KAV verdoppelt Kapazität für Strahlentherapie im KH Hietzing

Neues Krebsbehandlungszentrum ist nach nur einem Jahr Bauzeit in Betrieb gegangen. Wartezeiten auf Strahlentherapie in ganz Wien werden somit verkürzt.

Wien (OTS) - Seit Ende November werden im neuen Strahlenzentrum des KAV-Krankenhauses Hietzing die ersten PatientInnen behandelt. „Damit hat der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) wie angekündigt seine Kapazitäten im Bereich der Strahlentherapie erweitert. Das ist der erste große Schritt beim Ausbau der Strahlentherapie in Wien“, sagt Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger und betont, dass „das neue Zentrum für PatientInnen aus ganz Wien zur Verfügung steht und die Wartezeiten auf Krebstherapien verkürzt.“ Das in nur einem Jahr Bauzeit errichtete Gebäude (Auftragnehmer Vamed) mit zwei Linearbeschleunigern (LINAC – aus dem englischen für linear accelerator) ist Teil der in Hietzing bereits bestehenden Sonderabteilung für Strahlentherapie. Die Therapieschwerpunkte im neuen LINAC-Zentrum sind die Behandlung von Prostatakrebs, Brustkrebs, Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenbereich, Darmkrebs sowie Lungenkrebs.

„Ausgestattet ist das Zentrum mit zwei modernsten Linearbeschleunigern neuester Technologie und der dafür erforderlichen Infrastruktur. Damit können wir eine besonders schonende Behandlung ermöglichen“, erläutert Tomas-Hendrik Knocke-Abulesz, Leiter der Hietzinger Sonderabteilung für Strahlentherapie. Künftig wird sein Team dann bis zu 130 PatientInnen pro Tag an der gesamten Abteilung behandeln. Mit den beiden noch schnelleren LINACs können dann pro Jahr rund 1.700 KrebspatientInnen behandelt werden. „Das ist eine Verdopplung der bisherigen PatientInnenzahl“, sagt Knocke-Abulesz. Im neuen Strahlentherapie-Zentrum werden rund 60 MitarbeiterInnen tätig sein und sich um die PatientInnen kümmern.

Die neuen Linearbeschleuniger sind bei den Arbeitsvorgängen deutlich schneller und wesentlich zielgenauer als bisherige Modelle. Sie ermöglichen eine Bestrahlung mit fünf verschiedenen Photonen-Energien. Dadurch kann im Vergleich zum bisherigen Linearbeschleuniger, der mit zwei Photonen-Energien bestrahlen konnte, noch besser auf die Anforderungen der Therapie eingegangen werden. Die verschiedenen Photonenenergien weisen unterschiedliche Eigenschaften der Eindringtiefe auf, wodurch die Dosis noch gezielter verabreicht werden kann. Ein weiterer Fortschritt ist die Möglichkeit der VMAT-Bestrahlung (Volumenmodulierte Strahlentherapie). Dabei wird die Dosisverteilung über eine Rotationstechnik bei simultaner Bewegung des Bestrahlungskopfes um die Patientin/den Patienten appliziert. Diese Technik ermöglicht eine deutlich schnellere und gleichzeitig schonende Verabreichung der Dosis. So wird auch weniger umliegendes gesundes Gewebe geschädigt, das sich im Gegensatz zu den Krebsgeschwulsten wieder regenerieren kann

Aufgrund der integrierten Röntgenröhre an den neuen Linearbeschleunigern erfolgt die Lagerungskontrolle der PatientInnen schonender und gleichzeitig genauer. Die verwendete Strahlung ermöglicht eine höhere Kontrastauflösung, zusätzlich ist auch eine Röntgenaufnahme während der Bestrahlung möglich. Die neuen Linearbeschleuniger reagieren sogar auf Bewegungen der PatientInnen:
Wenn der Körper während des Bestrahlungsvorgangs zu stark auf der Liege aus der Ursprungslage verrutscht, stoppt der LINAC sofort. Diese neue LINAC-Generation reagiert auch auf die Atmungsbewegung:
Bewegt sich dadurch auch der Tumor, passt sich die Bestrahlung auf die sich ständig leicht veränderte Lage des Tumors an.

Zu den beiden neuen Bestrahlungsgeräten gehört auch die neueste Generation eines 4D-Computertomographen, der in einem Nebenraum steht, er dient zur Vorbehandlung. Dort werden die exakte Lage des zu bestrahlenden Tumors sowie die später wichtigen Positionspunkte am Körper bestimmt. Letztere dienen zur punktgenauen Positionierung auf dem LINAC-Behandlungstisch.

Zwt.: Weiterer Ausbau läuft auf Hochtouren im Donauspital

„Das neue LINAC-Zentrum ist nur einer von weiteren Bausteinen beim Ausbau des KAV-Angebots, um die Wienerinnen und Wiener noch besser und schneller als bisher medizinisch behandeln zu können. So schreitet auch der Bau des noch größeren Strahlenzentrums im Donauspital zügig voran. Dort werden vier weitere Linearbeschleuniger sowie Brachy- und Röntgentherapie den Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen“, berichtet Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger. Im Jänner 2018 wird die Dachgleiche dieses Zusatzgebäudes vor dem Donauspital gefeiert. Die Inbetriebnahme soll im Jahr 2019 erfolgen. Dort werden die Strahlentherapie-ExpertInnen des KAV dann rund 2.400 PatientInnen pro Jahr versorgen können. Neben dem Ausbau der Kapazitäten arbeitet der KAV auch weiter daran, alle bisherigen Strahlentherapiegeräte optimal auszulasten, um möglichst viele Patientinnen und Patienten behandeln zu können.

FAKTEN
- Das LINAC-Zentrum im KH Hietzing wurde in nur einem Jahr Bauzeit errichtet
- Derzeit sind im Wiener Krankenanstaltenverbund 13 LINACs im Einsatz - 2019 geht ein neues Strahlentherapiezentrum im Donauspital mit vier LINACs in Betrieb
- Das Strahlenzentrum im KH Hietzing kann pro Jahr 1.700 PatientInnen behandeln – doppelt so viele wie bisher
- Das neue Strahlenzentrum im Donauspital wird 2.400 PatientInnen pro Jahr behandeln

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