- 16.11.2017, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung "Leitartikel" vom 17.11.17 von Ivona Jelcic "Verdonnert zum Dornröschenschlaf"
Innsbruck (OTS) - Wenn die Politik sich nach dem Bau des neuen
Zentraldepots nicht endlich auch zu einer Modernisierung von Zeughaus
und Ferdinandeum entschließt, werden die Tiroler Landesmuseen immer
weiter an Attraktivität und Besuchern verlieren.
Vor gut zwei Monaten wurde das Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ)
der Tiroler Landesmuseen feierlich in Betrieb genommen. Im neuen
Zentraldepot kann unter modernen Bedingungen gelagert und gearbeitet
werden. Der internationale Trend ging in Sachen Depots zuletzt
freilich in eine andere Richtung: Magazine wurden geöffnet,
Schaudepots eingerichtet. Hierzulande ging man einen anderen Weg. Man
möchte fast sagen: zum Glück. Denn so schleppend, wie an einer
Attraktivierung von Ferdinandeum und Zeughaus gearbeitet wird, muss
man eigentlich froh sein, dass nicht auch noch ein Schaudepot ihnen
Besucher abzieht. Die Zukunft der Museen, für die der Bau des SFZ
zweifellos stehen sollte, kann erst beginnen, wenn die nächsten,
logischen Schritte gesetzt werden. Denn letztlich herrscht ja dort
Handlungsbedarf, wo die Menschen ins Museum kommen (können). Doch die
Realität sieht anders aus. Der geplante Zeughaus-Umbau bis 2019:
abgesagt. Neuaufstellung des Ferdinandeum: mit 2023 in weite Ferne
gerückt. Da lassen sich auch politische Entscheidungen bequem
aufschieben.
Im Museumsverein wächst unterdessen die Unruhe.
Landesmuseen-Geschäftsführer Wolfgang Meighörner bleibt wiederum
nichts anderes übrig, als betreten darauf zu verweisen, dass man an
Konzepten arbeite. Was immer absurder klingt, denn Konzepte wurden
schon sonder Zahl erstellt, bezahlt und in unsichtbaren Schubladen
abgelegt.
Ein vermurkster Ferdinandeums-Umbau vom Beginn der 2000er-Jahre, für
den heute niemand mehr die Verantwortung übernehmen will, ist die
eine Sache. Der Handlungsbedarf, der jetzt, gerade nach der
SFZ-Eröffnung, besteht, ist eine andere. Doch ob es vom Land noch vor
den Wahlen 2018 finanzielle Zusagen, geschweige denn Beschlüsse geben
wird, ist langsam fraglich. Auf der Rechnung steht ja auch schon
einiges: SFZ und Tirol Panorama zusammengenommen, sind im letzten
Jahrzehnt rund 47 Mio. Euro in die Landesmuseen investiert worden.
Ferdinandeum und Zeughaus hängen derweil in der Warteschleife fest
und scheinen im Land keine Lobby zu haben. Kommt hinzu, dass die
Grünen, die einst scharfe oppositionelle Kritik auch an der schwarzen
Museumspolitik geübt hatten, das Thema Kulturpolitik mit Eintritt in
die Regierungsverantwortung an den Nagel gehängt haben. Kultur ist
offenbar nicht wichtig genug, um sich dafür den Groll des mächtigen
Koalitionspartners zuzuziehen. Sogar entgegen höherer Vernunft, die
bei den Museen dringend anzuwenden wäre.
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