„kulturMontag“ am 28. August zwischen Abrissbirnen und Utopien

Außerdem: neue „lesArt“-Ausgabe

Wien (OTS) - Über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Utopien geht es diesmal im „kulturMontag“, zu sehen am 28. August 2017, um 22.30 Uhr in ORF 2. Denn das Europäische Forum Alpbach und der „kuMo“ stellen die Frage: Wie kann eine Gesellschaft aussehen, die dem Globus wieder Respekt und Würde verleiht? Mit Bauen beschäftigt sich auch ein weiteres Thema bei Clarissa Stadler: Spätestens seit gesetzlich verankert ist, dass wiederverwendbare Teile eines an sich abrissreifen Gebäudes ausgebaut statt weggerissen werden müssen, hat der „ReUse“-Gedanke auch die Architektur erreicht. Und passend zu einer neue Ausgabe der ORF-Literatursendung „les.Art“ mit Christian Ankowitsch (23.25 Uhr) widmet sich der „kuMo“ der Schweizer Literatin Noëmi Lerch.

In welcher Welt leben wir, in welcher wollen wir leben? Über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Utopien

Wissenschafter der Internationalen Stratographischen Gesellschaft haben ein neues Erdzeitalter ausgerufen: das Anthropozän. Der Mensch ist damit die einflussreichste Größe unseres Ökosystems. Was das bedeutet, lässt sich an Klimawandel, Mülldeponien oder Massentierhaltung ablesen. Eine Frage, die sich Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft dieser Tage am Europäischen Forum Alpbach stellen: Wie kann eine Gesellschaft aussehen, die dem Globus wieder Respekt und Würde verleiht? Der Traum von einer idealen Gesellschaft ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Utopien dienten auch immer als Werkzeug der Kritik an bestehenden Verhältnissen, wie bereits Thomas Morus’ Insel Utopia in seiner gleichnamigen Erzählung von 1516. Der „kulturMontag“ wirft einen kulturgeschichtlichen Blick auf den Begriff „Utopie“ und fragt anhand des Generalthemas der diesjährigen Alpbach-Gespräche „Konflikt und Kooperation“ nach neuen möglichen Utopien, die es für ein verantwortungsvolles, ressourcenschonendes, friedliches Zusammenleben braucht. Der Schweizer Journalist und Herausgeber des Buches „Völlig utopisch“, Marc Engelhardt, erzählt im „kulturMontag“-Studio von „Beispielen einer besseren Welt“.

Aus alt wird neu: Über die Wiederverwertbarkeit von Abrisshäusern

400 Gebäude werden jährlich in Wien dem Erdboden gleichgemacht, deren zerkleinerte Reste von Beton, Metall bis Glas fein säuberlich aus dem Stadtbild wegsortiert. Intakte Fenster bleiben von der Abrissbirne genauso wenig verschont wie Fassadenelemente, die sich problemlos noch einmal verwenden ließen – eine Verschwendung prangern seit Jahrzehnten Umweltaktivisten an. Jetzt ist Ressourcenschonung auch EU-rechtlich verankert, seit 2016 ist gesetzlich festgeschrieben:
Wenn Teile eines abrissreifen Gebäudes wiederverwendbar sind, dann müssen sie ausgebaut werden.
In Europa und in Österreich beschäftigten sich immer mehr Architekten und Baukonsortien mit den technischen wie kreativen Möglichkeiten, aus vermeintlich Ausgedientem neue Lebensräume zu schaffen. Im „kulturMontag“ erklären Architekten des Projekts „BauKarusell“, wie sich Teile des markanten Glaspalasts in der Wiener Innenstadt wiederverwerten lassen, das Architekturzentrum widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung mehrfach dem Thema „ReUse“.

