- 27.09.2017, 10:30:16
- /
- OTS0070
Allianz Vermögensreport: Österreich verschläft Renditechancen
Globales Brutto-Geldvermögen steigt auf 170 Billionen Euro / Netto-Geldvermögen: Österreich verharrt auf Platz 17 / Österreich: niedrigste Rendite im 5-Jahres-Europa-Vergleich
Utl.: Globales Brutto-Geldvermögen steigt auf 170 Billionen Euro /
Netto-Geldvermögen: Österreich verharrt auf Platz 17 /
Österreich: niedrigste Rendite im 5-Jahres-Europa-Vergleich =
Wien (OTS) - „Beim Schuldenmachen waren Herr und Frau Österreicher
vergangenes Jahr vorne dabei, beim Vermögensaufbau eher
Abstiegskandidat. Während Anleger weltweit bei der Vermögensbildung
überwiegend von Zuwächsen an den Kapitalmärkten profitieren, gehen
die meisten Österreicher einen anderen Weg – und lassen ihr hart
verdientes Geld auf der Bank brachliegen“, kommentiert Martin
Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich,
die Ergebnisse des aktuellen Allianz Global Wealth Reports.
Aktienmärkte beflügeln Wachstum – aber die Sparer bringen ihr
Geld lieber zur Bank
In der Studie werden die Vermögens- und Schuldenlage der privaten
Haushalte in über 50 Ländern analysiert. Im vergangenen Jahr wuchs
das weltweite Brutto-Geldvermögen um 7,1 Prozent auf knapp 170
Billionen Euro. Zu verdanken ist diese gute Entwicklung in erster
Linie der Jahresendrallye an den Aktienmärkten, vor allem in den
Industrieländern. Knapp 70 Prozent des Vermögenszuwachses ging 2016
auf das Konto von Wertveränderungen im Bestand, nur gut 30 Prozent
entfielen auf Mittelzuflüsse. Die Zusammensetzung der frischen
Spargelder offenbart dabei eine Überraschung: Die Privatanleger
trugen zwei Drittel ihrer Ersparnisse zu den Banken – ein neuer
Rekordwert. „Das Sparverhalten der Privatanleger ist weiterhin von
großer Risikoscheu geprägt“, erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt der
Allianz. „Neue Gelder fließen hauptsächlich in Bankeinlagen, wo sie
an realem Wert verlieren: Allein im letzten Jahr dürften die Sparer
in den Industrieländern durch die Geldentwertung Einbußen in Höhe von
rund 300 Milliarden Euro erlitten haben; 2017 dürfte sich dieser Wert
mit der Rückkehr der Inflation verdoppeln“, so Heise.
Österreich bleibt auf Platz 17 der Rangliste, USA erstmals an
der Spitze
Die Wachstumsbeschleunigung im vergangenen Jahr ging hauptsächlich
von den Industrieländern aus. Hier hat sich die Wachstumsrate der
Vermögen auf 5,2 Prozent verdoppelt, sie blieb aber dennoch unter dem
globalen Trend. Spitzenreiter beim Vermögensaufbau war 2016 erneut
Asien (ex Japan) mit einem Zuwachs von 15 Prozent. In der Rangliste
der 20 reichsten Länder verharrte Österreich wie in den Vorjahren auf
Platz 17, einen Platz vor Deutschland: In Österreich wuchs das
Netto-Geldvermögen (Brutto-Geldvermögen abzüglich Verbindlichkeiten)
um 2,0 Prozent auf 51.980 Euro pro Kopf. An der Spitze kam es 2016
erstmals zu einem Wechsel: Die USA verdrängten mit einem Wert von
177.210 Euro die Schweiz (175.720 Euro) von Platz 1, auf Platz 3
rangiert, mit einigem Abstand, Japan (96.890 Euro). Ansonsten bietet
sich jedoch auch im letzten Jahr das gewohnte Bild: Skandinavische
und asiatische Länder dominieren die Top 10 – mit den Niederlanden
(87.980 Euro) ist nur noch ein Staat aus der Eurozone vertreten.
Seit 2012: Österreich mit niedrigster Vermögensrendite in
Europavergleich
Wirft man einen Blick auf die vergangenen fünf Jahre, so wuchs das
Geldvermögen pro Kopf im Euroraum rund 40 Prozent schneller als in
Österreich. Es ist sicher kein Zufall, dass Finnland und die
Niederlande bei der Vermögensrendite am besten abschneiden: Finnland
weist die höchste Vermögensrendite auf (8 Prozent pro Jahr), knapp
vor den Niederlanden (7,6 Prozent). Grund dafür ist bei den Finnen
eine hohe Wertpapierquote im Portfolio, die niederländischen
Haushalte sind mit Abstand am stärksten in Pensionsfonds engagiert.
