• 25.08.2017, 12:18:49
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  • OTS0078

„kulturMontag“ am 28. August zwischen Abrissbirnen und Utopien

Außerdem: neue „lesArt“-Ausgabe

Utl.: Außerdem: neue „lesArt“-Ausgabe =

Wien (OTS) - Über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Utopien
geht es diesmal im „kulturMontag“, zu sehen am 28. August 2017, um
22.30 Uhr in ORF 2. Denn das Europäische Forum Alpbach und der „kuMo“
stellen die Frage: Wie kann eine Gesellschaft aussehen, die dem
Globus wieder Respekt und Würde verleiht? Mit Bauen beschäftigt sich
auch ein weiteres Thema bei Clarissa Stadler: Spätestens seit
gesetzlich verankert ist, dass wiederverwendbare Teile eines an sich
abrissreifen Gebäudes ausgebaut statt weggerissen werden müssen, hat
der „ReUse“-Gedanke auch die Architektur erreicht. Und passend zu
einer neue Ausgabe der ORF-Literatursendung „les.Art“ mit Christian
Ankowitsch (23.25 Uhr) widmet sich der „kuMo“ der Schweizer Literatin
Noëmi Lerch.

In welcher Welt leben wir, in welcher wollen wir leben? Über die
Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Utopien

Wissenschafter der Internationalen Stratographischen Gesellschaft
haben ein neues Erdzeitalter ausgerufen: das Anthropozän. Der Mensch
ist damit die einflussreichste Größe unseres Ökosystems. Was das
bedeutet, lässt sich an Klimawandel, Mülldeponien oder
Massentierhaltung ablesen. Eine Frage, die sich Experten aus
Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft
dieser Tage am Europäischen Forum Alpbach stellen: Wie kann eine
Gesellschaft aussehen, die dem Globus wieder Respekt und Würde
verleiht? Der Traum von einer idealen Gesellschaft ist vermutlich so
alt wie die Menschheit selbst. Utopien dienten auch immer als
Werkzeug der Kritik an bestehenden Verhältnissen, wie bereits Thomas
Morus’ Insel Utopia in seiner gleichnamigen Erzählung von 1516. Der
„kulturMontag“ wirft einen kulturgeschichtlichen Blick auf den
Begriff „Utopie“ und fragt anhand des Generalthemas der diesjährigen
Alpbach-Gespräche „Konflikt und Kooperation“ nach neuen möglichen
Utopien, die es für ein verantwortungsvolles, ressourcenschonendes,
friedliches Zusammenleben braucht. Der Schweizer Journalist und
Herausgeber des Buches „Völlig utopisch“, Marc Engelhardt, erzählt im
„kulturMontag“-Studio von „Beispielen einer besseren Welt“.

Aus alt wird neu: Über die Wiederverwertbarkeit von Abrisshäusern

400 Gebäude werden jährlich in Wien dem Erdboden gleichgemacht, deren
zerkleinerte Reste von Beton, Metall bis Glas fein säuberlich aus dem
Stadtbild wegsortiert. Intakte Fenster bleiben von der Abrissbirne
genauso wenig verschont wie Fassadenelemente, die sich problemlos
noch einmal verwenden ließen – eine Verschwendung prangern seit
Jahrzehnten Umweltaktivisten an. Jetzt ist Ressourcenschonung auch
EU-rechtlich verankert, seit 2016 ist gesetzlich festgeschrieben:
Wenn Teile eines abrissreifen Gebäudes wiederverwendbar sind, dann
müssen sie ausgebaut werden.
In Europa und in Österreich beschäftigten sich immer mehr Architekten
und Baukonsortien mit den technischen wie kreativen Möglichkeiten,
aus vermeintlich Ausgedientem neue Lebensräume zu schaffen. Im
„kulturMontag“ erklären Architekten des Projekts „BauKarusell“, wie
sich Teile des markanten Glaspalasts in der Wiener Innenstadt
wiederverwerten lassen, das Architekturzentrum widmet sich in seiner
aktuellen Ausstellung mehrfach dem Thema „ReUse“.

