"Stadt finden"- Fachdebatte: Was bedeutet öffentliches Interesse an der Stadt?

Umwidmungen, Stadtplanung, Stadtgestaltung und die Rolle des Fachbeirats in Wien: Volksanwaltschaft und Kammer der ZiviltechnikerInnen informieren gemeinsam.

Damit nicht einfach das Recht des Stärkeren gilt, hat unsere Gesellschaft Mechanismen entwickelt, wie das öffentliche Interesse in und bei diesen Prozessen der Veränderung gesichert werden kann
Vizepräsident Architekt DI Bernhard Sommer
Seit 40 Jahren hat die Volksanwaltschaft die Aufgabe Sachverhalte, die mit Raumordnung, Stadtplanung und Flächenwidmung zu tun haben, zu prüfen und darüber nachzudenken
Volksanwältin Dr. Getrude Brinek
Verträgliche Stadtentwicklung braucht umsichtige Planung. Es drängen die Finanzmärkte darauf, die Zukunft der Stadt zu bestimmen, bewohnen aber müssen die Menschen die Stadt auch weiterhin.
Architektin DI Hemma Fasch, langjähriges Mitglied des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung in Wien

Wien (OTS) - Auf großes Interesse stieß am 13. November das Thema der Fachdebatte "Was bedeutet öffentliches Interesse an der Stadt?", das von Planenden, Politiker(inne)n, Projektentwickelnden, Grundstückseigentümer(inne)n, Investor(inn)en, Bauträgern, Jurist(inn)en, Journalist(inn)en und Bürger(innen) diskutiert wurde. Damit nicht einfach das Recht des Stärkeren gilt, hat unsere Gesellschaft Mechanismen entwickelt, wie das öffentliche Interesse in und bei diesen Prozessen der Veränderung gesichert werden kann, stellt Vizepräsident Architekt DI Bernhard Sommer klar.

Seit 40 Jahren hat die Volksanwaltschaft die Aufgabe Sachverhalte, die mit Raumordnung, Stadtplanung und Flächenwidmung zu tun haben, zu prüfen und darüber nachzudenken, sagt Volksanwältin Dr. Gertrude Brinek.

Wichtiges Instrument des öffentlichen Interesses an der Stadtentwicklung, bei Entscheidungen über Grund und Boden, Flächenwidmungs- und Bebauungsplanänderungen, ist der Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung in Wien. Auf die Bedeutung des gutachterlichen Hinterfragens für alle Bewohnerinnen und Bewohner machte Architektin DI Hemma Fasch als langjähriges Mitglied des Fachbeirats aufmerksam: „Beiräte machen nur dann Sinn, wenn sie substantiell und kein Durchwinkgremium sind. Ich empfehle Beiräte von außen, national oder international zu bestellen, mit der Verpflichtung der Planungsenthaltung für die Dauer ihrer Berufung um Interessenkonflikte im Vorfeld auszuschließen.“ Fasch betonte: „Wichtig wäre ein stufenweiser Aufbau der Stadtentwicklungsprozesse. Zuerst steht die Erhebung von Parametern, den Rahmenbedingungen die ein bestimmtes Projekt auf ein Areal hat und darauf aufbauend sollte es einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Nicht umgekehrt, dass zuerst das Projekt feststeht und man sich danach Gedanken um die Verträglichkeit macht. Weiters ist der Fachbeirat schon in den Entwicklungsprozess einzubinden, dies geschieht in Wien noch nicht. Nur so kann die Empfehlungen des Fachbeirats vor Erstellung der Flächenwidmungs- und Bebauungsplanänderung einfließen. Verträgliche Stadtentwicklung braucht umsichtige Planung. Es drängen die Finanzmärkte darauf, die Zukunft der Stadt zu bestimmen, bewohnen aber müssen die Menschen die Stadt auch weiterhin.

Das öffentliche Interesse, unter anderem beim Projekt „Wiener Heumarkt“, wurde von Mag. Agnes Lier, Expertin für Baurecht in der Volksanwaltschaft, thematisiert: „Aus Sicht der Volksanwaltschaft ist es nicht gelungen, der Öffentlichkeit darzulegen, dass ihr Interesse bei der Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes gewahrt wurde und im Vordergrund stand.“

"Vielen Dank für die wertvollen Inputs der Volksanwaltschaft und an unsere Ziviltechniker(innen)", resümierte Präsident DI Peter Bauer die Fachdebatte und weiter, "besonders an die anwesenden Mitarbeiter(innen) der Stadt Wien. Sie verstehen unsere Fachdebatte als Diskussionsforum, schätzen den konstruktiven, interdisziplinären Diskurs und pflegen den Wissensaustausch, der so wichtig ist um gemeinsam besser zu werden. Weil uns allen unsere wunderschöne Stadt Wien wichtig ist.

Die "Stadt finden"-Fachdebatten finden an jedem 2. Montag des Monats statt und bringen die verschiedenen Aspekte des aktuellen Themas aus dem Bereich Stadtplanung und Städtebau zur Sprache. Nach den Impulsvorträgen können in der Publikumsdiskussion Fragen an die anwesenden Expertinnen und Experten gestellt werden. Hier finden Sie Fotos und Video der Fachdebatte vom 13.11.2017.

Hinweis auf die nächste Veranstaltung: Wie kommt Energie in die Stadtplanung?

Datum und Uhrzeit: Montag, 11. Dezember 2017, 18.00 bis 20.00 Uhr

Ort: TUtheSky, 11. OG, Getreidemarkt 9, 1060 Wien 

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine namentliche Anmeldung via E-Mail an kammer@arching.at ist aus organisatorischen Gründen notwendig. Detaillierte Informationen, Videos, Bilder sowie die Livestreams zu allen Fachdebatten finden Sie auf unserer Website.


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Rückfragen & Kontakt:

Kammer der ZiviltechnikerInnen für W, NÖ und Bgld.
Nina Krämer-Pölkhofer, MSc
Generalsekretärin
nina.kraemer@arching.at
T: +43 1 5051781-15
M: +43 664 1316428

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