Diskriminierung von Kindern Regelfall?

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Integrationsminister, schließen Sie die Augen und stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen in einer Volksschule und müssen entscheiden welches Kind Ihrer Meinung nach kein Anrecht hat, mangels Deutschkenntnissen, in die Schule zu gehen. Sie haben die Wahl zwischen Kindern auszuwählen die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind da ihre Muttersprache Französisch, Englisch oder Spanisch ist oder würden Sie die Kinder nach ihrer Herkunft, Religion oder Kultur bewerten.

Kinderrechte gelten in Österreich für alle Kinder unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrem kulturellen Hintergrund oder ihrer religiöser Ansicht.

Als Integrationsminister sind Sie dafür zuständig, dass Integration vor allem im wichtigen Bereich – im Bereich der Bildung – passiert. Ihre Vision mit dem Titel „Aufbruch und Gerechtigkeit“ sollte auf ihren Titel hin überprüft werden, denn gerecht ist es in keinem Fall Kindern den Besuch ihrer Schule zu verbieten.

Schule bzw. Bildung allgemein ist ein wesentlicher Motor um Integration stattfinden zu lassen – Kinder lernen nicht nur von ihren LehrerInnen sondern auch von ihren MitschülerInnen.

So lernen sie viel über ihre neue Heimat, Umgangsformen und Kulturtechniken. Kinder sind offen, neugierig und haben das Bedürfnis mit allen Kindern Kontakt zu haben.

Außerdem besteht in Österreich Schulpflicht und Eltern können bestraft werden, wenn sie ihr Kind nicht in die Schule bringen.

Kinder- und Menschenrechte sind verfassungsrechtlich geschützt und jegliche politischen „Visionen“ müssen diesen Standards entsprechen so Pinterits und Nik Nafs.

Wir erachten das Vorhaben Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, in separaten Kursen Schulen zu lassen, als verfassungswidrig und warnen vor noch mehr Segregation in unserem Bildungswesen.

Wir möchten auf das Grundsatzpapier des Außenministeriums aufmerksam machen und erwarten, dass diesen Grundprinzipien eines Rechtsstaates entsprochen wird:

„Der Grundgedanke der Menschenrechte ist, dass jede Person, allein aufgrund der Tatsache, dass sie oder er ein Mensch ist, Würde besitzt. Um diese Menschenwürde zu schützen, stehen dem Menschen Rechte zu, welche unveräußerlich und unteilbar sind. Das Konzept der Menschenrechte beruht auf einem gemeinsamen, universellen Wertesystem aller Völker, welches einen Rahmen für den Aufbau eines Menschenrechtssystems mit international anerkannten Normen und Standards bietet. Menschenrechtsnormen regeln das Verhältnis zwischen dem Staat und den unter seiner Verantwortung lebenden Menschen. Regierungen haben die Pflicht, die Rechte und Freiheiten der Menschen durch entsprechende Gesetzgebung und Maßnahmen zu achten, zu schützen und zu gewährleisten.„ (www.bmeia.gv.at)

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSAin Monika Pinterits, Mag. Ercan Nik Nafs
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