- 23.11.2017, 11:12:16
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„Andreas Hofer – Held wider Willen“: „Universum History“ dokumentiert die Geschichte hinter dem Mythos
Zum 250. Geburtstag von Andreas Hofer am 24. November um 22.35 Uhr in ORF 2
Utl.: Zum 250. Geburtstag von Andreas Hofer am 24. November um 22.35
Uhr in ORF 2 =
Wien (OTS) - Andreas Hofer – in ganz Österreich und vor allem in
Tirol gilt er als Held. Während der Napoleonischen Kriege Anfang des
19. Jahrhunderts, die ganz Europa erfassen, wird Hofer als Anführer
einer Widerstandsbewegung zur Galionsfigur im Kampf gegen Napoleon.
Er bezahlt dafür mit dem Leben. Am 22. November 2017 jährt sich
Andreas Hofers Geburtstag zum 250. Mal. Aus diesem Anlass zeigt
„Universum History“ am Freitag, dem 24. November 2017, um 22.35 Uhr
in ORF 2 in „Andreas Hofer – Held wider Willen“ die Geschichte hinter
dem Mythos: die Tragödie eines Mannes, der unfreiwillig zum Spielball
europäischer Großmachtpolitik wurde und dem Kampf der Habsburger
gegen Napoleon und seine bayrischen Verbündeten, die Wittelsbacher,
zum Opfer fiel.
Auch ORF III Kultur und Information würdigt das Jubiläum mit zwei
Sendungen: Am Freitag, dem 24. November, ist die Dokumentation
„Andreas Hofer – Mythos und Realität eines Tiroler Helden" (23.30
Uhr) des Hofer-Experten und ORF-Mitarbeiters Siegfried Steinlechner
aus dem Jahr 2002 zu sehen, der die Mythen rund um den Tiroler
Freiheitskämpfer auf ihren Wahrheitsgehalt prüft. Am Samstag, dem 25.
November, zeigt ORF III um 14.45 Uhr Xaver Schwarzenbergers Spielfilm
„Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers“ mit Tobias Moretti in der
Titelrolle, der 2001 nach einem Drehbuch von Felix Mitterer entstand.
Wie konnte ein einfacher Gastwirt zum Tiroler Landesregenten
aufsteigen? Wie konnte ein Mann mit einer bunt zusammengewürfelten
Truppe aus Tiroler Schützen und bewaffneten Bauern dem „Weltgeist zu
Pferde“ die Stirn bieten? Und wieso konnte er seinen tiefen Fall am
Ende seines Lebens nicht verhindern? Obwohl Andreas Hofer seit einem
Jahrhundert den Status einer Legende hat, sind viele Fragen offen.
Neueste internationale Forschungen liefern nun ein differenzierteres
Bild von Hofer – diese Ergebnisse sind direkt in dieses „Universum
History“-Projekt eingeflossen. Einer der Historiker, die an diesem
Film mitwirkten, David Hofer, ist sogar ein direkter Nachkomme von
Andreas Hofer.
Bisher wenig beachtete Ereignisse aus der Biografie ergeben neue
Zusammenhänge. Etwa, dass der junge Andreas Hofer, dessen Eltern sehr
früh verstorben sind, seine Jugendjahre im Trentino verbrachte – dem
südlichsten, italienischsprachigen Teil des historischen Tirol. Hier
lernt er bei den dortigen Schützen nicht nur Schießen und Italienisch
– er knüpfte auch jene Kontakte, die ihm später halfen, die Schützen
aus den verschiedenen Landesteilen zusammenzuhalten. Es wurde auch
lange vernachlässigt, die Geschichte des Tiroler Aufstandes von 1809
im europäischen Kontext zu betrachten. Historiker aus Bayern,
Frankreich und Italien sehen die Ereignisse aus einer ganz anderen
Perspektive. Sie helfen dadurch, die Bedeutung der Ereignisse in
ihrer politischen Auswirkung einzuordnen. Innen- und Außensicht
zusammen ergeben ein ganz neues Bild. Erstmals werden die geheimen
Dokumente von Napoleon aus den Pariser „Archives Nationales“ gezeigt.