Der Anteil der Bankeinlagen ist hingegen in Österreich, Deutschland
und Portugal am höchsten – die Konsequenz: Nirgendwo sonst im
Euroraum war die durchschnittliche Rendite des Geldvermögens
niedriger als in Österreich (2,6 Prozent). „Es wird Zeit, dass
Österreich ‚umspart‘“, erklärt Bruckner.
Schuldenstandsquote: Österreicher bleiben Musterschüler
Wirft man einen Blick auf die Verbindlichkeiten der privaten
Haushalte weltweit, so stiegen diese 2016 mit 5,5 Prozent so stark
wie seit 2007 nicht mehr – auf insgesamt knapp 41 Billionen Euro.
Erstmals seit dem Jahr 2009 wuchsen die Schulden damit auch wieder
schneller als die nominale Wirtschaftsleistung, wodurch sich die
globale Schuldenstandsquote (Verbindlichkeiten in Prozent des BIP) um
einen knappen Prozentpunkt auf 64,6 Prozent erhöhte. Die Entwicklung
in den einzelnen Regionen verlief dabei recht unterschiedlich: In
West- und Osteuropa sowie in Nordamerika kam es – auf moderatem
Niveau – zu einer leichten Beschleunigung des Schuldenwachstums. In
Westeuropa befinden sich die österreichischen Haushalte (hinter
Schweden, Norwegen, Finnland und Großbritannien) mit einem Anstieg
gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent auf Platz 5, insgesamt ist die
Schuldenstandsquote in Österreich mit 52,8 Prozent aber immer noch
die niedrigste in Westeuropa.
Chinesische Haushalte als Schuldenkaiser
Während sich das Schuldenwachstum in Lateinamerika weiter
abschwächte, erhöhte es sich in Asien (ex Japan) dagegen noch einmal
kräftig um vier Prozentpunkte, auf knapp 17 Prozent. An der Spitze
standen dabei die chinesischen Haushalte mit einem Plus von über 23
Prozent. Von den weltweit knapp 41 Billionen Euro privaten
Verbindlichkeiten entfällt damit bereits rund ein Fünftel auf diese
Region; vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei unter 7 Prozent.
„Die Verschuldungssituation in China erfordert genaue Beobachtung“,
kommentiert Michaela Grimm, Co-Autorin des Reports. „Zwar liegt die
Schuldenstandsquote der Haushalte mit 45 Prozent noch nicht im roten
Bereich, aber die Dynamik ist beunruhigend: In den letzten fünf
Jahren ist die Quote um 17 Prozentpunkte nach oben geschnellt, allein
2016 waren es knapp sechs Punkte – beides sind weltweit absolute
Spitzenwerte. Zum Vergleich: In den fünf Jahren vor Ausbruch der
Finanzkrise stieg die entsprechende Quote in den USA um rund 20
Prozentpunkte“, betont Grimm.
Die Unterschiede in der globalen Vermögensverteilung werden
langsam kleiner
Die Entwicklung der globalen Vermögensverteilung seit der
Jahrtausendwende wird vor allem durch ein Phänomen bestimmt: durch
das stürmische Wachstum der globalen Vermögensmittelklasse. Die Zahl
ihrer Mitglieder hat sich seit dem Jahr 2000 von rund 450 Millionen
auf über eine Milliarde Menschen mehr als verdoppelt. Die
überwiegende Mehrheit der neuen Mitglieder der Mittelklasse
rekrutiert sich dabei aus der Vermögensunterklasse, knapp 600
Millionen Menschen ist seit 2000 der Aufstieg gelungen. Trotz des
Entstehens einer neuen globalen Vermögensmittelklasse ist die Welt
als Ganzes jedoch noch weit von einer „gerechten“ Vermögensverteilung
entfernt. Wird die Bevölkerung in den untersuchten Ländern in globale
Bevölkerungsdezile nach Netto-Geldvermögen pro Kopf eingeteilt, wird
deutlich: Die reichsten zehn Prozent der Welt vereinen 79 Prozent der
Netto-Geldvermögen auf sich. Im Jahr 2000 lag diese
Vermögenskonzentration allerdings noch bei 91 Prozent.
Ein interaktives Onlinetool zu dem Report finden Sie unter:
https://www.ots.at/redirect/allianz69
Downloads im Internet unter
https://www.allianz.at/ueber-allianz/media-newsroom/
Foto: Martin Bruckner (© Allianz) – Abdruck honorarfrei
Pressemeldung als PDF
Charts als PDF
Global Wealth Report als PDF
Bitte beachten Sie unseren Vorbehalt bei Zukunftsaussagen:
https://www.ots.at/redirect/allianz70
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AEV






