• 24.10.2017, 11:11:00
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  • OTS0095

HYPO Invest Club: Brexit als Chance zur Besinnung auf Regionalität

Nö. LR Schleritzko diskutierte mit HYPO NOE-Generaldirektor Harold und dem Präsidenten der Österreichisch-Britischen Gesellschaft Tiroch über die Chancen und Risiken des Brexits

"HYPO Invest Club" Podiumsdiskussion am 23.10.2017.
Thema: "Brexit – Startpunkt zur Neuordnung Europas?" v.l.n.r. KR Dr.
Kurt Tiroch, Kirsti Knolle, DI Ludwig Schleritzko, KR Dr. Peter
Harold, Moderatorin - Mag. Christiane Teschl, Botschafter Mag. iur.
LL.M Alexander Schallenberg

Utl.: Nö. LR Schleritzko diskutierte mit HYPO NOE-Generaldirektor
Harold und dem Präsidenten der Österreichisch-Britischen
Gesellschaft Tiroch über die Chancen und Risiken des Brexits =

Wien/St. Pölten (OTS) - Vor gut 120 exklusiv geladenen Gästen im
Palais Niederösterreich in Wien widmete sich der HYPO Invest Club am
Montagabend der Frage „Brexit – Startpunkt zur Neuordnung Europas?“
Gastgeber und Generaldirektor der HYPO NOE Landesbank für
Niederösterreich und Wien AG, Dr. Peter Harold, begrüßte seine Gäste
zum traditionellen HYPO NOE Clubabend, in der inzwischen elften
Auflage, wie Harold betonte: „Wir haben an dieser Stelle schon einige
relevante Themen diskutiert. Das Thema Brexit hat Einfluss auf die
Finanzmärkte und Implikationen für die Mitgliedstaaten. Veränderungen
bei Exportvereinbarungen haben z. B. Auswirkungen auf unsere
unternehmerisch tätigen Kunden, wir setzen uns daher mit diesem Thema
auseinander. Heute wollen wir gemeinsam ein Kapitel beleuchten, das
eine hohe Präjudizwirkung für ganz Europa hat.“

Am Podium nahmen der nö. Landesrat für Finanzen, DI Ludwig
Schleritzko, die Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters News
Agency, Kirsti Knolle sowie der Präsident der
Österreichisch-Britischen Gesellschaft, Dr. Kurt Tiroch, und
Botschafter Mag. Alexander Schallenberg, Sektionsleiter im
Außenministerium, Platz.

Rosinenpickerei muss vehement abgelehnt werden

Startpunkt der Diskussion war der aktuelle Stand der
Austrittsverhandlungen: „Das, was jetzt verhandelt wird, ist ein
Präzedenzfall – und schafft ein Vorbild für die anderen
Mitgliedstaaten, da muss man sehr vorsichtig sein. Die
Rosinenpickerei muss jedenfalls mit aller Vehemenz abgelehnt werden“,
betonte Landesrat Schleritzko. „Die EU ist hier letztlich Opfer der
britischen Innenpolitik, die britische Regierung wird ihren Bürgern
schwierige Kompromisse verkaufen müssen. Beim Thema Bürgerrechte ist
man schon sehr weit, bei den Finanzfragen fehlt noch der gemeinsame
Wille“, fasste Alexander Schallenberg den Stand der Verhandlungen
zusammen.

„Für Unternehmer ist die Rechtssicherheit das wichtigste Thema“,
berichtete Peter Harold von Gesprächen mit Wirtschaftstreibenden.
„Noch wissen wir nicht, wie der Brexit tatsächlich aussieht.
Konkretes ist offiziell noch nicht bekannt. Unternehmern geht es um
Fragen zu Zollbestimmungen, Ein- und Ausfuhrbestimmungen. Man sollte
möglichst bald die Leitlinien definieren, um Planungssicherheit zu
schaffen.“ „Die Schwierigkeit der Verhandlungen liegt tatsächlich im
Detail“, berichtete Alexander Schallenberg. Da gehe es z. B. um
Zulieferer, die den Flughafen Heathrow als Drehscheibe nutzen und ein
Jahr im Voraus planen. Tiroch brach für die Briten eine Lanze, indem
er einen Einblick in ihre Grundeinstellung zu den
Austrittsverhandlungen gab: „Die Diskrepanz liegt in der Einstellung
der Briten, die zu ihren Verpflichtungen stehen und es erledigen
wollen, und dem Rest der EU, wo noch viele Fragen ungeklärt sind."

Hier geht es nicht um Peanuts

Für seinen Einwand, dass eine der entscheidenden Fragen der im
nächsten Jahr anstehende Finanzrahmen sei, erntete Harold Zustimmung
von allen Seiten. „Hier geht es immerhin nicht um Peanuts, sondern
mehrere hundert Millionen Euro“, so der HYPO NOE Generaldirektor.

Auf die Frage nach möglichen Ursachen des Brexit-Votums meinte
Korrespondentin Kirsti Knolle, dass die Politik sich den
Veränderungen im Leben der Menschen nicht schnell genug angepasst
habe: „Das Leben der Leute hat sich mehr verändert als die Politik.
Das betrifft ihre Jobs, ihr Leben.“ Kurt Tiroch schloss sich diesem
Urteil an, indem er ergänzte: „Es gibt große Unsicherheiten
europaweit, viele Gewinner, aber auch Verlierer im System. Da hat die
Politik in Großbritannien auch nicht die richtigen Lösungen
angeboten.“

