ÖH BOKU: "Universitäten müssen sich wieder ihrer Verantwortung bewusst werden!"

Uniko-Äußerungen zeigen unterschiedliche Lebensrealitäten zwischen Studierenden und Entscheidungsträgern an den Universitäten

Wien (OTS) -

Herausforderung "Universität der Zukunft" -  Universitäten scheitern an sich selbst!

"Wir sollten uns zunächst die Frage stellen, was Universität und Studium in Zukunft bedeuten sollen: Berufsausbildung oder Weiterbildung? Eine reine Ausrichtung an der Wirtschaft ist in dieser Diskussion nicht zielführend, sondern führt unweigerlich zur Exklusion von Personen, die vom Idealtypus des homo oeconomicus abweichen.", meint Nastasja Harnack aus dem Vorsitzteam der ÖH BOKU,"Qualitative Bildung der Gesellschaft von morgen darf nicht ausschließlich an quantitativen Kennzahlen von heute, wie absolvierte ECTS pro Semester gemessen werden." Dabei muss nicht nur die Finanzierung vorhanden sein, sondern auch der Mut jahrzehntealte, festgefahrene Strukturen zu verändern. „Schon in der Sozialerhebung von 2015 wurden zu dichte Studienpläne, einschränkende Reihenfolgen in der Absolvierung der Lehrveranstaltungen und unzureichende Informationen über die Studienorganisation als Ursachen für Studienverzögerungen aufgedeckt. Das alles liegt in den Händen der Universitäten und kann unabhängig vom Studienrecht verändert werden!“ 


Wie wird man eigentlich „Bummelstudent*in“?

Speziell an der BOKU gibt es für viele Prüfungen nur sehr wenig ECTS, sodass die Studierenden am Ende des Semesters eine hohe Gesamtzahl an Prüfungen zu absolvieren haben, um die geforderten 16 ECTS im Studienjahr zu erreichen. „Der Lernaufwand pro Prüfung ist oft nicht erfüllbar, da man sich auf so viele Prüfungen gleichzeitig vorbereiten muss - insbesondere, wenn man nebenbei erwerbstätig ist. Das resultiert dann entweder in einem erneuten Antritt oder längerer Vorbereitung.“, meint Kyrill Sattlberger, ebenfalls Vertreter des ÖH BOKU-Vorsitz. „Eine Reduktion der Prüfungsantritte wäre fatal und würde die Studiendauer verlängern“. Teilzeitstudium schön und gut, jedoch müssen solide Grundlagen dafür geschaffen werden: ausreichende Möglichkeiten zum Fernlernen, weniger Präsenzzeiten und gut ausgearbeitete und online verfügbare Lernunterlagen. Zusätzlich muss garantiert sein, dass die finanzielle Unterstützung für Studierende so weit ausfinanziert ist, dass eine Erwerbstätigkeit aufgrund von Überlebenssicherung nicht mehr notwendig ist. Wichtig wäre hier auch die Reparatur des §92 im Universitätsgesetz, der die Studienbeitragsbefreiung für erwerbstätige Studierende regelt.


Ahnung vom Leben bekommt man nicht im Hörsaal!

Diese von der uniko vorgeschlagene Strukturreform schränkt die Möglichkeiten der wichtigen und wertvollen persönlichen Entwicklung neben dem Studium ein und zwingt die Studierenden zu einer noch engeren Art der Bildung. Studierende wollen ihr Wissen anwenden und verknüpfen, zum Beispiel in Form von Freiwilligenarbeit, innovativen Projekten oder fachbezogener Erwerbstätigkeit. „Interdisziplinarität erlebt man nicht im Hörsaal - sie wird durch eigene Erfahrungen erlernt!“ betont Charlotte Voigt vom Vorsitzteam der ÖH BOKU. „Vor allem an der BOKU ist Interdisziplinarität in Forschung und Lehre ein erklärtes Ziel der Leitungsgremien – dann verlangen wir Studierende aber auch die passenden Rahmenbedingungen dafür!“

 
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Alternativ könnten die Studierenden nun fordern, nur mehr Lehrende mit 3 Doktortiteln einzustellen, die in jedem Semester mindestens 15 Publikationen zu veröffentlichen haben und eine Kündigung zu ermöglichen, wenn diese über ein paar Semester nicht genug Drittmittel eintreiben – das kann ja schließlich nicht so schwer sein. Müssen sie sich halt ein bisschen anstrengen. So eine absurde Forderung würde wohl nie von einer ÖH gestellt werden, denn es wäre absolut unfair ein strukturelles Problem der Gesellschaft auf das "Scheitern" einzelner Personen abzuwälzen. Auf der anderen Seite ist ein reines Abschieben der Probleme auf die Politik zu einfach – die Universitätenkonferenz (und damit auch alle RektorInnen) können mit zukunftsweisenden Forderungen den derzeit eingeschlagenen Weg des Ministeriums stark beeinflussen. „Wir fordern die Universitäten auf, sich endlich wieder ihrer Verantwortung bewusst zu werden und gemeinsam über strukturelle Verbesserungen an den Universitäten zu sprechen“, sagt Nastasja Harnack. „Wir wünschen uns einen Dialog auf Augenhöhe anstatt eine pauschale Verurteilung der Studierenden und populistische, realitätsferne Forderungen.“ 

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