• 02.10.2017, 12:54:36
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  • OTS0151

„kreuz und quer“ am 3. Oktober: „Die unheilige Familie – Sekte der geraubten Kinder“ und „Es ist ein Mädchen!“

Wien (OTS) - Die charismatische Anne Hamilton-Byrne wird 1963 zur
Sektengründerin. Bis in die 1990er Jahre hinein ist „Die Familie“ –
so der Name des von ihr geführten New-Age-Kultes – in Australien
aktiv. Erst eine Hausdurchsuchung in einem Domizil der Sekte bringt
ab 1987 die skandalösen Praktiken ans Licht, mit denen zahlreiche
Kinder in die Fänge der Sekte gelangten. Die Kinder wurden von ihren
Betreuerinnen geschlagen, mussten immer wieder hungern, wurden unter
Drogen gesetzt. Doch nicht nur die Geschehnisse von damals stehen im
Fokus der Dokumentation „Die unheilige Familie – Sekte der geraubten
Kinder“ von Rosie Jones, die „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris
Appel – am Dienstag, dem 3. Oktober 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2
zeigt, es geht auch um die Frage, wie die Sekte so lange unbehelligt
bleiben konnte.

In einigen Teilen der Welt werden Mädchen abgetrieben oder getötet –
nur deshalb, weil sie Mädchen sind. Filmemacher Evan Grae Davis
beleuchtet um 23.25 Uhr in der Dokumentation „Es ist ein Mädchen!“
die Situation in Indien und China. Für den Film hat er betroffene
Familien in beiden Ländern getroffen und mit Experten von
Menschenrechtsorganisationen gesprochen.

„Die unheilige Familie – Sekte der geraubten Kinder“ – Ein Film von
Rosie Jones

August 1987 – um 6:00 Uhr morgens durchsuchen Polizei und
Sozialdienste ein einsam gelegenes Haus am Lake Eildon im
australischen Bundesstaat Victoria. Es ist das Domizil einer Sekte,
die unter dem Namen „Die Familie“ bekannt und zu diesem Zeitpunkt
bereits seit fast 25 Jahren aktiv ist. Mehrere Kinder werden im Zuge
der Hausdurchsuchung in Gewahrsam genommen. Das Bild, das sich im
Zuge der anschließenden Ermittlungen langsam herauskristallisiert,
ist erschreckend: Mindestens 28 Kinder gerieten im Laufe der Jahre
durch ominöse und illegale Praktiken in die Fänge der Sekte und
wurden von ihren Betreuerinnen geschlagen, mussten immer wieder
hungern, wurden unter Drogen wie LSD gesetzt.

Gegründet wird „Die Familie“ bereits 1963 von der charismatischen
Anne Hamilton-Byrne. Gemeinsam mit dem Physiker Raynor Johnson
startet sie den New-Age-Kult, der einen Mix aus christlichen und
fernöstlichen Inhalten lehrt, garniert mit einigen apokalyptischen
Science-Fiction-Elementen: Anne Hamilton-Byrne wird als weibliche
Reinkarnation von Jesus Christus verehrt. Die Kinder werden
regelrecht zusammengesammelt, um als möglichst homogene Gruppe
vermeintlicher „Geschwister“ und fern von anderen Menschen unter der
Kontrolle der Sekte aufzuwachsen. Die Mädchen und Buben gelangen etwa
durch illegale Adoptionen in die Gewalt der Sekte. Am Lake Eildon
werden sie in Erwartung des Weltuntergangs mit strikter Disziplin
erzogen. Denn sie sollen rechtzeitig in Raumschiffen die Erde
verlassen, um danach zurückzukehren und das, was von der Menschheit
übrig ist, neu zu unterweisen.

Dabei besteht das Klientel der Sekte überwiegend aus hochgebildeten
Leuten. Sie alle geraten in den Bann von Sektengründerin
Hamilton-Byrne, heiraten etwa auf ihre Anweisung hin ihnen nahezu
fremde Menschen, überschreiben ihr Eigentum und geben häufig auch
ihre Kinder in die Obhut der Sekte. Barbara Kibby etwa wurde als
junge Frau rekrutiert. Auf der Suche nach einer „Mutterfigur“ wird
sie fündig bei der Sektengründerin. Psychisch unter Druck gesetzt
versinkt sie in Depressionen und überlässt Anne Hamilton-Byrne für
längere Zeit ihre beiden kleinen Söhne. Mit „katastrophalen Folgen“,
wie sie in der Dokumentation erzählt.