Direkte Kommunikation ist das beste Gegenmittel

Auf die Frage, ob die jetzige Krise Europas am fehlenden Vertrauen
zwischen Bürgern, Institutionen und Politik liege, betonte Landesrat
Ludwig Schleritzko, dass direkte Kommunikation immer das beste
Gegenmittel sei: „Wir sind viel unterwegs, um Stimmungen einzufangen,
um die Leute dort aufzusuchen, wo sie zu Hause sind. Nur im direkten
Austausch kann man Ängsten und Befürchtungen etwas entgegenhalten.“
Ähnlich sah es HYPO NOE-Generaldirektor Harold: „Persönlicher,
regionaler Kontakt ist gerade auch für Banken wichtig. Ein Beispiel:
die Kreditfinanzierung. Da ist ein standardisierter Online-Prozess
ohne persönlichen Ansprechpartner nicht hilfreich. Dass man jemanden
kennt, dass der Kunde sich wohlfühlt, weil er Vertrauen in die
Kompetenz der Beratung hat – darum geht es. Man muss Sicherheit
zeigen und sich dieses Vertrauen hart erarbeiten, es in der Folge
auch pflegen.“

EU soll sich um Kernfragen, nicht um Farbe der Pommes kümmern

Relative Einigkeit unter den Diskutanten herrschte bei der Frage, was
man aus dem Votum lernen kann. Tiroch: „Das Brexit-Ergebnis hat nicht
nur im UK, sondern auch in der EU eine Krise ausgelöst. Der Brexit
könnte sogar hilfreich sein, eine positive Entwicklung einzuleiten.
Vielleicht muss man wieder zum Kern zurück, Themen finden, die nur in
der Gemeinsamkeit gelöst werden können, andere Themen aber wieder an
die einzelnen Länder zurückgeben, wo sie besser angegangen werden
können." Auch Kirsti Knolle teilte diesen Eindruck: „Das Problem ist
erkannt. Die Staaten müssen sich einig werden, sich vor allem auch
trauen und Mut zeigen.“ Als „Weckruf“ bezeichnete Botschafter
Schallenberg das Brexit-Votum: „Es bedarf einer Kurskorrektur. Man
darf nicht das Gefühl haben, die EU ist eine
Konsumentenschutzorganisation, die sich nur um die Farbe der Pommes
frites kümmert, aber die gemeinsamen Außengrenzen nicht sichern kann.
Wenn man das Gefühl vermittelt, wir kümmern uns um die brennenden
Kernfragen, dann ist das der beste Weg, um Vertrauen
zurückzugewinnen.“

EU hat sich als Projektabwickler bewährt

„Die EU war immer dann erfolgreich, wenn sie große Projekte zu
stemmen hatte – sie ist ein großer Projektabwickler, da hat sich
diese Gemeinschaft bewährt. Die gemeinsame EU-Grenzsicherung wäre ein
konkretes Projekt, das uns einen könnte“, führte Schleritzko einen
wichtigen Punkt an. Man müsse aber die klaren Vorteile dieser
Gemeinschaft sehen. Der Landesrat betonte, dass es für ihn
„unvorstellbar ist, nicht Teil der EU zu sein. Niederösterreich hat
enorm profitiert, ist vom Rande Europas in die Mitte gerückt. Die EU
ist eine riesengroße Erfolgsgeschichte, aber wir stehen zum Europa
der Regionen, das ist entscheidend“, und machte schmunzelnd ein
Angebot an die britische Bevölkerung: "Wenn jemand abwandern will,
Niederösterreich bietet die besten Voraussetzungen.“

Regionalität ist auch für die EU eine Lösung

Einigkeit gab es in der Schlussrunde zur Frage der künftigen
EU-Ausrichtung: Regionen seien „deutlich näher als Nationalstaaten“,
so Tiroch. Es gehe um „Konzentration auf die wesentlichen Themen, die
man nur gemeinsam lösen kann“. „Die EU hat immer eine Lösung
gefunden, auch zum Brexit wird es eine Lösung geben. Man muss
regional verankert sein, die Leute kennen, dann ist man nicht nur als
Bank und Unternehmen gut aufgestellt, sondern auch als Europäische
Union“, so Harold.

Auch Alexander Schallenberg konnte sich dem anschließen: „Themen wie
Daseinsvorsorge und Sozialpolitisches sollte man dort belassen, wo
sie besser aufgehoben sind." Landesrat Schleritzko brachte es
abschließend auf den Punkt: „Richtige Entscheidungen muss man auf der
richtigen Ebene treffen: Große Themen soll man in Europa anpacken.
Aber kleine Themen, die besser regional gelöst werden können, sollte
die EU den einzelnen Ländern überlassen.“

Der von Christiane Teschl moderierten Podiumsdiskussion folgte eine
Diskussion mit den zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und dem
öffentlichen Leben. Die Veranstaltung war der elfte HYPO Invest Club,
nach der Premiere im Mai 2009 mit Prof. Lothar Späth als
Keynote-Speaker, dem Besuch von Hans-Dietrich Genscher anlässlich des
20. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer, dem Vortrag des
EU-Vizepräsidenten a. D. Günter Verheugen über die Zukunft Europas
und des Euro sowie der spannenden Diskussion mit Finanzminister Hans
Jörg Schelling im Vorjahr über Chancen und Risiken des
Wirtschaftsstandortes Österreich.

HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich und Wien AG

Die HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich und Wien AG zählt zu den
ältesten und größten Landesbanken Österreichs. 1888 gegründet, blickt
sie auf eine lange Tradition und Erfahrung im Banken- und
Finanzsektor zurück. Die HYPO NOE steht im 100%-Eigentum des Landes
Niederösterreich und kann somit auf einen stabilen und verlässlichen
Eigentümer bauen. Die Strategie basierend auf Regionalität,
Kundennähe und Nachhaltigkeit hat sich bewährt und wird daher
konsequent weiterverfolgt.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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