- 03.10.2017, 17:34:37
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Schönborn: Gutes Miteinander von Kirchen und Religionen bewahren
Bundespräsident Van der Bellen lud Vertreter der Kirchen und Religionen in Österreich zum Austausch in die Wiener Hofburg - Klares Bekenntnis zum konfessionellen Religionsunterricht - Demokratische Grundwerte und Rechtsordnung sind Basis für Zusammenleben
Utl.: Bundespräsident Van der Bellen lud Vertreter der Kirchen und
Religionen in Österreich zum Austausch in die Wiener Hofburg -
Klares Bekenntnis zum konfessionellen Religionsunterricht -
Demokratische Grundwerte und Rechtsordnung sind Basis für
Zusammenleben =
Wien (KAP) - Das gute Miteinander von Kirchen und Religionen, wie es
in Österreich der Fall ist, muss stets aufs Neue erarbeitet und damit
bewahrt werden. Das hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner Rede
am Dienstagnachmittag beim Empfang von Bundespräsident Alexander Van
der Bellen für die Vertreter der Kirchen und Religionen in Österreich
betont. Neben dem Kardinal waren der lutherische Bischof Michael
Bünker, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der
Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich,
Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der Einladung in die Hofburg
gefolgt. Der Islam war u.a. von Ibrahim Olgun, Präsident der
Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, vertreten, das
Judentum von Rabbiner Schlomo Hofmeister.
"Wir müssen wachsam bleiben", appellierte Schönborn an die
Religionsvertreter, "damit wir den Weg des Miteinander nicht
verlieren". Große Sorge würden ihm weltweite Entwicklungen in
Richtung einer Nationalisierung von Religionen bereiten, so der
Kardinal. Er verwies auf den Hindu-Nationalismus in Indien, radikale
Bewegungen in Sri Lanka, die das Land als ein einheitlich
buddhistisches sehn wollten oder auch auf die Verfolgung der
muslimischen Minderheit der Rohyngia in Myanmar. Zugleich sei die
Religionsfreiheit auch in vielen islamischen Ländern nicht gegeben.
Schönborn wie auch Bundespräsident Van der Bellen schworen die
Vertreter der gesetzlich anerkannten Kirchen und
Religionsgemeinschaften in seiner Rede auf die demokratische
Rechtsordnung bzw. die demokratischen Grundwerte der Gesellschaft
ein.
Ja zum Religionsunterricht
Der Kardinal bekräftigte einmal mehr die Position der Kirchen zu
einem Ethikunterricht als verpflichtende Alternative zum
Religionsunterricht. Der weltanschaulich neutrale Staat habe nicht
die primäre Aufgabe, ein Ethos zu vermitteln bzw. zu geben. "Wir sind
überzeugt, dass Religionen tatsächlich so etwas wie die genuinen
Ethos-Vermittler sind", so Schönborn wörtlich. Aber auch für jene,
die nicht religiös sind, müsse es eine echte und ernste Reflexion
über die ethischen Grundfragen geben.
Ausdrücklich hob auch der Bundespräsident das Recht der Kirchen und
Religionsgemeinschaften auf Erteilung des Religionsunterrichts in
öffentlichen Schulen hervor. Viele Kirchen und Religionen würden
zudem selbst oder durch Trägerorganisationen Schulen und Kindergärten
führen und damit einen wesentlichen Dienst im Rahmen des
Erziehungswesens in Österreich leisten. Dabei sei freilich stets an
jene Grundwerte zu erinnern, die in der Bundesverfassung für die
Schulen festgelegt sind: "Demokratie, Humanität, Solidarität, Friede
und Gerechtigkeit, sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den
Menschen."
Kirchen sollen sich zu Wort melden
Religionen seien so alt wie die Menschheit selbst, in der
säkularisierten gegenwärtigen Gesellschaft werde Religion allerdings
von Grund auf hinterfragt, so Bundespräsident Van der Bellen in
seinen Ausführungen. Viele Menschen wüssten mit Transzendenz nichts
mehr anzufangen. Die Wissenschaft habe aber ihre Grenzen und es werde
bei allem Fortschritt wohl immer Bereiche der menschlichen Existenz
geben, "in denen die Wissenschaft nicht weiterhilft", räumte der
Bundespräsident ein.
Ausdrücklich würdigte Van der Bellen das soziale Wirken der Kirchen
und Religionen: "Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag für den
Zusammenhalt unserer Gesellschaft." Auch die Kritik an einem
"überbordenden Kapitalismus" oder die Förderung des Umweltschutzes
seien wesentliche Elemente, die die Kirchen zur öffentlichen
Bewusstseinsbildung beitragen würden.
Mit Recht würden die Kirchen und Religionen sich auch bei politisch
kontroversiellen Themen zu Wort melden. Der Bundespräsident nannte
wörtlich Themen wie die aktive Sterbehilfe, Abtreibung,
Homosexualität oder Fragen des Familienrechts. Gegenteilige
Standpunkte seien aber genauso zu bedenken, denn der weltanschauliche
Pluralismus gehöre zu den Grundlagen des Gemeinwesens. "Und die
staatliche Rechtsordnung hat Vorrang gegenüber Ordnungen der
Religionsgesellschaften. Behauptete Verstöße gegen Grundrechte sind
im Rechtsweg auszutragen", hielt Van der Bellen wörtlich fest.
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