Tabuthema metastasierter Brustkrebs: Krankheit als Schuld, neue Therapieoptionen und Wege aus der Sprachlosigkeit

Die Diagnose als Einschnitt ins Leben – in medizinischer, psychologischer und sozialer Hinsicht. Neue Perspektiven für Patientinnen durch Forschung.

Wien (OTS) - Fortgeschrittener (metastasierter) Brustkrebs ist noch immer nicht heilbar, weshalb das Sprechen über die Erkrankung tabuisiert ist und Stigmata über Betroffene sich hartnäckig halten. Die Situation betroffener Frauen unterscheidet sich deutlich von derjenigen von Brustkrebspatientinnen im Frühstadium. Angst, Ungewissheit, Isolation und Diskriminierung umgeben das Thema und schaffen eine Atmosphäre des Schweigens, die ein besseres Verständnis für das Leben von Menschen mit metastasiertem Brustkrebs verhindert. Was die Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ für betroffene Frauen bedeutet, warum sie ein Tabuthema ist, welche Perspektiven Patientinnen haben und welche Wege es aus der Sprachlosigkeit gibt, diskutierten Brustkrebs-Experte Univ.-Prof. Dr. Günther Steger, Medizinische Universität – AKH Wien, Mag. Sabine Spitz, Vizepräsidentin Europa Donna und Brustkrebs-Betroffene, Psychoonkologin Dr. Tilly Egger sowie Mag. Bernhard Mraz, Medical Director Novartis Oncology, im Rahmen eines von Novartis Oncology veranstalteten Pressegesprächs.

Nicht heilbar, aber immer besser behandelbar

Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.[1] Immerhin 80 % können heute so gut therapiert werden, dass sie danach krebsfrei sind. Bei den anderen kann sich der Krebs im weiteren Krankheitsverlauf ausbreiten. Dabei spricht man von einem „metastasierten Mammakarzinom“. Geschätzte 1.500 Österreicherinnen – vorwiegend Frauen über 50 Jahren – sind jährlich mit der Diagnose konfrontiert.[2] Für Betroffene bedeutet dies einen grundlegenden Perspektivenwechsel und Einschnitt ins Leben – sowohl in medizinischer als auch psychologischer und sozialer Hinsicht. Die besonderen Bedürfnisse dieser Patientinnen sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt, denn die breite Aufmerksamkeit fokussiert auf Früherkennung und Brustkrebs im Anfangsstadium. Während Brustkrebs im Frühstadium heute in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden kann, sind Metastasen für die meisten der Brustkrebs-bedingten Todesfälle verantwortlich.[3] Seit Kurzem gibt es jedoch auch für den fortgeschrittenen Brustkrebs neue Therapieansätze, die in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse im Hinblick auf eine längere progressionsfreie Überlebenszeit hervorgebracht haben. „Der metastasierte Brustkrebs gilt zwar noch immer als unheilbar. Mit zielgerichteten Therapien, wie z.B. den  CDK4/6-Inhibitoren verbessern sich jedoch die Behandlungsoptionen zunehmend. Aus der lebensbedrohlichen kann so eine potentiell chronische Erkrankung werden. Dank kontinuierlicher Forschung und Weiterentwicklung der bestehenden Therapien haben Betroffene eine gute Chance, ein Leben mit einer hohen Lebenserwartung bei guter Lebensqualität zu führen, “ erklärt Univ.-Prof. Dr. Günther Steger.

Gesellschaftliche Stigmatisierung, Krankheit als Schuld 

Obwohl immer mehr Frauen betroffen sind, ist das Thema fortgeschrittener Brustkrebs oft mit Sprachlosigkeit und Ohnmachtsgefühlen verbunden. Betroffene fühlen sich allein gelassen, stigmatisiert, hilflos. „Hat jemand einen Herzinfarkt, wird das als Erkrankung aufgrund von Leistung wahrgenommen; bei Krebs hingegen wird die Krankheit als Schuld empfunden. Das reicht bis hin zu Formulierungen wie ‚sie haben nicht auf die Therapie angesprochen‘  - was bei genauer Betrachtung ein Scheitern der Patientin impliziert“, skizzierte Psychoonkologin Dr. Tilli Egger eine Stigmatisierung, mit der Krebspatientinnen häufig zumindest unbeabsichtigt konfrontiert sind. Eng damit verbunden ist auch die Übertragung eigener Ängste von Angehörigen auf Betroffene, die oft einem offenen Umgang im Weg stehen und zur Schaffung sogenannter Tabuthemen beitragen: „Was nicht sein darf, wird nicht angesprochen – selbst wenn das bedeutet, die so wichtige Auseinandersetzung eines Kranken mit dem eigenen Sterben zu behindern. Wir müssen aber alles tun, damit Schuld und Scham weniger werden. Menschen mit einer Krebserkrankung sollten ihr Selbstbewusstsein damit stärken, dass sie sich sagen: ‚Ich habe eine Krankheit, aber ich bin nicht die Krankheit‘”, so Dr. Egger.