Auch die Rolle der von Wien aus regierenden Habsburger wird neu
beleuchtet. Nach der Niederlage in Austerlitz mussten die Habsburger
Tirol an die Bayern abgeben. Ein Verlust, den der in Tirol regierende
Habsburger, der blutjunge Erzherzog Johann, nicht hinnehmen wollte.
In Andreas Hofer fand er einen loyalen Schützenkommandanten, den er
für seine Interessen einsetzen konnte. So eröffneten die Habsburger
mit Hilfe der Tiroler gegen Napoleon eine „zweite Front“. In mehreren
Auseinandersetzungen – am berühmtesten sind die Schlachten am Berg
Isel – gelang es den Aufständischen, die Bayern und die Truppen
Napoleons zu vertreiben – wenn auch nicht endgültig zu besiegen.
Andreas Hofers Aufstieg zum Landesregenten in Innsbruck war der
Höhepunkt seiner Laufbahn. Gleichzeitig war diese Zeit aber auch der
Wendepunkt in seinem Leben. Er stieß an die Grenzen seiner eigenen
Möglichkeiten. Und es wurde klar, dass die Geschichte Europas nicht
in Tirol geschrieben wird. Denn gleichzeitig fanden bei Wien die
größten Schlachten der sogenannten „Koalitionskriege“ statt – in der
die Koalitionen Europas, Napoleon und die deutschen Fürsten gegen
Österreich, England und Russland einander gegenüberstanden – 300 000
Mann. Napoleon blieb siegreich, die Truppen der Habsburger erlitten
eine schwere Niederlage. Damit waren die militärischen Erfolge Hofers
bedeutungslos geworden. Tirol wurde wieder Teil des Königreichs
Bayern – mit allen Konsequenzen für die Aufständischen.
Der Film versucht in diesem Zusammenhang durch detaillierte
historische Fakten auch die Legenden zu beseitigen, die sich um Hofer
im Laufe der bald 200-jährigen Heldenverehrung rankten. Hier zeigt
sich vor allem durch Dokumente aus dem Österreichischen Staatsarchiv:
Das Kaiserhaus in Wien hatte weder Tirol noch Andreas Hofer verraten,
denn Napoleon konnte als Sieger die Bedingungen diktieren. In all den
schriftlichen Befehlen, die Napoleon für Tirol erteilte, kommt nur
ein Name vor: Andreas Hofer und dessen Todesurteil. Andreas Hofer
wurde am 20. Februar 1810 in Mantua hingerichtet – nur 42 Jahre alt.
Damit wurde der Aufstand endgültig beendet und ein „Märtyrer“
geboren.
„Andreas Hofer – Held wider Willen“ entstand als Koproduktion von
ORF, ZDF/ARTE, Rai 3 und BMB, gefördert vom Fernsehfonds Austria und
mit Unterstützung der Cine Tirol Film Commission. Nach einem Drehbuch
von Robert Neumüller drehte das Team der pre tv (Universum History:
„Prinz Eugen und das Osmanische Reich“) mit dem deutschen
Koproduzenten Berlin-Producers nicht nur in der Europaregion
Tirol-Südtirol-Trentino, sondern auch in Frankreich und Deutschland.
In den aufwendigen Spielszenen, die in Südtirol und Innsbruck gedreht
wurden (Regie: Beverly Blankenship) spielt der Tiroler Harald
Windisch den Sandwirt Andreas Hofer. Windisch lässt Hofer in seinen
vielen Aspekten lebendig und erlebbar werden – in seiner Treue,
seiner Religiosität, seiner Redlichkeit und in seiner einsamen
Verzweiflung gegen Ende des Aufstandes.
Andreas Oberhofer, Historiker aus Südtirol, Michael Forcher aus
Nordtirol, Margot Hamm aus Bayern, Christine Lebeau aus Paris, Thomas
Just vom Österreichischen Staatsarchiv und Graziano Riccadonna aus
Italien sind die internationalen Experten des Filmes. Ihre
Forschungsergebnisse und Beiträge ermöglichen es, zum 250. Geburtstag
Hofers, seine Geschichte neu zu erzählen.
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