• 09.10.2017, 12:57:06
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  • OTS0128

Arbeiter=Angestellte: Kärntner Gewerbe warnt vor Husch-Pfusch

Diskussion trifft Branche in einer Phase „leichter Zuversicht“, vermelden Spartenobmann Kronlechner und KMU-Forscher Bornett. Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse.

Utl.: Diskussion trifft Branche in einer Phase „leichter
Zuversicht“, vermelden Spartenobmann Kronlechner und
KMU-Forscher Bornett. Fachkräftemangel wird zur
Wachstumsbremse. =

Klagenfurt (OTS) - Keine grundsätzliche Ablehnung, aber eine
eindringliche Warnung vor einer „Husch-Pfusch-Aktion“: Das ist die
Botschaft der Sparte Gewerbe und Handwerk in Kärnten zu den Plänen,
noch vor der Nationalratswahl eine Angleichung von Arbeitern und
Angestellten im Nationalrat durchzupeitschen. „Das würde vor allem im
Bau- und Baunebengewerbe, aber auch im Tourismus dramatische Folgen
haben“, warnte heute Spartenobmann Klaus Kronlechner in einem
Pressegespräch.

„Größte Besorgnis“ gibt es in der Baubranche: „Wir arbeiten im Freien
und können doch nicht im Mai unsere Mitarbeiter kündigen, damit wir
sie vielleicht im Oktober freisetzen können“, erklärte Baumeister
Karl Glanznig. Österreichweit würde das zusätzliche Kosten von etwa
150 Millionen Euro bedeuten: „Die Baufirmen können das sicher nicht
tragen und müssen das über die Stundenkosten an ihre Kunden
weitergeben. Wir stehen zu einer mittelfristigen Angleichung, aber
das ist völlig unausgegoren.“

Das sieht auch Kronlechner so: „Im 21. Jahrhundert hat die bestehende
Differenzierung ausgedient, aber die Anpassung muss
sozialpartnerschaftlich entsprechend vorbereitet werden. Nur weil die
Damen und Herren, die noch nie Löhne gezahlt haben, kurz vor der Wahl
in Geberlaune sind, soll eine ganze Branche in kaum vorhersehbarem
Maß belastet werden?“

Diese Debatte trifft das Kärntner Gewerbe mitten in einem leichten
konjunkturellen Auf-schwung. Die Stimmungslage verbessert sich -
immerhin meldeten 22 Prozent der Betriebe eine gute Geschäftslage.
Generell ist die Stimmung gut und das Kärntner Gewerbe nähert sich
wieder dem ebenfalls positiven Österreichschnitt an. Für den Zeitraum
von Juni bis September 2017 meldeten nur mehr 10% (im Vorjahr waren
es 30%) eine schlechte Beurteilung der Geschäftslage. Erfreulich ist
der Zuwachs in den investitionsnahen Branchen um 5,8%, auch die
konsumnahen Branchen melden leichte Umsatzzuwächse und dürften den
Rückgang des Vorjahres überwunden haben. Professor Walter Bornett von
der KMU Forschung Austria: „Als Optimist sehe ich das Glas halbvoll,
beim Saldo der Erwartungshaltung für das vierte Quartal – 17 Prozent
schlechter, neun Prozent besser – bin ich schon nicht mehr ganz so
zuversichtlich.“

Nach eigenen Eindrücken geht Spartenobmann Kronlechner von 25 bis 30
Prozent der Unternehmen aus, die derzeit volle Auftragsbücher hätten;
der Mittelstand habe noch Kapazitäten, ein Drittel laviere sich immer
noch durch. Konkret nannte Kronlechner, der ein
Kältetechnikunternehmen leitet, den Exportschub der Industrie und den
Tourismus als Konjunkturmotoren: Hier sei viel in Qualität investiert
worden. Der private Sektor sei hingegen rückläufig, wofür Kronlechner
auch das Auslaufen des Handwerkerbonus verantwortlich macht: „Davon
haben vor allem die Bereiche Sanierung und Raumausstattung
profitiert. Ich hoffe darauf, dass die nächste Bundesregierung eine
Fortsetzung beschließt.“ Auch Bornett unterstrich, dass es zwar
Fördermöglichkeiten für größere Unternehmen, wie etwa die
Investitionszuwachsprämie, geben müsse; der Schlüssel für einen
erfolgreichen Wirtschaftsstandort liege allerdings im Zusammenspiel
von Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben: „Eine Forschungsprämie ist für
die Großen sinnvoll, aber es braucht parallel dazu auch Anreize für
die Kleinen wie den Handwerkerbonus oder die vorzeitige Abschreibung.
Das hat früher der Steuerberater mitgemacht.“

Als Wachstumsbremse der Zukunft bezeichnete Kronlechner den
zunehmenden Fachkräf-temangel. Dies sei vor allem darauf
zurückzuführen, dass mehr als die Hälfte der mit 18.000 Mitgliedern
bei weitem stärksten Sparte der Kärntner Wirtschaft bereits
Ein-Personen-Unternehmen seien: „Uns gehen die Dienstgeber- und damit
die Ausbildungsbetriebe ab.“

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