Studiengebühren gefährden das Kunst- und Kulturland Österreich

Kunst ist global, nicht lokal - Hochschulvertretungen warnen vor dem Verlust der Interkulturalität

Wien/Graz/Salzburg/Linz (OTS) - Die Hochschüler_innenschaften der österreichischen Kunstuniversitäten lehnen die geplante Einführung von Studiengebühren von Grund auf ab. An Kunstuniversitäten sind laut der Studierenden Sozialerhebung 2015 überdurchschnittlich viele Studierende (41%) von finanziellen Schwierigkeiten betroffen.

Bereits jetzt leben viele Studierende in einer sehr prekären finanziellen Situation an und unter dem Existenzminimum. Künstlerischer Idealismus lässt sich nicht immer mit finanziellem Erfolg vereinbaren. Viele Studierende könnten deshalb bereits jetzt ohne Stipendien der Universitäten und der Hochschüler_innenschaften nicht in Österreich studieren.

„Eine Einführung bzw. Erhöhung der Studiengebühren würde all jenen Studierenden, die jetzt schon an und unter der Armutsgrenze sind, das Leben unnötig weiter erschweren. Die Folgen davon sind absehbar: Deutlich weniger Studierende aus Drittstaaten werden an unseren Kunstuniversitäten studieren. Das sind Studierende, die Österreich wegen seines guten Rufes als Kunst- und Kulturland für das Studium ausgewählt haben, und die diesen Ruf und die in Österreich gelernte Expertise wieder in die Welt tragen“, meint etwa Kinga Schleicher, Vorsitzende der Hochschüler_innenschaft an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (hmdw).

Jakob Hofbauer, der Vorsitzende der Studienvertretung an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz meint: „Kunst und Bildung bewahren und stiften die österreichische kulturelle Identität, entwickeln diese laufend weiter und ermöglichen Kommunikation, Reflexion, Vision, Integration, ein Sich – Wiederfinden, ein Zusammenfinden und die Verfeinerung des Umgangs miteinander.“

Willi Hejda vom Vorsitzteam der Hochschüler_innenschaft der Akademie der Bildenden Künste Wien: „Studiengebühren verschärfen den Zugang zu oft ohnehin schon zugangsbeschränkter und damit elitärer Bildung. Genau das scheinen ÖVP und FPÖ bezwecken zu wollen und gut zu finden. Wir fordern den kostenlosen und zugangsbefreiten Bildungszugang für alle. Kunst und Kultur sind auch Mittel politischer Artikulation. Im Angesicht dieser Regierung ist es angebracht, kreatives und kulturelles Schaffen auf solidarisches Miteinander auszurichten. Es braucht gesellschaftliche Gegenpunkte zur aufkommenden Regierung.“

„Höhere und flächendeckende Studiengebühren bedeuten gleichzeitig so gut wie keine soziale und internationale Diversität mehr. Diese darf an einer Kunstuniversität mit derzeit ca. 70 Nationen aber nicht fehlen“, so Ivan Trenev, Vorsitzender der österreichischen HochschülerInnenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.

Die Hochschüler_innenschaften der österreichischen Kunstuniversitäten geben auch zu bedenken, dass  Austausch und Vernetzung vielfältiger kultureller und sozialer Positionen, gerade aber nicht nur im Kunst- und Kulturbereich unabdinglich ist, da eine echte und nachhaltige Inspiration nur durch vielfältige Einflüsse geschehen kann. Einseitigkeit führt gerade im Kunst- und Kulturbereich zu einem Stillstand, der auf lange Sicht die Stellung Österreichs als Kulturnation in Europa gefährden könnte.

Rückfragen & Kontakt:

Hochschüler_innenschaft an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (hmdw)
Kinga Schleicher, Vorsitzende
+43 660 68 29 127
hmdw-vorsitz@mdw.ac.at

Hochschüler_innenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (ÖH-KUG)
Ivan Trenev, Vorsitzender
+43 664 88 79 86 13
oeh-vorsitz@kug.ac.at

ÖH Mozarteum Salzburg
Franziska Wallner, Vorsitzende
+49 1577 41 08 676
vorsitz@oeh-mozarteum.at

Hochschüler_innenschaft an der Akademie der bildenden Künste Wien (ÖH Akbild)
Wilhelm Hejda, Vorsitzender
+43 699 10 25 15 61
oehvorsitz@akbild.ac.at

Hochschüler_innenschaft – Universität für angewandte Kunst Wien (hufak)
Ramona Rieder, Vorsitzende
+43 680 14 60 325
vorsitzteam@hufak.net

Studierendenvertretung (StuV) der Anton Bruckner Privatuniversität Linz
Jakob Kajetan Hofbauer, Vorsitzender
+43 650 35 44 491
stuv@bruckneruni.at

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