Lex de Man ist als polizeilicher Ermittlungsbeamter und späterer
Leiter einer Sonderkommission jahrelang auf den Spuren der Sekte. Er
sammelt Beweise gegen Anne Hamilton-Byrne und ihre Helfer und
bereitet akribisch eine mögliche Anklage vor. Seine Ermittlungsarbeit
wird anhand von Archivmaterial nacherzählt und bildet den Rahmen für
die beklemmende Dokumentation. Alte Tonbandaufnahmen, filmisches
Archivmaterial und viele Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern,
Ermittlungsbeamten und auch Kindern der Sekte geben Einblick in die
abgeschottete Welt der „Familie“. Doch nicht nur die Geschehnisse von
damals stehen im Fokus, es geht auch um die Frage, wie die Sekte so
lange unbehelligt bleiben konnte. „kreuz und quer“ zeigt die
australische Dokumentation in der deutschen Bearbeitung von Sabine
Aßmann.

„Es ist ein Mädchen!“ – Ein Film von Evan Grae Davis

„Ich wusste, wir können das Baby nur behalten, wenn es ein Bub ist.
Also hab ich sie getötet und danach selbst begraben.“ Valliamma, eine
der betroffenen Frauen, erzählt im Film von ihrer ersten Tochter, die
sie nach der Geburt eigenhändig getötet hat. „Es ist ein Mädchen!“ –
diese drei Worte sind nach der Geburt eines Säuglings in weiten
Teilen Indiens und Chinas auch heute noch lebensgefährlich für das
Kind. Mädchen sind hier in vielen Familien weniger wert als Buben.
Bis zu 200 Millionen Mädchen mussten nach Schätzungen der UNO deshalb
bisher weltweit ihr Leben lassen – oder konnten gar nicht erst
geboren werden. Die Problematik wird in Fachkreisen heute als
„Gendercide“ bezeichnet.

„Sie brechen ihnen das Genick, drücken nasse Tücher auf ihr Gesicht,
manchmal geben sie ihnen Reis, damit die Säuglinge ersticken, manche
geben den Babys Gift“, erzählt Glory Dass, Leiterin eines Waisenheims
in Indien. Manchmal werden die Kinder auch nur weggelegt, gefunden
und dann in einem Heim wie jenem von Glory Dass großgezogen. Eines
bleibt diesen Kindern gemeinsam: Sie sind unerwünscht – ihre Existenz
würde Probleme verursachen. Denn Mädchen bedeuten in Indien für die
Familien nicht zuletzt eine finanzielle Bürde, der man sich in vielen
Fällen durch Kindstötung entledigen will. Die Familie eines Mädchens
muss eine teure Mitgift an die Familie des zukünftigen Ehemannes
entrichten. Familien von Söhnen gewinnen doppelt: das Brautgeld und
eine neue Schwiegertochter.

Auch in China werden vielerorts die Tötungen von weiblichen
Säuglingen praktiziert, weil die Familien Buben bevorzugen. Die
Problematik wurde in der Vergangenheit aber hier zusätzlich durch die
sogenannte „Ein-Kind-Politik“ der Regierung verschärft. Seit 1979 ist
es den Familien auf Grund der Überbevölkerung nur gestattet, ein
einziges Kind zu bekommen. Ist dieses dann ein Mädchen, versuchen
viele Familien, es loszuwerden. Das hat auch eine hohe Zahl an
Abtreibungen weiblicher Föten zur Folge, weil die Eltern nur einen
Sohn akzeptieren.

Filmemacher Evan Grae Davis ist es für die Dokumentation „Es ist ein
Mädchen“ (ORF-Bearbeitung: Sarah Stroß) gelungen, mit betroffenen
Familien in beiden Ländern zu sprechen und ihre Geschichten zu
erzählen. Mit Experten von Hilfsorganisationen werden die
vielfältigen Gründe beleuchtet, warum Mädchen in Indien und China so
gering geschätzt werden – was viele von ihnen mit ihrem Leben
bezahlen.

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