- 27.11.2017, 11:42:25
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„kreuz und quer“ am 28. November: „Eremiten – Reise nach innen“ und „Richtige Männer! Muslime und Frauenrechte“
Ab 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Ab 22.35 Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Einsiedler sind kein Phänomen des frühen Christentums –
es gibt sie bis heute. Erst jüngst wurde für die Einsiedelei am
Steilhang des Palfen bei Saalfelden, die seit mehr als 350 Jahren
besteht, ein neuer Eremit gesucht. Kandidaten meldeten sich unter
anderem aus Kanada, der Ukraine, Spanien und Südafrika. Manche
meinen, dies sei ein Indiz für die wachsende Sehnsucht nach Rückzug
und Stille. Die Dokumentation „Eremiten – Reise nach innen“ von
Stefan Ludwig zeigt in „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel
– am Dienstag, dem 28. November 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2 das Leben
von Eremiten in der heutigen Zeit und skizziert das Faszinierende am
Einsiedlerleben.
Um 23.20 Uhr spricht die türkisch-norwegische Filmemacherin Nefise
Özkal Lorentzen – gläubige Muslimin und moderne, westlich geprägte
und emanzipierte Frau zugleich – in ihrer Dokumentation „Richtige
Männer! Muslime und Frauenrechte“ mit muslimischen Männern, die auf
der Suche nach einem neuen Rollenverständnis sind und sich daher für
die Selbstbestimmung der Frauen engagieren. Die Reise der
Filmemacherin führt nach Bangladesch, in die Türkei, nach Indonesien
und Kuwait.
„Eremiten – Reise nach innen“ – Ein Film von Stefan Ludwig
„Eine Stadt sucht einen Einsiedler.“ Anfang 2017 landete die
österreichische Gemeinde Saalfelden in den internationalen
Schlagzeilen, als sie die 350 Jahre alte Klause am Palfen neu
besetzen wollte. Mehr als 50 Bewerber aus aller Welt wollten Eremit
in Saalfelden werden. Am Ende machte der Belgier Stan Vanuytrecht das
Rennen. Inzwischen hat sich der pensionierte Landvermesser und
Artillerieoffizier in der Eremitage eingelebt. Er führt ein Leben
ohne Strom und ohne fließendes Wasser, dafür mit viel Zeit zum Gebet
nach der Regel des Heiligen Benedikt.
Der Medienhype um den Eremiten zeigt: Gerade in einer Zeit der Hektik
und Vernetzung scheinen Einsiedler faszinierend anders zu sein. Sie
gelten als Aussteiger, Sonderlinge oder weise alte Männer. Die
Realität ist unspektakulärer und zugleich vielschichtiger: Stan
Vanuytrecht ist einer von etwa 90 christlichen Eremitinnen und
Eremiten im deutschsprachigen Raum. Sie haben sich auf eine radikale
spirituelle Suche begeben. In der Einsamkeit und im Schweigen
versuchen sie in sich selbst Platz für das Göttliche zu machen. Dabei
folgen sie einer alten Tradition mit präzisen Regelwerken.
Der Film begleitet drei unterschiedliche Eremiten in ihrem von Gebet
und Arbeit geprägten Alltag. Stan Vanuytrecht in Saalfelden fand erst
nach einer schmerzhaften Scheidung und einem psychischen
Zusammenbruch zurück zum Glauben. Der Benediktinermönch Jakobus
Kaffanke musste lange kämpfen, bis sein Wunsch nach einem
eremitischen Leben die Zustimmung seines Abts fand. Und der
pensionierte Pfarrer Johannes Schuster suchte die Einsamkeit, nachdem
er jahrelang als Leprahelfer in Krisengebieten mit menschlichem Not
und Elend konfrontiert wurde.
