100 Jahre Oktoberrevolution: „Blaues Blut und rote Fahnen“ – Ruth Mayenburgs Lebensgeschichte einer Kommunistin in „Menschen & Mächte“

Am 18. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2, danach „WELTjournal +: Chruschtschow – Reise zum Feind“

Wien (OTS) - Den 100. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution nimmt Robert Gokls „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Blaues Blut und rote Fahnen – Ruth Mayenburg: Lebensgeschichte einer Kommunistin“ am Mittwoch, dem 18. Oktober 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2 zum Anlass, um sich mit den Auswirkungen auf Österreich zu beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei Ruth Mayenburg. In ihrer faszinierenden Lebensgeschichte spiegelt sich ein Jahrhundert österreichischer Zeitgeschichte. Es war ein Leben zwischen Extremen: adelige Herkunft, liberal-bürgerliche Bildung, kommunistische Überzeugung, Spionagetätigkeit, lebensgefährliche Kriegserfahrung und schließlich künstlerische Karriere. Wie viele Österreicherinnen und Österreicher glaubte auch Ruth Mayenburg, dass der Russischen Revolution von 1917 ein Staat der Gerechtigkeit und Chancengleichheit folgen werde, gleichsam ein ideologisches und revolutionäres Vorbild für eine bessere Welt. Sie glaubte fest an das Versprechen einer besseren Zukunft im Kommunismus. Wie viele andere auch konnte sie aber miterleben, wie unter Josef Stalin daraus eines der furchtbarsten Terrorregime der Menschheitsgeschichte wurde.

Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „100 Jahre Oktoberrevolution“ (Details unter presse.ORF.at) zeichnet „WELTjournal +“ um 23.25 Uhr in „Chruschtschow – Reise zum Feind“ den legendären US-Besuch des sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow im Herbst 1959 nach. Anhand verschollen geglaubten Archivmaterials, Chruschtschows eigenen Tonbandaufzeichnungen und den damaligen Radio- und TV-Berichten zeigt der Film eine menschliche und gleichzeitig hochpolitische Geschichte über einen historischen Besuch am Höhepunkt des Kalten Krieges.

Menschen & Mächte: „Blaues Blut und rote Fahnen – Ruth Mayenburg:
Lebensgeschichte einer Kommunistin“

Bereits bei der Ausrufung der Republik 1918 verlangte die KPÖ, eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt, die Errichtung einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild. Ein Jahr zuvor war in Russland der Zar gestürzt und unter Lenin eine Diktatur des Proletariats begründet worden. Ihre Erfahrungen als Studentin im „Roten Wien“ machten Ruth Mayenburg zur Sozialdemokratin: „Es war ganz natürlich, dass die jungen Leute nach links rückten!“ Wie viele Sozialdemokraten schließt sich Ruth Mayenburg nach der Zerstörung der Demokratie und dem Bürgerkrieg 1934 dem Kommunismus an. Ihre Tochter Marina Fischer-Kowalski erinnert sich: „Für meine Mutter war die Sowjetunion das einzige Land, das dem Faschismus ernsthaft die Stirn bot!“

Ruth Mayenburg arbeitete in den 1930er Jahren als sowjetische Spionin gegen Nazi-Deutschland, bei Kriegsbeginn als Komintern-Mitarbeiterin in Moskau, dann als Agitatorin in der deutschsprachigen Sektion von Radio Moskau, dann an der Front und in den deutschen Kriegsgefangenenlagern. 1945 kehrte sie mit der Roten Armee nach Österreich zurück. In den langen und oft blutigen Jahren des Kampfes im Widerstand und im Exil hatten viele Kommunisten auf ein vom Faschismus befreites Österreich gehofft: Die kommunistische Widerstandskämpferin Maria Cäsar erzählt im Film von der Gestapo-Haft: „Ich bin fünfzehneinhalb Monate eingesperrt gewesen im Grazer Landesgericht!“

Lisa Schüller, die spätere Russischlehrerin im ORF, erinnert sich an ihre Jugend im Hotel Lux in Moskau: „1945 war endlich der Krieg vorbei – und wir haben die Hakenkreuzfahnen auf dem Roten Platz verbrannt!“ Walter Stern aus einer Wiener jüdischen Familie war britischer Soldat und Dolmetscher in Kriegsverbrecher-Prozessen 1945:
„Das Überleben hat sich gelohnt – aber das Österreich nach 1945 war auch nicht so, wie wir es uns gedacht haben.“ Elfriede Stern erzählt vom Überleben als „halbjüdisches“ Kind in Wien und von der Freude der Befreiung 1945: „Österreich ist frei! – Das haben wir Kommunisten nicht erst 1955 gesagt, sondern schon 1945!“

Es folgten lange Jahre der Diskussionen um das Ausmaß des Massenmords unter Stalin und die Menschenrechtsverletzungen der Sowjetunion bei der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes 1956 genauso wie des Prager Frühlings 1968. Ruth Mayenburg distanzierte sich bereits in den 1950er Jahren vom Kommunismus sowjetischer Prägung: „Diese kritische Distanz ist immer größer geworden. Ich bin jetzt eine kritische Linke ohne Partei.“ Ihr erster Ehemann Ernst Fischer brach 1968 völlig mit der KPÖ. Viele andere verließen die Partei oder wurden ausgeschlossen. Die KPÖ selbst aber blieb Moskau-treu, bis zum Ende der Sowjetunion.

In den 1970er Jahren waren vor allem Studenten wieder fasziniert von den Schriften von Marx und Engels – ohne sich deshalb der Sowjetunion verpflichtet zu fühlen. Klaus Eberhartinger, später Sänger der EAV, wollte der teilweise rechtsradikalen Stimmung, die er während seiner Studentenzeit in Graz erlebte, etwas entgegensetzen. Bereits nach einem ersten Auftritt in der DDR war er dann aber wieder auf Distanz zum Kommunismus gegangen. Wie viele andere sieht er seine jugendliche Überzeugung heute so: „Wer mit 20 nicht Kommunist ist, der hat kein Herz! Aber wer mit 40 immer noch Kommunist ist, der hat kein Hirn!“ 1981 zog Ruth Mayenburg dann auch öffentlich eine klare Trennlinie zum Sowjetkommunismus. Bereits schwerkrank erlebte sie noch den Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1989, bevor sie 1993 in Wien starb.

WELTjournal +: „Chruschtschow – Reise zum Feind“

Im Herbst 1959, zu einer Zeit, als viele Amerikaner sich aus Angst vor einem Atomkrieg zwischen den verfeindeten Supermächten in ihrem Garten Atombunker bauten, besucht Chruschtschow für 13 Tage die USA – und schafft es mit Charme, Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit, die anfangs arrogant-distanzierte bis feindselige Stimmung der Amerikaner in Jubel, Standing Ovations und einen Medienrummel ungeahnten Ausmaßes umzudrehen. Die legendäre USA-Reise des damaligen sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow am Höhepunkt des Kalten Krieges ist in die Geschichte eingegangen: Kaum ein Staatsbesuch hat jemals so viele Anekdoten geliefert und war so geprägt von ungeahnter Situationskomik und unerwarteten Wendungen.

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