Erster Ernst-Happel-Kaffeehaus-Talk mit Netzer, Herzog, Hasil, Palme, Körner

Wien (OTS) - Große Resonanz hat gestern die Premiere des Ernst Happel Kaffeehaus-Talks im Altwienerkaffeehaus Café Ritter Ottakring gefunden. Mehr als hunderttausend Menschen haben die von Christina Happel, der Enkelin von Ernst Happel, moderierte Auftaktsendung auf der Facebook-Seite https://www.facebook.com/happel.ernst/  mitverfolgt.

Anlässlich des 25. Todestages von Ernst Happel, des im Alter von 66 Jahren verstorbenen österreichischen Kulttrainers, hat Christina Happel mit Günter Netzer, Andreas Herzog, Franz Hasil, Alfred Körner und Heinz Palme über ihren Großvater diskutiert. Das Thema der Auftaktsendung lautete: „Mensch, Unikat, Phänomen – Anekdoten und Geschichten über Ernst Happel.“ 

Hier finden Sie die interessantesten Aussagen: 

Günter Netzer (mit Ernst Happel in den 80er Jahren beim HSV):  

  • Sein Erfolg war die Eintrittskarte für sein Benehmen. Ich hätte ihn auch manchmal an die Wand klatschen können, wenn er gewisse Dinge einfach nicht wollte. Aber wir loben ihn zu Recht. Er war der größte und der beste Trainer, den wir je gehabt haben. Keiner kommt an diesen Mann heran.
  • Ernst Happel war eine der ganz wenigen Phänomene im Fußball. Phänomene kann man eigentlich nicht erklären und nicht greifen, sie erscheinen.
  • Abseitsfalle, Forechecking, das gab es alles vorher nicht - Ernst Happel hat den Fußball verändert, er hat Deutschland verändert. Er hat für den deutschen Fußball Außerordentliches geleistet und ihn vorangebracht.
  • Ich war so sehr von Ernst Happel überzeugt. Ich wusste, er wird uns viel Freude machen. Deswegen bin ich damals zum DFB-Präsidenten und habe ihm gesagt: ‚Holen Sie diesen Mann ins Land, der wird fundamental wichtig sein für den deutschen Fußball. Der macht ganz andere Sachen als die herkömmlichen Trainer. Da wird ein ganz anderer Fußball gespielt. Ich kenne den Mann nicht, aber ich habe seine Mannschaften spielen sehen. Den müssen wir nach Deutschland holen.‘
  • Für die damalige Zeit war es fantastisch, welchen Stil Ernst Happel schon in den 60er- und 70er-Jahren praktizieren ließ. Aus den Lehrbüchern hatte er das nicht. Das waren sein Instinkt und seine Intuition, die ihn diese Art von Fußball entwickeln ließen.
  • Ernst Happel heute? Von seinem Auftreten her kann ich ihn mir heutzutage schwer als Trainer vorstellen. Ein Trainer muss heute Entertainer und noch viel mehr sein. Und das hätte er nicht akzeptiert. Ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre, wenn Ernst Happel so häufig zu Pressekonferenzen hätte gehen müssen. Damals waren Pressekonferenzen ein Alptraum. Ich habe schon am Weg zur Pressekonferenz gezittert. Und dann ist er hin, hat drei Sätze gesagt, ist aufgestanden und ist wieder gegangen.
  • Ad ÖFB-Teamchef: Es reicht nicht aus, dass der neue Teamchef ein Deutscher ist. Da müssen schon außergewöhnliche Qualitäten vorhanden sein    

ÖFB-Rekordnationalspieler Andreas Herzog, zweifacher Torschütze bei Happels letztem Länderspiel als ÖFB-Teamchef (5:2 gegen Israel, 28.10.1992):  

