• 11.12.2017, 14:18:07
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Dermatologie in Österreich: Moderne Therapien revolutionieren die Patientenversorgung

Wien (OTS) - Im Fall von Psoriasis oder Neurodermitis ermöglichen
neue Behandlungsmöglichkeiten sehr gute Heilungserfolge, sagen
führende Dermatologen Österreichs.

„Hautkrankheiten sind manchmal lebensgefährlich, oftmals sind sie
zwar harmlos, aber trotzdem beeinträchtigend, weil es dabei oft um
die Lebensqualität geht“, sagt Univ.-Prof. Dr. Matthias Schmuth,
Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und
Allergologie in Innsbruck und Präsident der Österreichischen
Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). „Man hat
bereits in Studien die Beeinträchtigung der Lebensqualität bei
Patienten mit Psoriasis mit jenen, die an Herzinsuffizienz leiden,
verglichen. Dabei hat man festgestellt, dass die im Vergleich zu
Herzinsuffizienz harmlosere Psoriasis subjektiv eine genauso starke
Beeinträchtigung der Lebensqualität zur Folge hat wie die viel
gefährlichere Herzinsuffizienz“, warnt der Innsbrucker Professor für
Dermatologie.

Eine solche Erkrankung, deren Folgen sich auf die Lebensqualität
besonders negativ auswirken, ist Psoriasis. „Psoriasis oder
Schuppenflechte ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen
Erkrankungen. Sehr viele Menschen leiden darunter, oft über viele
Jahrzehnte hinweg. Ungefähr drei Prozent der Menschen in Österreich
sind von Psoriasis betroffen, manche schon von Jugend an. Aber auch
im jungen Erwachsenenalter gibt es einen zweiten Gipfel, wo
Schuppenflechte oft auftritt“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Gudrun
Ratzinger von der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck.
Bei der Behandlung von Psoriasis richten sich die Dermatologen nach
einem Stufenschema. „Zuerst beginnt man mit einer Lokal-Therapie,
d.h. mit Cremen, Basis-Pflegeprodukten, wirkstoffhältigen Cremen,
Kortison-Cremen oder Vitamin-D-Cremen bzw. Salben. Wenn das nicht
ausreicht, geht man auf die zweite Stufe. Das ist die Lichttherapie:
Das Sonnenlicht kann stark entzündungshemmend wirken. Wenn auch das
nicht ausreicht oder die Schuppenflechte stark ausgeprägt ist, geht
man auf die Systemtherapie über“, so Ratzinger.

Fortschritte bei Systemtherapeutika

Gerade bei den Systemtherapeutika gab es in den letzten Jahren nahezu
revolutionäre Therapiefortschritte – vor allem bei der Behandlung von
Psoriasis. Zu diesen neuen Methoden gehören insbesondere Biologika.
„Biologika sind eine Substanzklasse, die darüber definiert ist, wie
sie produziert werden“, erklärt Prof. Schmuth. „Sie werden im Labor
durch Verwendung von Zellen hergestellt – sind also biologisch
produziert. Wenn man über die Biologika bei der Psoriasis spricht,
dann geht es darum, Entzündungsstoffe gezielt zu hemmen. Man hat
herausgefunden, welche Entzündungsstoffe bei der Psoriasis eine
zentrale krankheitsbestimmende Rolle spielen, und hat Medikamente
entwickelt, bei denen man Zellkulturen verwendet und damit Biologika
herstellt, die ganz gezielt diese Entzündungsstoffe hemmen können“,
so Schmuth.

Kein Wunder, dass es für Österreichs Dermatologen ein Anliegen ist,
diese innovativen Therapien in der Praxis zu forcieren – vor allem
für die Behandlung von mittelschwerer und schwerer Psoriasis. „Zum
einen müssen wir im Bereich der praktischen Ärzte die Awareness für
diese Erkrankung und vor allem für die neuen Therapiemöglichkeiten
erhöhen. Die Umfragen zeigen, dass viele Psoriasis-Patienten gar
nicht beim Dermatologen, sondern bei ihrem Hausarzt bleiben. Dort die
Awareness zu schaffen, dass es sehr potente neue Medikamente gibt,
ist für mich sehr wichtig. Der andere Schwerpunkt muss bei den
niedergelassenen Dermatologen liegen. Wir müssen sie ermutigen, diese
neuen Therapeutika zu verordnen. Wir müssen also auch bei
Dermatologen das Bewusstsein schaffen, dass die neuen
Behandlungsmöglichkeiten sehr nebenwirkungsarm und dadurch nicht nur
für Spezialambulanzen geeignet sind“, erklärt Dr. Leo Richter,
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Oberarzt an der
Abteilung für Dermatologie und Venerologie in der Krankenanstalt
Rudolfstiftung und der neue Präsident der Arbeitsgruppe Biologika in
der ÖGDV.