Patientenorganisationen: Du bist nicht allein

Neben der Angst vor Leid und Tod sind Verlust- und Existenzängste oftmals die Folgen einer solchen Erkrankung. Die langjährige Behandlung bringt Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit mit sich, die nicht selten einen Verlust des Arbeitsplatzes und damit auch der Selbstachtung nach sich ziehen. „Als Betroffene wissen wir, wo wir gebraucht werden. Den Betroffenen möchten wir möglichst individuell beistehen, sie aber auch als Gruppe in der Öffentlichkeit und in politischen Entscheidungsprozessen vertreten“, betont Mag. Sabine Spitz, Vizepräsidentin Europa Donna Austria und Brustkrebs-Betroffene. Des Weiteren erklärt sie „Es ist wichtig, über die Krankheit zu reden. Dazu gehört, sich zu informieren, die Optionen und Perspektiven zu kennen und zu verstehen. Grundlage jeder Entscheidung sollten umfassende Informationen sein – denn gerade in der metastasierten Situation bestehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Wir Patientinnen sind über die heutige Behandlungsvielfalt sehr froh, denn von jeder neuen Therapie erhofft man sich einen Gewinn an Lebenszeit“, so Spitz.  

www.stark-mit-brustkrebs.at - Neues Serviceangebot für Betroffene

Der öffentliche Diskurs über das Thema metastasierter Brustkrebs ist auch Novartis ein besonderes Anliegen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich das Unternehmen im Bereich Brustkrebs. Dabei hat sich Novartis nicht nur eingesetzt laufend an neuen Therapieoptionen zu forschen und so oftmals Meilensteine in der Krebsbehandlung gesetzt, sondern auch versucht Patientinnen ganzheitlich zu unterstützen. Sensibilisieren, informieren, Verständnis schaffen - darum geht es auch bei der neuen Aufklärungskampagne. Mag. Bernhard Mraz, Medical Director Novartis Oncology, erklärt: „Um ein Zeichen für unser federführendes Engagement in der Bekämpfung von metastasiertem Brustkrebs zu setzen, haben wir 2015 in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum die Venus nachbauen lassen und im Museum ausgestellt. Nun gehen wir einen Schritt weiter und wollen diesen Einschnitt, den die Diagnose metastasierter Brustkrebs für Patientinnen bedeutet mit der neuen Kampagne visualisieren, dadurch Aufmerksamkeit schaffen und auch Mut geben über das Thema zu sprechen. Die neugeschaffene Website www.stark-mit-brustkrebs.at  soll Betroffene und ihr Umfeld dabei unterstützen, das Leben mit der Erkrankung soweit wie möglich über den Erwartungen zu führen und die gewonnene Lebenszeit qualitativ gut zu nutzen.“ Abschließend betont Mraz: „Über klinische Studien wurde bereits zahlreichen österreichischen Patientinnen der frühzeitige Zugang zu Medikamenten und innovativen Therapien ermöglicht und wir sind stolz darauf, zu den signifikanten Fortschritten, die gerade in den letzten Jahren für Brustkrebs-Patientinnen erzielt werden konnten, beigetragen zu haben. Die Zusammenarbeit mit österreichischen Experten aus der klinischen Praxis und Patientenorganisationen hat es uns ermöglicht, die Bedürfnisse der Patientinnen besser zu verstehen und uns deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen beides haben: Frühen Zugang zu innovativen Therapieoptionen auf der einen Seite, aber gleichzeitig auch zu Informationen, die es ihnen – aber auch ihrem gesamten sozialen Umfeld – ermöglichen, bestmöglich und mit hoher Lebensqualität mit der Erkrankung zu leben."  

Über Novartis in Österreich

Die österreichische Novartis Gruppe ist das größte Pharmaunternehmen des Landes und gliedert sich in die Geschäftsbereiche innovative Medikamente (Pharmaceuticals, Oncology), Generika (Sandoz) und Augenheilkunde (Alcon). Mit 100 laufenden klinischen Studien, die rund 3.000 Patienten einschließen, investiert Novartis stark in den Wissenschaftsstandort Österreich. Die Tiroler Novartis-Standorte Kundl und Schaftenau, sowie das in Oberösterreich gelegene Werk in Unterach am Attersee gehören außerdem zum globalen Netzwerk der Forschungs- und Entwicklungszentren des Unternehmens. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.novartis.at


[1] European Commission Initiative on Breast Cancer: http://ecibc.jrc.ec.europa.eu/recommendations/, aufgerufen am 14.9.2017.  

[2] Statistik Austria

 aufgerufen am: 14.9.2017.

[3] American Cancer Society

 aufgerufen am 14.9.2017.

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