  • Er war vom ersten Tag an eine Erscheinung. Er hat wenig gesprochen, aber alles gesehen. Und das ist heute im Fußball das Allerwichtigste.
  • Ernst Happel war als Trainer ein Weltstar und unumstritten. Sein Spielstil war für die damalige Zeit extrem mutig. Das erfordert auch hohe Überzeugungsarbeit bei den Spielern.
  • Wir waren alle in Ehrfurcht als er Nationaltrainer geworden ist. Wir mussten pünktlich um 7 Uhr beim Frühstück sein. Wir waren alle schon um viertel vor 7 dort. Bis auf den Toni Polster. Der kam um 7 - mit den Worten: „Heast Trainer, mitten in der Nacht zum Frühstück!“ Der war aus Spanien andere Zeiten gewohnt.
  • Das 0:0 in Nürnberg nach Happels Tod war das einzige Spiel in meiner Karriere, das wir gegen Deutschland nicht verloren haben. Wenn wir länger mit ihm zusammenarbeiten hätten können, hätten wir vielleicht einmal gewonnen.
  • Ich habe meinen Ärger über die Teamchefbestellung aus der Emotion heraus kundgetan. Ich habe als Spieler immer Verantwortung übernommen und hätte jetzt auch gerne als Teamchef Verantwortung übernommen. Aber jetzt ist der Ärger vorbei. Ich drücke Franco Foda die Daumen. Für mich wird etwas Neues kommen. Die Deutschen haben die Siegermentalität. Die Deutschen gehen in jedes Spiel, im Glauben es zu gewinnen. Das habe ich von Jürgen Klinsmann mitgenommen. Und das wünsche ich auch Franco Foda, dass er das unseren Spielern vermittelt.

Franz Hasil, Meistercup- und Weltpokalsieger mit Feyenoord Rotterdam in den 70er Jahren unter Ernst Happel:

  • Er war als Trainer kein Entertainer. Er konnte den Gegner in der Sprache der Spieler in wenigen Worten erklären. Und das in dem ihm eigenen Kauderwelsch. Das war seine große Stärke.
  • Wir haben eine große Euphorie in Holland ausgelöst. Nach dem Europacupsieg 1970 konnten wir in Rotterdam nicht mehr landen. 100 000 begeisterte Menschen waren auf der Landebahn. Deshalb mussten wir nach Amsterdam ausweichen.
  • Ernst Happel hat zu mir gesagt, dass ich zur Audienz bei der holländischen Königin Juliana muss. „Sie haben aber einen schönen Beruf“, hat die Königin zu mir gesagt. Habe ich zu ihr gesagt: „Sie haben aber auch keine schlechte Hack`n“.
  • Zuerst hat mich Happel von Schalke nach Holland geholt, dann wollte er mich gleich wieder heimschicken. „Mit dem Oasch-Wiener-Gspü, was wöst du da? Renn um dein Leben. Wennst die ned änderst, schick I di wieder ham.“ Sage ich: Herr Happel, ich bin doch gerade erst gekommen.
  • Auch wenn manchmal sehr harte Worte gefallen sind - er war nie nachtragend. Er hatte menschliche Größe.

Rapid-Legende Alfred Körner, der fast zwei Jahrzehnte mit Ernst Happel bei Rapid und im österreichischen Nationalteam gekickt hat:

  • Solche Persönlichkeiten, wie er einer war, muss man mit der Lupe suchen.
  • Happel war ein Gassenbub. Wir sind im Park groß geworden. Angefangen haben wir mit keinem Fußball, sondern mit einem Fetzenlaberl.
  • Da Ernstl war ein Unikum. Er war nicht leicht, aber immer anständig. Ich höre auf jetzt mit dem Reden, weil sonst fange ich noch zum Weinen an.
  • Er war ein sehr fideler Mensch. Wir waren oft miteinander beim Heurigen. Da hat er mitgesungen, dass es eine Freude war.

Heinz Palme, der Happel 1992 als ÖFB-Pressechef auf Schritt und Tritt begleitet hat:

  • Er ist in den Raum gekommen und hat alles eingenommen. Man hat ihn angeschaut und war gefesselt. Das war das Außergewöhnliche an ihm.
  • Er war ein Wandervogel im positiven Sinne. Er war ein Vorreiter für den Gedanken eines großen vereinten Europas.
  • Ich bin zu 100% überzeugt, dass Ernst Happel mit seiner Besonderheit auch heute noch zu den Top-Trainern zählen würde.
  • Was mir bleibt, ist die schöne Erfahrung, wie nah ich dem Menschen Ernst Happel kommen durfte.

Hinweis:

Die Sendung finden Sie auf https://www.facebook.com/happel.ernst

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