• 19.10.2017, 11:00:02
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  • OTS0072

Eröffnung des Kunst- und Gedenkprojekts „Herminengasse“ von Michaela Melián

Zur Deportation jüdischer Menschen aus der Herminengasse 1938 bis 1945

Utl.: Zur Deportation jüdischer Menschen aus der Herminengasse 1938
bis 1945 =

Wien (OTS) - 800 Jüdinnen und Juden wurden in der Zeit von 1938 bis
1945 aus der Herminengasse deportiert. Die Wiener Linien und KÖR
Kunst im öffentlichen Raum Wien widmen diesen Opfern des
Nationalsozialismus ein Kunst- und Gedenkprojekt, das von der
Künstlerin Michaela Melián realisiert wurde.

„Erinnerungskultur in Wien entwickelt sich stets weiter und ist
ein lebendiger, nie abgeschlossener Prozess. Die ‚Herminengasse‘
belegt dies eindrucksvoll. Hier wurde die Geschichte der Bewohner der
Straße in einem weltweit einmaligen Forschungsprojekt aufgearbeitet,
gleichzeitig wurde in Erinnerung an die deportierten Jüdinnen und
Juden ein prägnantes Kunstwerk geschaffen. Die Passage erfährt damit
eine historische Kontextualisierung: Zahlreiche PassantInnen werden
hier täglich in Konfrontation mit dem Kunstwerk zu ZeugInnen“, betont
Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

„Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin zum Europäischen Parlament: „Als
Bewohnerin der Herminengasse habe ich mich schon im Jahr 2008 dafür
eingesetzt, dass es ein Denkmal für die 800 Jüdinnen und Juden gibt,
die in den Jahren 1941 und 42 aus der Herminengasse deportiert und in
den Konzentrationslagern getötet wurden. Auch das Haus Herminengasse
Nummer 8, ein jüdisches Bethaus, wurde in der Novemberprogrom-Nacht
niedergebrannt. Das Denkmal, das heute enthüllt wird, zeichnet die
einzelnen Schicksale dieser Menschen nach und trägt damit zur
Erinnerungskultur in Wien bei. Wir gedenken der Opfer und werden sie
niemals vergessen“.

„Die Wiener Linien sind sich als städtisches Unternehmen mit
langer Tradition ihrer Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte
und der Geschichte der Stadt bewusst. Daher war es uns besonders
wichtig, an diesem historisch so belasteten Ort nicht nur eine
schlichte Gedenktafel anzubringen, um auf das Leid so vieler Menschen
aufmerksam zu machen. Mit der Arbeit der Künstlerin Michaela Melián,
die auf dem Forschungsprojekt der Historikerin Tina Walzer beruht,
ist es gelungen, die tragischen Ereignisse auf sensible Art greifbar
zu machen und in die heutige Zeit zu übersetzen. Das Kunstwerk
leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung dieses dunklen
Kapitels der Geschichte unserer Stadt, der wir uns bewusst stellen“,
so Günter Steinbauer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wiener
Linien

Zwt.: Zum Kunstwerk

Die Künstlerin Michaela Melián wurde von KÖR Kunst im öffentlichen
Raum Wien und den Wiener Linien eingeladen, ein Projekt in der
U-Bahn-Station Schottenring zu realisieren. Ihre Arbeit beschäftigt
sich mit den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus aus einem
Straßenzug, dessen Namen der nördliche Ausgang aus der Station trägt:
Herminengasse. In der Herminengasse, einer klassischen Wiener Gasse,
die von mehrstöckigen Gründerzeitbauten gesäumt ist, ergab ein
historisch-wissenschaftliches Forschungsprojekt, dass in der Zeit von
1938-1945 nachweislich 800 Jüdinnen und Juden die Herminengasse zu
unterschiedlichen Deportationszielen verlassen mussten. Melián
zeichnet diese Einzelschicksale nach, indem sie jede Person mit einer
Linie versieht. Eine Linie, die von Wohnhäusern der Herminengasse zu
den Konzentrationslagern bzw. Ghettos führt.

Zwt.: Zum Forschungsprojekt

Im begleitenden Forschungsprojekt ging es vor allem darum,
Menschen zu finden, die in der Herminengasse als Juden verfolgt
wurden. Insgesamt konnten mehr als 1.400 verfolgte Personen gefunden
werden, 800 davon wurden in den Vernichtungslagern ermordet.
Von den 21 Häusern, die die Herminengasse umfasst, standen zu Beginn
der NS-Herrschaft elf in jüdischem Besitz. Neun davon wurden
enteignet. In zwei Häusern wurden Sammellager eingerichtet, in
weiteren acht Häusern befanden sich Sammelwohnungen.
Das Projekt ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der
NS-Vergangenheit Österreichs. Jene Menschen, die willkürlich aus der
Bevölkerung Wiens ausgesondert, verfolgt, beraubt, vertrieben und
ermordet wurden, werden so ins Gedächtnis der Stadt zurückgeholt.
Am 19. Oktober 1941 ging der 9. Transport von Wien – Aspangbahnhof
ins Ghetto Locz/Litzmannstadt, es wurden 1000 Personen deportiert.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

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