schon hat man 15 Minuten Zeit pro Patient. Sie vergessen dabei, dass sich die Zahl der Patienten nicht reduziert, auch wenn man Ordinationen zusammenlegt“, zeigt sich Dr. Von Gimborn entsetzt.

Daher braucht Primärversorgung aus ihrer Sicht keine realitätsferne, an kommunistische Zeiten mit Mangelwirtschaft erinnernde Zentren. „Wir brauchen einen ordentlichen Kassenvertrag mit einem modernen, kostendeckenden Leistungskatalog sowie freie Hand bei ärztlichen Kooperationen.“ Es handelt sich somit nach Ansicht von Dr. Von Gimborn bei der neuen Primärversorgung um reine Augenauswischerei ohne Zusatzkapazitäten, die für viele Patienten erhebliche Einschränkungen mit sich bringen wird.

Primärversorgungsgesetz sollte noch einmal überdacht werden

„Und genau das wird die Ambulanzen nicht entlasten, sondern sogar im Gegenteil. Wenn wir sinnvolle Primärversorgung haben wollen, dann müssen wir nur die Anzahl der Hausärzte erhöhen und diesen ordentliche Arbeitsbedingungen bieten. Alles andere würde sich von alleine im Sinne der Patienten regeln.“ Ein Argument, dass Ärzte nicht mehr alleine freiberuflich arbeiten wollen, ist aus Sicht von Dr. Von Gimborn eine Mär, was die Anzahl der Wahlärzte eindrucksvoll beweist. „Und im Bereich der nicht-ärztlichen Leistungen bieten die Primärversorgungszentren auch nicht mehr, als man problemlos in Ordinationen anbieten könnte. Wenn die Verantwortlichen nur wollten.“

Dr. Von Gimborn hofft, dass die neue Bundesregierung das Primärversorgungsgesetz noch einmal überdenkt und zugunsten sinnvollerer Projekte einstellt. „Die neue Gesundheitsministerin Mag. Beate Hartinger kann rechnen und ist hoffentlich anderen Alternativen gegenüber aufgeschlossen.“ Grundvoraussetzung für sinnvolle Reformen mit dem Ziel der Versorgung am „Best Point of Service“ ist jedoch die Finanzierung aus einer Hand. „Mit der geplanten Kassenzusammenlegung wird man dieser schon ein kleines Stück näherkommen.“

 

 

 


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