Österreich bleibt Aschenbecher Europas

Entwöhnungsexpertinnen des Rauchfrei Telefons der NÖGKK nehmen Stellung zur Rücknahme des Rauchverbots in der Gastronomie

St. Pölten (OTS) - Das Rauchfrei Telefon wird von der NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) für die Sozialversicherungsträger, die Länder und das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen betrieben. Das kompetente Team aus hochspezialisierten Gesundheitspsychologinnen befasst sich täglich mit Tabakentwöhnung und steht jedes Jahr tausenden Raucherinnen und Rauchern zur Seite, die wieder von der Zigarette loskommen wollen. Es weiß genau, wie schwierig es ist, einen Weg aus der Tabakabhängigkeit zu finden. Die Nummer der telefonischen Entwöhn-Hotline ist auf allen Zigarettenpackungen aufgedruckt. Die Beratung ist niederschwellig, kostenlos und erfolgreich.

Österreich braucht ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie. Die zukünftige Regierung sollte von der Rücknahme der bereits beschlossenen Regelung unbedingt Abstand nehmen. Die Gründe sind vielfältig ...

  • Passivrauch schädigt: Passivrauch kann dieselben Schäden anrichten wie aktives Rauchen. Das ist inzwischen hinlänglich erforscht.
  • Das derzeitige Gesetz funktioniert nicht, denn die Türen zwischen Raucher- und Nichtraucher-Bereichen stehen meist offen. Gäste und Personal sind dem Passivrauch ausgesetzt. Die derzeitige Regelung mit ihren vielen Ausnahmen wird häufig nicht ernst genommen und führte auch in der Gastronomie zu viel Unzufriedenheit und zu Konflikten.
  • Nur ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie schützt vor Passivrauch: Halbe Lösungen führen häufig dazu, dass Gesetze nicht eingehalten werden. Nur ein Verbot ohne Ausnahmen schützt wirklich.
  • Rauchen in Lokalen ist nicht mehr „state of the art“: Die Zeiten haben sich geändert. Über das Rauchen ist mittlerweile so viel Schädliches bekannt, dass es schlichtweg rückständig wirkt, wenn ein zivilisiertes Land dazu nur unzureichende Maßnahmen setzt.
  • Rauchen im Lokal ist out: Österreich gilt wegen der derzeitigen Regelung international bereits als „Aschenbecher Europas“ (Die Zeit, 2. Mai 2013).
  • Absolutes Rauchverbot bringt Klarheit: Nach langen Diskussionen fand man 2015 endlich eine klare Lösung. Wird das neue Tabakgesetz wieder aufgelöst, so führt dies zu Verwirrung und Verunsicherung in der Bevölkerung.
  • Ein absolutes Rauchverbot hilft denen, die aufhören wollen: Österreich hat 24,3 Prozent täglich und 5,7 Prozent gelegentlich Rauchende. Die übrigen 70 Prozent sind Nichtrauchende. Aus Studien ist bekannt, dass rund die Hälfte der Rauchenden überlegt, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie würde sie beim Aufhören unterstützen.
  • Ein absolutes Rauchverbot hilft Ex-Rauchenden: Ex-Rauchende sind vor allem in der ersten Phase nach dem Aufhören vielen Versuchungen zum Rückfall ausgesetzt. Rauchfreie Lokale helfen ihnen dabei, nicht rückfällig zu werden.
  • Rauchverbot verändert die Norm: Es ist für Kinder und Jugendliche überaus wichtig, dass sie in einem Umfeld aufwachsen, in dem Nichtrauchen die Norm ist, um selber als Erwachsener rauchfrei zu bleiben.
  • Bitte keine neuen Ausnahmen: Erneute Ausnahmen (z. B. für Wasserpfeifen oder für E-Zigaretten) sind schlecht. Sie verwässern die klare Regelung und würden dazu führen, dass Schlupflöcher gesucht werden. Die Wasserpfeife ist nicht ungefährlicher als ein anderes Tabakprodukt. Sie wird vor allem von Jugendlichen konsumiert. Daher ist auch aus präventiver Sicht eine Ausnahme keinesfalls zu befürworten.
  • Wirtschaft leidet nicht: Viele Länder der Welt haben bereits ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie. Es gab zwar Veränderungen in der Gastronomie, aber keine negativen Folgen. Es ist daher zu erwarten, dass auch in Österreich keine negativen Folgen für die Branche entstehen. In Spanien ging der Übergang zu einem absoluten Rauchverbot sogar mit weniger Schließungen von Gastronomiebetrieben einher, als dies davor der Fall war.
  • Die Bevölkerung will nach Rauchverbot nicht zu Raucherlokalen zurück: Bereits jetzt hat das Rauchverbot große Akzeptanz. So unterzeichneten im Jahr 2014 über 40 000 Menschen die Initiative „don‘t smoke“ – unter anderem auch Sebastian Kurz. Aus anderen Ländern wissen wir, dass die Akzeptanz des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie nach ihrer Einführung weiter ansteigt. Dies ist auch für Österreich zu erwarten.

Die neuen Pläne der Regierungsverhandler sind ein Schlag ins Gesicht für alle Spezialisten, die täglich in der Tabakprävention tätig sind. Sie bemühen sich, die unzähligen Schädigungen, die das Rauchen verursacht, zu heilen oder zumindest zu lindern. Die Expertinnen und Experten arbeiten mit viel Engagement auf ein Ziel hin, das von der Politik konterkariert wird. Sie alle wären vor den Kopf gestoßen, wenn das bereits lange geplante Verbot nun doch noch gekippt oder abgeschwächt wird. Daher die Forderungen:

  1. Das totale Rauchverbot in der Gastronomie muss kommen wie geplant!
  2. Eine der wirksamsten Maßnahmen gegen das Rauchen ist die Preiserhöhung bei Tabakprodukten.
  3. Mehr Geld des Bundes für Tabakentwöhnungsaktivitäten.

In Sachen Nichtraucherschutz ist Österreich traditionell Europas Schlusslicht. Wird das Gesetz jetzt ausgehebelt oder verwässert, kann sich daran nichts ändern – und wir bleiben weiter der Aschenbecher des Kontinents.

Das Rauchfrei Telefon der NÖGKK ist unter 0800 810 013 von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr erreichbar. Es fallen österreichweit keine Gebühren an. Die Beratung ist kostenlos. Informationen und Links zur „Rauchfrei App“ finden Sie auf www.rauchfrei.at.

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