• 20.09.2017, 15:40:53
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  • OTS0206

Stellungnahme der IGGÖ zur Studie über die Muslimbruderschaft in Österreich und mediale Vorwürfe gegenüber der Glaubensgemeinschaft

Den Muslimen geht es um die Befriedigung bzw. freie Ausübung ihrer religiösen Bedürfnisse - Vorsicht vor Diskreditierung und Diffamierung von religiösen Einrichtungen geboten

Wien (OTS/IGGiÖ) - 

Die Studie "The Moslem Brotherhood in Austria" beschäftigt sich durchaus mit Themen im Wirkungsbereich der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, weshalb eine Stellungnahme seitens der Glaubensgemeinschaft geboten ist. Dabei ist vorauszuschicken, dass die Glaubensgemeinschaft jede wissenschaftliche Aufbereitung von Themen begrüßt. Studien können gerade dazu beitragen, dass die Muslime in Österreich Hintergrundwissen über diverse Strukturen erfahren und sich ihr eigenes Bild darüber machen können. Die Mehrheit der in Österreich lebenden Muslime ist weder an Muslimbrüdern noch an sonstigen Vereinigungen interessiert bzw. werden durch diese vertreten. Ihnen geht es bloß um die Befriedigung bzw. freie Ausübung ihrer religiösen Bedürfnisse, wie das Verrichten der Pflichtgebete oder das Einhalten von religiösen Bekleidungsvorschriften, Fastenzeiten oder Feiertagen oder die Einnahme von Halal-Lebensmitteln. Nur allzu schnell können Menschen durch öffentliche Berichterstattung in ein schiefes Licht gebracht und mitunter unwiederbringlicher Schaden angerichtet werden. Gerade aus diesem Grund ist in der medialen Berichterstattung besondere Besonnenheit und Vorsicht vor Diskreditierung und Diffamierung von namentlich genannten Personen und Einrichtungen geboten.

Die gesetzliche Novellierung in der religionspädagogischen Ausbildung in Österreich machten strukturelle Änderungen in der ReligionslehrerInnenausbildung notwendig. Zwischen der Hochschulstiftung der Erzdiözese Wien - Trägerin der kirchlich pädagogischen Hochschule Wien/Krems ("KPH") - und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich - Trägerin der Ausbildung für Islamische ReligionslehrerInnen - wurde aus diesem Grund im Jahr 2015 ein Kooperationsvertrag geschlossen. Dieser basiert auf der Wahrung und der Anerkennung der jeweiligen konfessionellen/religiösen Identität. Inhalt des Kooperationsvertrages ist die Einrichtung eines Instituts für die Aus-, Fort- und Weiterbildung islamischer ReligionslehrerInnen, welches namentlich "IRPA" (Islamisch-religionspädagogische Ausbildung) genannt wird. Im Zuge der organisatorischen Anpassungen wurde auf eigenen Wunsch der Glaubensgemeinschaft auch das Auswahlverfahren an gleichwertige Standards angepasst. Durch eine starke Einbindung der Universität Wien, der KPH und externer ExpertInnen wurde eine transparente Basis für eine adäquate Besetzung und Ausbildung der zukünftigen ReligionslehrerInnen geschaffen. Dieses Prozedere dient aber nicht nur der Qualitätssicherung, sondern auch gerade dazu, mögliche Einflüsse politischer Kräfte aus dem In- oder Ausland zu unterbinden. Schließlich wurden die Curricula und die Teilnahmestandards geändert.

Die Glaubensgemeinschaft ist stets bemüht durch moderne Managementmethoden Professionalität zu gewährleisten, welche einerseits ihre Kultusgemeinden vor jeglichem politischen Einfluss schützen und andererseits ihre Mitglieder vor dem Missbrauch der Religion für politische und ideologische Zwecke bewahren soll. Man darf aber nicht übersehen, dass die Glaubensgemeinschaft im Unterschied zu anderen Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich aus einem Vereinswesen heraus entstanden ist und erst das Islamgesetz 2015 eine neue gesetzliche Struktur zwingend vorgegeben hat. Die Umsetzung dieser Vorgaben geschieht sukzessive.

Da die Studie auch die Person des Präsidenten der Glaubensgemeinschaft - wenn auch in einem Nebensatz - erwähnt und den Türkeibezug unterstreicht, sei Folgendes bemerkt: Erwähnt wird, dass Präsident Ibrahim Olgun in der Türkei studiert und für ATIB gearbeitet hat. Nicht erwähnt wird leider, dass mit Ibrahim Olgun erstmals ein in Österreich geborener, in Österreich aufgewachsener, in Österreich bis zur Matura ausgebildeter und sozialisierter Mensch zum Präsidenten der Glaubensgemeinschaft gewählt wurde. Auch unerwähnt bleibt, dass mit Ibrahim Olgun erstmals ein studierter Theologe an die Spitze der Glaubensgemeinschaft gekommen ist. Dass Präsident Olgun in der Türkei studiert hat, soll weder verschwiegen noch verschleiert werden. Es bleibt aber leider unerwähnt, dass eine islamisch-theologische Ausbildung zum Zeitpunkt des Studiums des Präsidenten der Glaubensgemeinschaft in Österreich gar nicht angeboten wurde, sondern im Wintersemester 2017/2018 an der Universität Wien angefangen hat.

Der Vorwurf, dass die IGGÖ mit der Wahl des neuen Präsidenten Olgun unter dem politischen Einfluss der Türkei stünde, ist eine haltlose Negativpropaganda gegenüber dem Präsidenten und der Glaubensgemeinschaft. Es stellt sich somit die berechtigte Frage, in welchem (Aus)Land eine islamisch-theologische Ausbildung opportun gewesen wäre.

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IGGÖ – Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
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A-1070 Wien
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Fax: +43 1 526 31 22 - 4
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