PK: Präsentation des Berichtes "Antiziganismus in Österreich"

Die große Anzahl an Fällen und die schnelle und weite Verbreitung von Botschaften sind in diesem Bereich eine besondere Herausforderung. Betroffene wissen oft nicht um die Möglichkeiten gegen diese Art der Hetze vorzugehen. Genau hier setzt unsere Beratungsstelle #GegenHassimNetz an: Wir informieren Betroffene über ihre Möglichkeiten und unterstützen sie in der weiteren Vorgehensweise.
Claudia Schäfer, Geschäftsführerin von ZARA
Es ist sehr schwierig, Aufklärungsarbeit gegen Antiziganismus und Diskriminierung zu leisten, wenn eine antiziganistische Haltung von PolitikerInnen oder den Medien provoziert wird.
Mirjam Karoly, Romano Centro
Wir brauchen wesentlich mehr Sensibilisierungsmaßnahmen in Schulen und für Berufsgruppen wie Medienschaffende, Lehrpersonen, SozialarbeiterInnen, Polizeibeamte oder Angestellte der Verwaltung. Von großer Wichtigkeit ist auch die Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte der Roma/Romnja und Möglichkeiten für die Bevölkerung, darüber Informationen zu erhalten.
Irina Spataru, Romano Centro

Wien (OTS) - Der Verein Romano Centro präsentiert am 14. Dezember 2017 den dritten Bericht zu Antiziganismus in Österreich. Er enthält 55 antiziganistische Vorfälle aus den Bereichen Medien, Politik, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, Polizei, öffentlicher Raum, Arbeitswelt und Bildung. Sie reichen von Beleidigungen bis zu gewalttätigen Übergriffen.

„Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Problem. In den letzten Jahren sehen wir europaweit ein Zunehmen rassistischer Rhetorik von Politikern, die damit ihre Popularität beim Wahlvolk erhöhen und gleichzeitig Antiziganismus verbreiten und legitimieren“, sagt Mirjam Karoly von Romano Centro, und erläutert weiter: „Wir begrüßen, dass die Republik Österreich die Bekämpfung von Antiziganismus als Schwerpunkt in die Roma-Strategie aufgenommen hat und wollen mit dem vorliegenden Bericht die Öffentlichkeit sensibilisieren und den Betroffenen Möglichkeiten aufzeigen, sich gegen Rassismus zu wehren.“

Antiziganistische Diskurse in Medien und Politik

Die Berichterstattung über Roma hat in den letzten beiden Jahren abgenommen, dadurch gibt es auch weniger Berichte, die Vorurteile verbreiten. „Dies dürfte vor allem auf die Fokussierung der Berichterstattung auf Flüchtlinge zurückzuführen sein“, erläutert Ferdinand Koller, Redakteur des Berichts. „Trotzdem kommt es vor allem in den Boulevardmedien häufig zu antiziganistischen Darstellungen beim Thema Betteln: Armutsbetroffene Familien werden pauschal als ‚organisierte Banden‘ bezeichnet und in die Nähe der Kriminalität gerückt. PolitikerInnen auf Landes- und Gemeindeebene verwenden dieselben antiziganistischen Bilder um Vertreibungsmaßnahmen und unterlassene Unterstützung zu legitimieren“, erklärt Koller.

In Linz wurden im Februar und März 2016 Brandanschläge auf die Zelte von mehr als 50 obdachlosen Personen, darunter auch viele Kinder, verübt. Auch nachdem deren Unterkünfte zum dritten Mal abgebrannt wurden, stellte die Stadt keine sichere Unterkunft bereit. „Die Anschläge wurden zwar verurteilt, es wurde jedoch gleichzeitig betont, dass es sich bei den Familie um ‚organisierte Banden‘ handle“ kritisiert Koller. Von der Politik beschlossene Maßnahmen gegen Bettelei sind häufig grundrechtlich problematisch, das gilt besonders für die in Ober- und Niederösterreich eingeführten Bettler-Datenbanken, in denen alle bettelnden Personen erfasst werden, gleichgültig ob sie gegen ein Gesetz verstoßen haben oder nicht. 

Hetze im Internet

In Sozialen Medien und Diskussionsforen fallen häufig rassistische und verhetzende Äußerungen. Die Betreiber nehmen ihre Kontrollfunktion in vielen Fällen nur unzureichend wahr, viele bleiben auch untätig, nachdem rassistische Inhalte gemeldet werden. Claudia Schäfer, Geschäftsführerin von ZARA meint dazu: „Die große Anzahl an Fällen und die schnelle und weite Verbreitung von Botschaften sind in diesem Bereich eine besondere Herausforderung. Betroffene wissen oft nicht um die Möglichkeiten gegen diese Art der Hetze vorzugehen. Genau hier setzt unsere Beratungsstelle #GegenHassimNetz an: Wir informieren Betroffene über ihre Möglichkeiten und unterstützen sie in der weiteren Vorgehensweise.“

„Roma Rauss“: antiziganistische Botschaften im öffentlichen Raum

Bedenklich ist der deutliche Anstieg antiziganistischer Hassbotschaften im öffentlichen Raum in Wien. Der Schriftzug „Roma-Rauss“ (sic!) wurde dutzende Male auf Werbeflächen, Wahlplakate oder Flächen in Stationen der Wiener Linien geschmiert. Auch rot-weiß-rote Aufkleber mit verhetzendem Inhalt wurden mehrfach gemeldet. Romano Centro meldet diese Vorfälle, Magistrate, Wiener Linien oder die Polizei reagieren meist prompt und veranlassen die Entfernung.

Maßnahmen gegen Antiziganismus

Die VerfasserInnen des Berichtes fordern von der Politik ein klares Bekenntnis gegen Antiziganismus. „Es ist sehr schwierig, Aufklärungsarbeit gegen Antiziganismus und Diskriminierung zu leisten, wenn eine antiziganistische Haltung von PolitikerInnen oder den Medien provoziert wird“, so Mirjam Karoly. Der Verein Romano Centro sieht im Bereich der Sensibilisierung viel Potenzial, aber auch einen hohen Bedarf. Irina Spataru betont: „Wir brauchen wesentlich mehr Sensibilisierungsmaßnahmen in Schulen und für Berufsgruppen wie Medienschaffende, Lehrpersonen, SozialarbeiterInnen, Polizeibeamte oder Angestellte der Verwaltung. Von großer Wichtigkeit ist auch die Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte der Roma/Romnja und Möglichkeiten für die Bevölkerung, darüber Informationen zu erhalten.“

Download des Berichts auf www.romano-centro.org

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Mag. Ferdinand Koller
Hofmannsthalgasse 2/Lokal 2
1030 Wien, Österreich
Tel.: + 43/1/749 63 36-12, 0699/16040409
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