„Kinder müssen ernst genommen werden“

Wien (OTS) - Beim NGO-Forum der Volksanwaltschaft diskutierten Experten wie Kinder und Jugendliche geschützt und Gewalt verhindert werden kann.

Alljährlich veranstaltet die Volksanwaltschaft einen Erfahrungsaustausch mit den NGO. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung lautete "Kinder und Jugendliche schützen – Gewalt verhindern". Im Fokus standen die Ergebnisse einer Studie zur medialen Darstellung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in österreichischen Massenmedien. „Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind alarmierend“, erklärte Volksanwalt Günther Kräuter.

Wo sind die „Good News“?

In nur drei Prozent der Fälle berichten Medien über die Potentiale und Talente der Kinder und Jugendlichen. Die Betroffenen selbst kommen kaum zu Wort, erläuterte die Medienanalytikerin Maria Pernegger (MediaAffairs). „Medien schaffen Bewusstsein. Es ist daher ganz entscheidend, welches Bild Medien von sozialbenachteiligten Kindern und Jugendlichen zeichnen. Durch einseitige Berichterstattung entsteht ein sehr verzerrtes Bild der Wirklichkeit, das sich wiederum nachteilig auf diese Kinder auswirkt. Berichterstattung im Sinne der UN-Kinderrechte findet oft nicht statt,“ so Pernegger weiter.

Was Kinder können, was Kinder sagen, was Kinder brauchen

Sozialexperte Martin Schenk, Armutskonferenz, stellte Zahlen, Daten und Fakten zu sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Österreich vor und erklärte, was die Ergebnisse bedeuten: „Die Studie zeigt uns, dass wir Kinder in ihrer Alltagsrealität in den Blick bekommen müssen. Wie es ihnen dabei geht, den kranken Papa zu pflegen. Was es bedeutet, in feuchten Wohnungen zu wohnen. Wie das ist mit Freunden. Wie die Mama es schafft mit drei Jobs. Oder was es heißt, mit Mindestsicherung zu leben. Es geht um eine andere Perspektive: es geht darum, was Kinder können, was Kinder sagen und was sie brauchen.“ Er forderte auf zu handeln. Denn was Kinder können, sei insbesondere eine Frage der Förderung. Beste Entwicklungsvoraussetzungen haben Kinder und Jugendliche nur in einem anerkennenden Umfeld.

Kinder systematisch ernst nehmen

Professor Stefan Hopmann vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien zeigte in seinem Vortrag auf, welche Bedeutung die Menschenrechtserziehung in diesem Zusammenhang hat: „Die effektivste Menschenrechtserziehung ist die Achtung der Kinderrechte. Wenn Kinder aktiv erfahren, dass sie ihre Rechte einfordern können.“ Bildungseinrichtungen hätten einen enormen Effekt, wenn sie Kinder systematisch ernst nehmen, wenn sie „qualifizieren durch kultivieren“. Es gehe nicht um reine Wissensvermittlung, sondern insbesondere um die persönliche Lebenssituation und die Erfahrung, wie andere damit umgehen.

Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention im Fokus

Seit Juli 2012 ist die Volksanwaltschaft für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte zuständig. Bei der Erfüllung des verfassungsgesetzlichen Auftrags versteht sich die Volksanwaltschaft als Plattform für die Zivilgesellschaft und veranstaltet jährlich ein NGO-Forum, um aktuelle Fragen zu behandeln. In ganztägigen Diskussionen und Workshops wird heuer der Stand der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention erörtert. Bereits im Vorjahr untersuchte Maria Pernegger in Zusammenarbeit mit der Volksanwaltschaft die Darstellung von Menschen mit Behinderung in Massenmedien. Die Studie wurde im Beisein von Medienminister Thomas Drozda vor Medienverantwortlichen und Vertretern der Zivilgesellschaft im Bundeskanzleramt präsentiert.

„Auch die aktuelle Studie über die mediale Darstellung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher zeigt dringenden Handlungsbedarf“, so Volksanwalt Günther Kräuter. „Die Potentiale und Talente der Kinder und Jugendlichen müssen stärker sichtbar gemacht werden. Sie sollen und können selbst für sich sprechen!“

Sonderbericht der Volksanwaltschaft zum Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

Die Ergebnisse der Studie und des NGO-Forums werden in einen Sonderbericht an den Nationalrat einfließen, kündigte Volksanwalt Kräuter an. National und international nachgefragt ist auch eine weitere Sonderpublikation der Volksanwaltschaft zu Kinder- und Jugendrechten: „Junge Menschen und ihre Rechte“ – Gertrude Brinek sowie die Publikation „Das chronisch kranke Kind im Schulsystem“ – Peter Fichtenbauer.

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