90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich

Wien (OTS) - 1927 wurde in Wien die erste Waldorfschule gegründet. Am Samstag feiert der Waldorfbund im Wiener Museumsquartier 90 Jahre Waldorfpädagogik in Österreich und reflektiert über Erfolge wie Herausforderungen. Waldorfschulen leisten seit Jahrzehnten pädagogische Pionierarbeit und werden dennoch eklatant benachteiligt.

Der Traum von einer Waldorfpädagogik in Österreich war zu Beginn schnell ausgeträumt. Die erste Waldorfschule wurde nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten geschlossen und deren Tätigkeit 1938 verboten. Erst zwanzig Jahre nach Kriegsende wurde ein neuer Anlauf genommen, zuerst im Erdgeschoß einer Volksschule, 1968 wurde dann die Rudolf-Steiner-Schule in Mauer gegründet. Mit den 70er Jahren begann die Etablierung der Waldorfpädagogik. Heute besuchen rund 3.000 Schüler eine der 18 Waldorfschulen in ganz Österreich. Zentrale Elemente der Waldorfpädagogik wurden in das Regelschulsystem übernommen, etwa das Aufbrechen der 50-Minuten-Einheiten, verschränkter Unterricht, verbale Beurteilungen, Schulautonomie und Ganztagsunterricht. Die Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts ab der ersten Klasse und der gemeinsame Unterricht beider Geschlechter in Handarbeiten und Werken, wurde zuerst an Waldorfschulen erfolgreich erprobt, dann von den Regelschulen übernommen. Auch die in Waldorfschulen entwickelte Idee der mehrwöchigen Praktika, Projektunterricht und vorwissenschaftliche Arbeiten haben ihren Eingang ins öffentliche Schulsystem gefunden.

Qualität der Waldorfpädagogik in PISA-Test bestätigt

Waldorfschulen zielen auf die ganzheitliche Förderung jedes einzelnen Schülers ab. Dass dieser Ansatz auch zu erfolgreichen Abschlüssen führt, zeigt seit Jahren die BIFIE-Auswertung der Waldorfschulen beim PISA-Test. Hier liegen die Waldorfschüler in den Fächern Naturwissenschaft und Lesen signifikant über dem Österreich-Schnitt. Die Maturaraten der Waldorfschulen liegen österreichweit bei über 80 Prozent. „Allein an unserer Schule maturieren mittlerweile 90 bis 95 Prozent aller Schüler. Erfolgreicher Bildungsabschluss und ganzheitliche Entfaltung der Schüler sind kein Widerspruch. Unsere Schulen sind aus gutem Grund seit Jahrzehnten Ideenschmiden und Impulsgeber für Regelschulen wie konfessionelle Privatschulen“, sagt Engelbert Sperl, Geschäftsführer der Rudolf-Steiner-Schule in Wien-Mauer. Umso mehr ärgert Sperl und seine Mitstreiter, die Schlechterstellung der Waldorfschulen.

Das Ungleichgewicht in Zahlen

Denn während konfessionelle Privatschulen einen Rechtsanspruch auf Subventionen zur Deckung ihres gesamten Personalaufwands haben, werden nichtkonfessionelle Privatschulen wie Waldorfschulen nur mit Ermessensförderungen bedacht, die den Personalaufwand nicht annähernd decken. Staatliche Schulen werden um das Zwölffache höher gefördert als Waldorfschulen; öffentliche und konfessionelle Volksschulen gemeinsam werden um das Zehnfache höher gefördert, nämlich mit 7.300 Euro pro Schüler und Jahr versus 726 Euro pro Schüler und Jahr an Waldorfschulen. „Ohne die finanzielle Gleichstellung mit den konfessionellen Privatschulen ist der Schulbetrieb auf Dauer nicht finanzierbar. Unser Antrag auf Gleichstellung wurde im März vom VfGH zurückgewiesen. Jetzt haben unsere Schulen Förderbescheide beantragt, um mit den Negativbescheiden ein Bescheidprüfungsverfahren beim Bundesverwaltungsgericht anzustreben“, sagt Angelika Lütkenhorst vom Waldorfbund Österreich.

„Bildungsreform“ beschlossen – Waldorfschulen gehen leer aus

Für Sperl ist vor allem absurd, „dass vor dem Sommer ein Schulautonomiepaket beschlossen wurde, das just jene Schulen, die seit Jahrzehnten Schulautonomie leben, eklatant benachteiligt. Die Politik begründet die Ungleichbehandlung mit dem Privatschulgesetz, das 1962 zu einem Zeitpunkt in Kraft trat, als es noch keine Waldorfschulen gab. Akzeptieren werden wir diese Untätigkeit aber nicht. Was politisch nicht entschieden wird, wird auf dem Rechtsweg erstritten.“

Waldorf live im Wiener Museumsquartier

Über diese und weitere Herausforderungen der Waldorfpädagogik in Österreich wird auch beim Jubiläumsfest am 14. Oktober im Museumsquartier diskutiert. Um 10.30 Uhr wird die Feier mit einem gewaltigen Klangkörper aus einem aus vier Waldorfschulen gemeinsam gebildeten Orchester gebührend eröffnet. Nach einem Festvortrag über den „österreichischen Weg der Waldorfpädagogik“ geben die Schülerinnen und Schüler mit verschiedensten Ausdrucksmöglichkeiten wie Sprache, Musik, Tanz und Bewegung Einblick in die pädagogische Praxis österreichischer Waldorfschulen. Der Waldorfbund und seine Kindergärten und Schulen präsentieren sich Kindern und Eltern aus ganz Österreich und laden Absolventen, Pädagogen und Bildungsexperten zum Austausch ins Museumsquartier ein. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion um 16.30 Uhr zum Thema „Impulse und Herausforderungen moderner Pädagogik“ werden Perspektiven für eine moderne Waldorfpädagogik diskutiert.

Alle Informationen zur Festveranstaltung unter: http://www.waldorf.jetzt

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Mag. Christina Aumayr-Hajek
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