Aus wenig ganz viel machen: Die Schweizer Literatin Noëmi Lerch im
Porträt

Mit sparsamsten Mitteln entwirft Noëmi Lerch ganze Welten, mit
knappen Skizzierungen konturenscharfe Bilder. Mit ihrem ersten Roman
„Die Pürin“ hat die Schweizer Schriftstellerin im deutschen
Sprachraum für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist ihr zweiter Roman
erschienen: „Grit“. Knapp 100 Seiten umfasst er und ist in jeder
Hinsicht außergewöhnlich. Im Zentrum des Romans steht Grit, die
Mutter, die immer wusste, was sie wollte und dennoch krank wurde. Und
dann gibt es Wanda, die Tochter, die nicht wirklich weiß, was sie vom
Leben will, sich dennoch – oder aber gerade deshalb – viel erwartet.
Zwei Lebensläufe, zwei Generationen lässt Noëmi Lerch
aufeinandertreffen. Sie sind einander fremd und dennoch tief
verbunden. Noëmi Lerch schreibt über Emanzipation, Selbstachtung und
ein Behaupten – sich selbst und auch den anderen gegenüber. Der
Zauber ihrer Sprache liegt in der Reduktion, das Geheimnis ihrer
Texte in der ungeahnten Weite, die sie öffnen.
Den Sommer über lebt die 1987 geborene Schriftstellerin als Sennerin
in den Schweizer Alpen, im Winter schreibt sie an ihren Texten. Am
liebsten in den frühen Morgenstunden – wenn der Tag noch nicht
begonnen hat, die Nacht noch nicht zu Ende ist. Der „kulturMontag“
hat sie auf der Greina-Hochebene besucht und mit ihr auf knapp 2.200
Meter über Identität, Träume und Freiheit gesprochen.

Anschließend: Sommerausgabe des ORF-Literaturmagazins „lesArt“ mit
Ferdinand Schmatz und Christiane von Poelnitz (23.25 Uhr)

Ferdinand Schmatz hat von Beginn an Texte geschrieben, die mit
konventionellen Sprach- und damit Denkrastern zu brechen versuchen.
Literatur begreift er nicht bloß als Abbildung der Welt, vielmehr als
Instrument, neue Möglichkeiten in die Welt zu setzen, die Welt zu
weiten, wenn nötig, auch zu überwinden. Die Lust, mit Verkrustetem zu
brechen, sich nicht ein- bzw. unterzuordnen, prägt auch die
Schauspielkunst von Christiane von Poelnitz, die zuletzt in dem Stück
„Die Perser“ für Furore gesorgt hat. Sie ist bekannt für die
Darstellung von Figuren, bei denen Gut und Böse nahe beieinander
liegen – als „Gefühlsterroristin“ wurde sie einmal bezeichnet. Die
deutsche Schriftstellerin Judith Hermann hat ihren jüngsten
Erzählband „Lettipark“ dieser Ausnahmeschauspielerin gewidmet, eine
der zentralen Figuren darin ist nach Christiane von Poelnitz
modelliert. Allen Erzählungen ist gemeinsam, dass der Boden, auf dem
sich die Figuren bewegen, als ein unzuverlässiger gezeichnet wird –
es ist ein instabiles Lebensgefühl, das die Erzählungen durchzieht,
worin Glück und Unglück zugleich stecken.

Die neuen Bücher von Ferdinand Schmatz bestätigen, dass er einer der
eigenwilligsten und konsequentesten Vertreter experimenteller
Literatur ist: Mit seinem Essayband „aufSätze!“ verdeutlicht er, dass
Sprachzweifel und Sprachlust in seinem Literaturverständnis
untrennbar miteinander verbunden sind, dass Literatur immer auch ein
In-Zweifel-Ziehen herrschender Ordnungen ist. Sein Buch „das gehörte
feuer. orphische skizzen“ – eine Mischung aus Lyrik und Prosa – ist
unter anderem der Versuch zu zeigen, dass die Rettung des
Menschlichen vor dem Zugriff des Politischen, wenn überhaupt, nur in
der Kunst, in der Literatur stattfinden kann.

Außerdem in der August-„lesArt“: eine weitere Ausgabe der Reihe
„Kleinverlage im Porträt“ – diesmal ist es der in Wien ansässige
traditionsreiche Milena-Verlag, der ins Zentrum gerückt wird.

Der „kulturMontag“ und „lesArt“ werden als Live-Stream sowie nach der
TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT
+ sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle
Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen
HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die
ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz
Österreich persönliche Hilfestellung.

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