Journalistinnenkongress 6: Heute dominiert in der Demokratie Manipulation über Information

Christine Bauer-Jelinek: Wie man Manipulation erkennt und dagegen vorgeht

Wien (OTS) - Wie kann man in einer Demokratie Manipulation erkennen und welche Maßnahmen wirken dagegen? Dieser Frage ging am 19. Österreichischen Journalistinnenkongress im Haus der Industrie in Wien die  Machtanalytikerin Christina Bauer-Jelinek in ihrem Workshop „MACHTWORT: bewerten - umwerten - abwerten - Warum wir oft Gutes meinen, aber Böses bewirken“ nach.

Machtkompetenz habe mit Verantwortung und Ethik zu tun und bedürfe einer feinen Abstimmung. Gewissenskonflikte gebe es etwa dann, wenn man etwas wolle, aber nicht dürfe - aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen oder Werte und Normen, sagte sie. 

Bauer-Jelinek wies darauf hin, dass sich in der Gesellschaft ein schleichender Wertewandel vollzogen habe. Während früher Freiheit, Gleichheit, Solidarität unausgesprochen gegolten, die soziale Gerechtigkeit sowie Partizipation eine große Rolle gespielt hätten, Teilen und Umverteilung Aufgabe der Politik gewesen seien, würden heute veränderte neoliberale Werte gelten.

Die Wertehülle jedoch sei gleich: Einst sei die Freiheit der BürgerInnen im Vordergrund gestanden, jetzt gehe es um die Freiheit des Handelns und des Kapitals. So sei es etwa dazu gekommen,  bei der es keine Verteilung mit der Gießkanne mehr gebe, sondern eine bedarfsorientierte Verteilung, bei der jede/r Einzelne nachweisen muss, dass sie oder er einen Bedarf habe.

Hochgehalten würden Werte wie Individualität - jeder sei Einzigartigkeit, Mobilität und Flexibilität. Bauer-Jelinek: „Wir erleben die größte Umwertung in der Geschichte der Propaganda.“ Viele Menschen hätten diesen Wandel jedoch nicht wahrgenommen, weil er meist schleichend erfolge. Es bedürfe der Aufklärung. 

Als Konsequenz führe dies dazu, dass die Spielregeln der Konzerne unreflektiert auf Kleinbetriebe, NGOS und Institutionen übertragen werden und das Selbstwertgefühl sozial denkender Menschen einbreche. Soziale Werte würden an Bedeutung verlieren, Gemeinschaft und Solidarität würden als gestrig gelten. 

Die Demokratie befindet sich laut Bauer-Jelinek derzeit in einem Stadium, in dem Manipulation die Information dominiere: „Ich kann heute etwas erfinden, es behaupten und es wird wahr“, so Bauer-Jelinek. Um Manipulation zu durchschauen, empfahl die Expertin die Macht der Worte zu erkennen und zu nutzen. Orientierung bei Inhaltsleere und Kampfrhetorik biete das Wertemanagement.

Hier könnten Tools wie das Werte-Quadrat von Friedemann Schulz von Thun hilfreich sein – oder aber  „Meta-Vernunft“.  Der allgemeine Wert eines Plans oder einer Aussage müsse auf das Konkrete heruntergebrochen werden, um den eigenen Standpunkt zu betonen, ohne den Standpunkt des Gegenübers abzuwerten. 

Viktoria Frühwirth - YoungStar

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