Aufklärung der Patienten wichtig

Ein wesentlicher Vorteil von Biologika in der Behandlung von
Psoriasis ist die Tatsache, dass sie in sehr vielen Fällen eine fast
komplette Erscheinungsfreiheit ermöglichen. Doch es gibt bei der
Aufklärung der Patienten und der Gesamtbevölkerung großen
Nachholbedarf. „Es ist immer noch der Fall, dass Menschen mit
Psoriasis aus einem öffentlichen Bad hinausgeschmissen werden, weil
man damit argumentiert, dass andere Badegäste nicht wissen, dass es
eine nicht ansteckende Erkrankung ist. Das sollte heutzutage nicht
mehr passieren“, appelliert Richter. In letzter Zeit haben sich
verschiedene Kampagnen, unter anderem auch die aktuell laufende
Initiative „Psoriasis“, zum Ziel gesetzt, Awareness zu schaffen, dass
Psoriasis einerseits nicht ansteckend und andererseits mittlerweile
sehr gut behandelbar ist.

„Es ist generell in der modernen Medizin sehr wünschenswert, dass die
Patienten gewisse Vorinformation über ihre Erkrankung und auch über
die Möglichkeiten der Therapie haben. Der informierte Patient ist
grundsätzlich der bessere Patient. Man kann mit ihm offener
diskutieren und in Form einer informierten Einwilligung vereinbaren,
welche Therapien für ihn die besten wären. Selbstverständlich sollen
dabei auch Biologika angesprochen werden“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr.
Robert Müllegger von der Abteilung für Dermatologie und Venerologie
am Landesklinikum Wiener Neustadt.

Aus diesem Grund appellieren führende Dermatologen Österreichs, zum
Hautarzt zu gehen. „Eine wichtige Botschaft ist, dass man zum
Hautarzt geht und die vom Hautarzt verordnete Therapie durchzuführen
versucht. Das ist gar nicht so einfach, wenn man eine Krankheit hat,
die chronisch ist und man sie ständig behandeln soll. Aber da
konsequent zu sein, bringt viel“, appelliert Dr. Gudrun Ratzinger.

Neurodermitis und Heuschnupfen besser behandelbar

Auch im Bereich der Allergologie sind Biologika dabei, die Versorgung
der Patienten zu revolutionieren. „In Österreich und anderen
Industrieländern haben Inhalationsallergie und Neurodermitis stark
zugenommen, man kann davon ausgehen, dass heute etwa 20 bis 25
Prozent der jungen Erwachsenenbevölkerung an einem Heuschnupfen,
einer Hausstaubmilben-Allergie, einer Tierhaarallergie oder
Neurodermitis leiden“, sagt ao. Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider von
der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck und Vorsitzender
der Arbeitsgruppe Allergologie in der ÖGDV. „Man rechnet damit, dass
etwa 20 Prozent aller Heuschnupfenallergiker und 30 – nach bestimmten
Studien bis sogar 50 Prozent – aller Hausstaubmilbenallergiker früher
oder später Asthma entwickeln“, warnt Reider. Eine frühzeitige
Behandlung mittels spezifischer Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
kann diese Allergien heilen. Auch eine prophylaktische Impfung
scheint in Greifweite zu sein. Biologika haben die Behandlung von
Asthma bronchiale massiv verbessert. Auf dem Gebiet der chronischen
Urtikaria (Nesselsucht) ist seit drei Jahren ein Antikörper
zugelassen, der bei einem Großteil der Patienten fast schlagartig zu
einer Beschwerdefreiheit führt.

Auch im Bereich Neurodermitis werden laufend neue Systemtherapeutika
entwickelt: „Hier gibt es ebenfalls auf dem Gebiet der Biologika neue
Entwicklungen. Das erste dieser Präparate ist gerade erst im
September zugelassen worden und wird wahrscheinlich Mitte des
kommenden Jahres in Österreich verfügbar sein. Es sind auf dem Gebiet
der Neurodermitis auch andere Medikamente in Entwicklung, bei denen
man mit völlig neuen Therapien in Tablettenform mit großer
Wahrscheinlichkeit sehr gute Erfolge erzielen wird, ohne die früheren
Nebenwirkungen gleichzeitig damit in Kauf nehmen zu müssen“, erklärt
Reider.

Die Dermatologie in Österreich ist seit Jahrzehnten ein sehr
forschungsstarkes Fach. Die therapeutischen Fortschritte, die man in
den letzten Jahren etwa in der Behandlung von Psoriasis oder
Neurodermitis verzeichnet, sind auch der Forschung in Österreich zu
verdanken. „Diese Behandlungsmöglichkeiten sind nur möglich, wenn man
die Entzündung im Detail versteht und weiß, welche
Entzündungsmediatoren man hier mit den Medikamenten anzielen muss.
Ich glaube, dass die Forschungsstärke, die wir hier in Österreich
haben, sehr wesentlich dazu beigetragen hat. Das sollte man nicht
vergessen. In der dermatologischen Forschung gibt es noch sehr viel
zu tun, weil noch eine ganze Reihe von Hauterkrankungen existiert,
die bislang noch nicht so gezielt und so gut behandelt sind, wie es
jetzt bei der Psoriasis oder Neurodermitis möglich geworden ist“,
erklärt Prof. Matthias Schmuth einige zukünftige Herausforderungen in
der dermatologischen Forschung in Österreich. „In Zukunft werden wir
für weitere Hauterkrankungen gezielte Therapien zur Verfügung haben.
Ich glaube, dass Kombinations- oder sequenzielle Therapien große
Erfolge erzielen werden“, summiert Schmuth.

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