Aus wenig ganz viel machen: Die Schweizer Literatin Noëmi Lerch im Porträt

Mit sparsamsten Mitteln entwirft Noëmi Lerch ganze Welten, mit knappen Skizzierungen konturenscharfe Bilder. Mit ihrem ersten Roman „Die Pürin“ hat die Schweizer Schriftstellerin im deutschen Sprachraum für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist ihr zweiter Roman erschienen: „Grit“. Knapp 100 Seiten umfasst er und ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Im Zentrum des Romans steht Grit, die Mutter, die immer wusste, was sie wollte und dennoch krank wurde. Und dann gibt es Wanda, die Tochter, die nicht wirklich weiß, was sie vom Leben will, sich dennoch – oder aber gerade deshalb – viel erwartet. Zwei Lebensläufe, zwei Generationen lässt Noëmi Lerch aufeinandertreffen. Sie sind einander fremd und dennoch tief verbunden. Noëmi Lerch schreibt über Emanzipation, Selbstachtung und ein Behaupten – sich selbst und auch den anderen gegenüber. Der Zauber ihrer Sprache liegt in der Reduktion, das Geheimnis ihrer Texte in der ungeahnten Weite, die sie öffnen.
Den Sommer über lebt die 1987 geborene Schriftstellerin als Sennerin in den Schweizer Alpen, im Winter schreibt sie an ihren Texten. Am liebsten in den frühen Morgenstunden – wenn der Tag noch nicht begonnen hat, die Nacht noch nicht zu Ende ist. Der „kulturMontag“ hat sie auf der Greina-Hochebene besucht und mit ihr auf knapp 2.200 Meter über Identität, Träume und Freiheit gesprochen.

Anschließend: Sommerausgabe des ORF-Literaturmagazins „lesArt“ mit Ferdinand Schmatz und Christiane von Poelnitz (23.25 Uhr)

Ferdinand Schmatz hat von Beginn an Texte geschrieben, die mit konventionellen Sprach- und damit Denkrastern zu brechen versuchen. Literatur begreift er nicht bloß als Abbildung der Welt, vielmehr als Instrument, neue Möglichkeiten in die Welt zu setzen, die Welt zu weiten, wenn nötig, auch zu überwinden. Die Lust, mit Verkrustetem zu brechen, sich nicht ein- bzw. unterzuordnen, prägt auch die Schauspielkunst von Christiane von Poelnitz, die zuletzt in dem Stück „Die Perser“ für Furore gesorgt hat. Sie ist bekannt für die Darstellung von Figuren, bei denen Gut und Böse nahe beieinander liegen – als „Gefühlsterroristin“ wurde sie einmal bezeichnet. Die deutsche Schriftstellerin Judith Hermann hat ihren jüngsten Erzählband „Lettipark“ dieser Ausnahmeschauspielerin gewidmet, eine der zentralen Figuren darin ist nach Christiane von Poelnitz modelliert. Allen Erzählungen ist gemeinsam, dass der Boden, auf dem sich die Figuren bewegen, als ein unzuverlässiger gezeichnet wird – es ist ein instabiles Lebensgefühl, das die Erzählungen durchzieht, worin Glück und Unglück zugleich stecken.

Die neuen Bücher von Ferdinand Schmatz bestätigen, dass er einer der eigenwilligsten und konsequentesten Vertreter experimenteller Literatur ist: Mit seinem Essayband „aufSätze!“ verdeutlicht er, dass Sprachzweifel und Sprachlust in seinem Literaturverständnis untrennbar miteinander verbunden sind, dass Literatur immer auch ein In-Zweifel-Ziehen herrschender Ordnungen ist. Sein Buch „das gehörte feuer. orphische skizzen“ – eine Mischung aus Lyrik und Prosa – ist unter anderem der Versuch zu zeigen, dass die Rettung des Menschlichen vor dem Zugriff des Politischen, wenn überhaupt, nur in der Kunst, in der Literatur stattfinden kann.

Außerdem in der August-„lesArt“: eine weitere Ausgabe der Reihe „Kleinverlage im Porträt“ – diesmal ist es der in Wien ansässige traditionsreiche Milena-Verlag, der ins Zentrum gerückt wird.

Der „kulturMontag“ und „lesArt“ werden als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT + sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.

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