Dass sich gerade heute viele Menschen nach Stille sehnen, zeigt das
überaus erfolgreiche Turmeremitenprojekt der Diözese Linz: Für
jeweils eine Woche können spirituell interessierte Menschen die
Turmstube im Linzer Dom beziehen und in der Tradition christlicher
Exerzitien Einkehr halten. Ob Benediktinerbruder oder Turmeremitin
auf Zeit: Sie alle schöpfen aus der Tradition der frühchristlichen
Wüstenväter. In den Wüstengebieten des Nahen Ostens praktizierten
Eremiten schon im 3. Jahrhundert radikale Bußübungen und einen auf
das absolute Minimum reduzierten Lebensstil. Doch die Wüste ist kein
Wellnessparadies: In ihr findet man die Nähe Gottes, aber auch den
Kampf mit der eigenen Angst und Verführbarkeit.
In seiner authentischsten Form lebt das Erbe der Wüstenväter heute in
den koptisch-orthodoxen Wüstenklöstern Ägyptens weiter. Hier genießen
Eremiten höchstes Ansehen. Der Mönch und Bischof Anba Gabriel,
Oberhaupt der österreichischen Kopten, hat prägende Jahre in einem
Wüstenkloster verbracht. Im neu gegründeten Antoniuskloster
Obersiebenbrunn in Niederösterreich möchte er dem Geist der Wüste
eine neue Heimat geben. Ihre magische Kraft beschreibt er mit einem
einfachen Satz: Hier hört man die Stimme des Herzens.
Richtige Männer! Muslime und Frauenrechte“ – Ein Film von Nefise
Özkal Lorentzen
Was bedeutet es, Mann und gläubiger Muslim zu sein? In den meisten
islamischen Ländern gibt es ein patriarchales, also männerdominiertes
Gesellschaftssystem. Die Rechte von Frauen und Mädchen wie auch von
Homosexuellen sind oft extrem eingeschränkt. In diesen Ländern haben
die Männer das Sagen, sie bestimmen über das Leben der anderen. Doch
wie kommen Männer mit dieser ihnen zugeordneten traditionellen Rolle
zurecht?
Imtiaz Pavel lebt in Bangladesch. Er erfand ein Rätsel-Brettspiel,
das er mit Dorfkindern spielt, um ihnen schon in jungen Jahren
deutlich zu machen, dass Männer und Frauen gleichgestellt sind. Naif
Al-Mutawa ist Psychologe aus Kuwait und der Schöpfer der ersten
Superhelden-Comics in der islamischen Welt, „The 99“. Von seinen 99
Superhelden trägt jeder einen der 99 Namen Allahs. Al-Mutawa glaubt
an die Macht des Erzählens und hat erkannt, dass in der islamischen
Welt Comics einen anderen Hintergrund brauchen als Geschichten von
Superman oder Batman, um die Welt ein Stück weit verändern zu können.
Syaldi Sehude und vier andere junge Männer machen in Indonesien auf
das gesellschaftliche Problem von Vergewaltigungen aufmerksam: Sie
trugen Miniröcke und zogen mit Transparenten durch die Straßen von
Jakarta. Diese provokante Aktion griff die Jakarta Post in ihrer
Schlagzeile auf – und hatte so landesweite Wirkung. Zuerst müssten
sich Männer befreien, damit sich Frauen emanzipieren können, sind
Syaldi Sehude und seine Freunde überzeugt: Richtige Männer sollten
ebenso emotional sein und weinen können wie Frauen.
İhsan Eliaçik ist unter den Anhängern des Gezi-Aufstandes in der
Türkei bekannt. Er leitet eine Aktivistengruppe in der Türkei, die
sich Anti-Kapitalistische Muslime nennt. Er nährt die Hoffnung, dass
sich der echte Islam von fundamentalistischen Strömungen in der
Türkei abgrenzen kann. Als muslimischer Theologe meint Eliaçik, dass
die Probleme mit der Männlichkeit nicht im Islam selber verwurzelt
seien, sondern falsche Interpretationen des Korans und das dominante
patriarchalische System die Männer zu Gier nach Macht und Besitz
drängten.
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